Tagesziel
Religiöse Traditionen bieten unterschiedliche, aber starke Motive für den Schutz von Mitgeschöpfen und Umwelt.
relipuls · Lehrer:innenblatt
Didaktisch verdichteter Unterrichtsimpuls mit Materialien
LeitfrageWie begründe ich mein Handeln gegenüber anderen, wenn verschiedene religiöse und säkulare Überzeugungen aufeinandertreffen?
Klasse 7
Die Lerngruppe kann an eine konkrete Frage anknüpfen: Wie begründe ich mein Handeln gegenüber anderen, wenn verschiedene religiöse und säkulare Überzeugungen aufeinandertreffen?.
Sprachliche Entlastung brauchen vor allem Begriffe, Perspektivwechsel und die Begründung eigener Urteile.
Religiöse Traditionen bieten unterschiedliche, aber starke Motive für den Schutz von Mitgeschöpfen und Umwelt.
Didaktische Hinweise
Warum: Die Leitfrage dieser Stunde – Wie begründe ich mein Handeln gegenüber anderen, wenn verschiedene religiöse und säkulare Überzeugungen aufeinandertreffen? – ist keine Schulfrage, sondern eine echte Entscheidungssituation, der Jugendliche im Alltag begegnen. Was: Im Verlauf entwickeln die Lernenden lernende analysieren ethische begründungsmuster – über erkunden → erfahren → analysieren. Wozu: Am Ende liegt ein sichtbares Ergebnis vor: Ein individuell formulierter Prüfsatz für klimagerechtes Handeln im Alltag, der auf einer reflektierten Begründungslogik basiert. Das ist kein Schulprodukt, sondern eine Position, die außerhalb des Klassenzimmers wirksam werden kann.
Die Leitfrage sichtbar stehen lassen (Wie begründe ich mein Handeln gegenüber anderen, wenn verschiedene religiöse und säkulare Überzeugungen aufeinandertreffen?) und nach jedem Arbeitsschritt kurz sichern, welche Begründung die Lernenden schon haben. Zur Entlastung: Starte mit einer kompakten Variante fuer Klasse 7 und erweitere erst danach den Reflexionsanteil.
Unterrichtsverlauf
| Phase | Zeit | Verlauf / Lehrkraft | Sozialform | MAT |
|---|---|---|---|---|
| Einstieg | 7 Min. | Zitatkarten betrachten - spontane Reaktionen äußern - die unterschiedlichen Stoßrichtungen der Argumente nebeneinanderlegen Lehrkraft: Legt die drei Zitatkarten als Gesprächsimpuls in die Mitte und sammelt die genannten Konfliktlinien an der Tafel Ergebnis: Benannte Konfliktlinien (Freiheit vs. Tierschutz vs. globale Wirkung) als Ausgangspunkt für die Frage nach den dahinterliegenden Begründungen. Hinweis: Die Aussagen noch nicht ethisch bewerten, sondern nur als Phänomen festhalten | Plenum | M1 |
| Resonanz: Was berührt mich in der Welt? | 8 Min. | Bildimpulse im Raum stumm betrachten → einem Motiv zuordnen, das die Reibung zwischen persönlicher Freiheit und globaler Folge spürbar macht → am Bild verweilen → Spannungspunkt als kurzen Satz oder Stichwort mündlich benennen Lehrkraft: Verknüpft die Pausenhof-Debatte um das private Salami-Brötchen mit den globalen Bildimpulsen im Raum und bittet um eine stumme Positionierung zu dem Motiv, das die größte persönliche Betroffenheit auslöst Ergebnis: Ein im Raum gehaltener Spannungspunkt und ein mündlich geäußerter Resonanzsatz zur Reibung zwischen Ich und Welt. Hinweis: Keine Diskussion der Bilder zulassen, die Phase dient rein dem affektiven Nachspüren der globalen Dimension | Einzelarbeit / Raumaufstellung | M2 |
| Logiken des Handelns | 8 Min. | Logik-Profile auf dem Materialblatt sichten → Argumente aus der Pausenhof-Szene (Tafel) und eigene Resonanzsätze mündlich den Profilen zuordnen → Passungen und Reibungen im Gespräch benennen Lehrkraft: Verweist auf die gesammelten Argumente an der Tafel und bittet die Lernenden, diese den vier Begründungslogiken zuzuordnen Ergebnis: Mündlich begründete Zuordnung von Alltagsargumenten zu vier religiösen/säkularen Begründungsmustern. Hinweis: Keine schriftliche Sicherung verlangen; der Fokus liegt auf dem lauten Nachdenken und dem Entdecken der unterschiedlichen Tiefenstrukturen | Partnerarbeit | M3 |
