Tagesziel
Alte Schöpfungstexte bieten einen radikalen Gegenentwurf zur Ohnmacht in digitalen Filterblasen.
relipuls · Lehrer:innenblatt
Didaktisch verdichteter Unterrichtsimpuls mit Materialien
LeitfrageWie kann ich in einer Welt, in der Algorithmen alles für mich entscheiden wollen, meine eigene Verantwortung als Mensch wahrnehmen?
Klasse 8 (Stadtteilschule)
Die Lerngruppe kann an eine konkrete Frage anknüpfen: Wie kann ich in einer Welt, in der Algorithmen alles für mich entscheiden wollen, meine eigene Verantwortung als Mensch wahrnehmen?.
Sprachliche Entlastung brauchen vor allem Begriffe, Perspektivwechsel und die Begründung eigener Urteile.
Alte Schöpfungstexte bieten einen radikalen Gegenentwurf zur Ohnmacht in digitalen Filterblasen.
Didaktische Hinweise
Warum: Die Leitfrage dieser Stunde – Wie kann ich in einer Welt, in der Algorithmen alles für mich entscheiden wollen, meine eigene Verantwortung als Mensch wahrnehmen? – ist keine Schulfrage, sondern eine echte Entscheidungssituation, der Jugendliche im Alltag begegnen. Was: Im Verlauf entwickeln die Lernenden lernende setzen religiöse konzepte der weltgestaltung (ebenbildlichkeit – über erkunden → erfahren → analysieren. Wozu: Am Ende liegt ein sichtbares Ergebnis vor: Eine tabellarische Gegenüberstellung von religiösem Gestaltungsauftrag und Datenlogik sowie ein begründeter Kommentar als persönliche ethische Positionierung. Das ist kein Schulprodukt, sondern eine Position, die außerhalb des Klassenzimmers wirksam werden kann.
Die Leitfrage sichtbar stehen lassen (Wie kann ich in einer Welt, in der Algorithmen alles für mich entscheiden wollen, meine eigene Verantwortung als Mensch wahrnehmen?) und nach jedem Arbeitsschritt kurz sichern, welche Begründung die Lernenden schon haben. Zur Entlastung: Starte mit einer kompakten Variante fuer Klasse 8 (Stadtteilschule) und erweitere erst danach den Reflexionsanteil.
Unterrichtsverlauf
| Phase | Zeit | Verlauf / Lehrkraft | Sozialform | MAT |
|---|---|---|---|---|
| Einstieg | 7 Min. | Social-Media-Posts auf dem Tisch auslegen → Kontrast zwischen digitaler Scheinwelt und realer Ohnmacht benennen → spontane Reaktionen austauschen Lehrkraft: Legt die Kartensets auf die Tische und sammelt nach dem Austausch die benannten Reibungspunkte an der Tafel Ergebnis: Benannter Kontrast zwischen algorithmischem Lösungsversprechen und persönlicher Ohnmacht. Hinweis: Keine schnellen Lösungen zulassen, das