| Tiefenbohrung: Transzendenz vs. Kalkül | 10 Min. | Quellentexte lesen → Begründungen für verantwortliches Handeln markieren → Kernunterschied zwischen Nutzenkalkül und Schöpfungsbeziehung formulieren Lehrkraft: Teilt das Material aus und sichert am Ende die formulierten Kernunterschiede als Überleitung zur gemeinsamen Kontrastierung Ergebnis: Schriftlich formulierter Kernunterschied der Begründungsquellen (Nutzen/Leid vs. Gott/Statthalterschaft). Hinweis: Darauf achten, dass die religiöse Perspektive nicht als bloßes Regelwerk, sondern als Beziehungsgeschehen (Verantwortung vor Gott) verstanden wird | Partnerarbeit | M4 |
| Die Kontrastachse: Wo liegt die Reibung? | 5 Min. | Ergebnisse der Textarbeit zusammentragen → Begründungsquellen (Gott/Schöpfung vs. Vernunft/Nutzen) in Raster eintragen → unterschiedlichen Verbindlichkeitsanspruch benennen Lehrkraft: Entwickelt das Tafelbild aus den Zurufen der Lernenden und pointiert die Differenz zwischen Transzendenz und Kalkül Ergebnis: Ausgefülltes Kontrastraster mit explizit benanntem Unterschied im Verbindlichkeitsanspruch. Hinweis: Differenz aushalten, nicht harmonisieren – beide Seiten (säkular und religiös) in ihrer eigenen Logik stark machen | Plenum | M5 |
| Sicherung und Transfer | 7 Min. | Ausgangssituation aufrufen → überzeugendste Begründungslogik aus dem Raster auswählen → eigenen Prüfsatz für zukünftige Konsumentscheidungen formulieren Lehrkraft: Prüfsätze exemplarisch einsammeln und die Stunde mit dem Ausblick schließen, dass eine plurale Gesellschaft genau diese verschiedenen starken Motive für ein gemeinsames Ziel braucht Ergebnis: Ein individuell formulierter Prüfsatz für klimagerechtes Handeln im Alltag, gestützt auf eine konkrete säkulare oder religiöse Begründungslogik. Hinweis: Darauf achten, dass Lernende nicht zu einem religiösen Bekenntnis gedrängt werden, sondern die ethische Tragfähigkeit der Argumente für die eigene Lebenswelt bewerten | Einzelarbeit | M6 |
Materialien
Material M1
"Mein Pausenbrot ist meine Privatsache. Ich lass mir mein Salami-Brötchen von niemandem verbieten, das ist meine Freiheit."
"Weißt du eigentlich, wie die Tiere dafür leiden? Massentierhaltung ist ein Verbrechen an der Natur und an den Mitgeschöpfen."
"Ob ich jetzt Wurst esse oder nicht, rettet das Klima auch nicht mehr. Mein individueller Verzicht bringt global gesehen gar nichts."
Material M2

Alt-Text: Eine endlose, sterile Halle einer industriellen Massentierhaltung, dicht gedrängt stehen Tiere im Kunstlicht.
Alt-Text: Ein scharfer Kontrast aus der Vogelperspektive: Auf der einen Seite dichter, grüner Regenwald, auf der anderen Seite eine kahle, braune Soja-Plantage.
Alt-Text: Ein ausgetrockneter, rissiger Flussboden in einer extremen Dürreregion, im Hintergrund eine verlassene Siedlung.
Alt-Text: Ein überfülltes, bunt leuchtendes Supermarktregal mit unzähligen in Plastik verpackten Fleisch- und Wurstwaren im Überfluss.
Wahrnehmungsimpuls (wird von der Lehrkraft gesprochen):
"Auf dem Pausenhof ging es gerade um das private Salami-Brötchen und die eigene Freiheit. Schaut euch nun diese Bilder an. Wo spürt ihr die Konsequenzen unserer alltäglichen Entscheidungen am stärksten? Stellt euch stumm zu dem Bild, das für euch die größte Reibung zwischen meiner Freiheit und der Welt zeigt."
Material M3
* Islam: Khalifa (Statthalter)
Der Mensch hat die Aufgabe, als Stellvertreter auf der Erde für Gerechtigkeit zu sorgen. Gutes Handeln zeigt sich im Alltag darin, Maß zu halten, anderen ihre Rechte zu geben und niemanden zu schädigen.
* Judentum: Tikkun Olam (Die Welt reparieren)
Die Welt ist unvollkommen. Es ist die Pflicht des Menschen, durch gerechtes und verantwortliches Handeln aktiv an der Reparatur und Verbesserung der Welt mitzuwirken.
* Säkular: Utilitarismus (Leidensminimierung)
Eine Handlung ist dann gut, wenn sie das Leid verringert und das Wohlergehen aller fühlenden Lebewesen (auch der Tiere) vergrößert. Es geht um eine logische Schadensbilanz, nicht um einen göttlichen Auftrag.
* Buddhismus: Nicht-Schaden
Ethische Praxis im Alltag bedeutet moralische Disziplin: Töten strikt unterlassen, nicht stehlen und aktives Mitgefühl für alle Lebewesen pflegen.
Ordne die folgenden Aussagen aus der Pausenhof-Diskussion den oben genannten vier Logiken zu. Überlege gemeinsam mit deinem Partner: Welches Argument passt zu welcher Begründung?
Material M4
Auf dem Pausenhof ging es um Tierschutz und Klima. Aber warum genau sollten wir darauf achten? Lest die zwei Texte und vergleicht die Begründungen.
Text 1: Säkulare Ethik (Nutzenkalkül)
In einer säkularen, nutzenorientierten Ethik gibt es keine von Gott vorgegebenen Regeln. Ob eine Handlung gut ist, misst sich an ihren Folgen für die Welt. Tiere haben zwar keine einklagbaren Rechte wie Menschen, aber Menschen haben ein vernünftiges Interesse daran, dass Tiere nicht unnötig leiden. Verantwortung bedeutet hier: Wir wägen rational ab, was für die Gesellschaft und die Umwelt langfristig den größten Nutzen und das geringste Leid bringt.
Text 2: Islamische Binnenperspektive (Khalifa)
Im Islam gilt der Mensch als Khalifa (Statthalter) auf Erden. Im Qur'an heißt es: „Er ist es, Der euch zu Nachfolgern (auf) der Erde gemacht [...] hat“ (Sure 6:165). Das bedeutet: Die Welt ist ein anvertrautes Gut von Gott. Ein bekannter Hadith (Überlieferung) erzählt von einem Mann, der einem durstigen Hund an einem Brunnen Wasser gab. Der Prophet Muhammad sagte dazu, dass Gott ihm für diese Barmherzigkeit gegenüber einem Tier all seine Sünden vergab. Verantwortung bedeutet hier: Wir handeln gut zur Schöpfung, weil wir Gott gegenüber dafür Rechenschaft ablegen müssen.
Euer Auftrag:
1. Unterstreicht in beiden Texten: Wer oder was fordert hier das gute Handeln ein? Woraus wird die Verantwortung abgeleitet?
2. Ergänzt gemeinsam den folgenden Satz:
Während die säkulare Ethik auf _________________________________ schaut, begründet die islamische Perspektive den Tierschutz mit _________________________________.
Material M5
Arbeitsauftrag: Füllt das Raster aus, um die unterschiedlichen Begründungen für verantwortliches Handeln gegenüber der Welt zu vergleichen. Nutzt dazu eure Ergebnisse aus der vorherigen Textarbeit.
| Prüffrage | Säkulares Nutzenkalkül (Vernunft/Vorteil) | Religiöse Perspektiven (Glaube/Auftrag) |
|---|---|---|
| Warum schützen wir Tiere/Umwelt? | ||
| Wem gegenüber sind wir verantwortlich? | ||
| Woher kommt die Verbindlichkeit? |
Unser Reibungspunkt:
Der Kernunterschied zwischen einem rationalen Kalkül (Abwägen von Vor- und Nachteilen) und einer religiösen Begründung (Handeln aus einem göttlichen Auftrag oder einer inneren Haltung) liegt für mich in folgendem Punkt:
__________________________________________________________________________________________
Kurzhilfe zu den Begriffen:
* Säkulares Nutzenkalkül: Eine Entscheidung, die auf logischem Nachdenken über den größten Nutzen für die Mehrheit basiert.
* Religiöse Perspektiven: Handeln, das sich auf eine höhere Instanz (Gott) oder eine spirituelle Tradition (z. B. Verantwortung als „Statthalter“ der Erde) bezieht.
* Verbindlichkeit: Der Grund, warum ich mich verpflichtet fühle, etwas Bestimmtes zu tun (z. B. weil es vernünftig ist oder weil es ein Gebot ist).
Material M6
Zurück auf Anfang: Erinnert euch an die Diskussion heute Morgen: „Mein Fleisch ist meine Freiheit“ vs. „Das ist ein Verbrechen an der Schöpfung“.
Um eine gute Entscheidung zu treffen, hilft es, auf bewährte Begründungen zu schauen. Hier ist eine Übersicht der Argumente, die wir heute kennengelernt haben:
Arbeitsauftrag:
1. Wähle die Begründung aus, die dir für das Zusammenleben in unserer Gesellschaft am meisten einleuchtet.
2. Formuliere daraus einen Prüfsatz, den du anwenden kannst, wenn du das nächste Mal vor einer Alltagsentscheidung stehst (z. B. am Kiosk, in der Kantine oder beim Einkaufen).
Mein Prüfsatz für den Alltag:
Ich versuche so zu entscheiden, dass ... , weil ...
Quellen
Die Wanderausstellung liefert starke visuelle Impulse zu planetaren Grenzen und konkreten Lösungsansätzen.
Das Material bricht die großen Fragen auf die Lebenswelt herunter und fördert die Empathie gegenüber Tieren.
Ein kompakter Überblick zu utilitaristischer Ethik findet sich im Beitrag Philosoph des Monats: Norbert Hoerster.
Annika Schreiter spricht im Interview „Denkt auch mal jemand an die Jugend?“ über die aktuellen Herausforderungen der Evangelischen Jugend.
Das Angebot Empowerment- und Resilienztrainings für junge Menschen richtet sich an Jugendliche ab 16 Jahren, um sie als Wandelakteur:innen zu stärken.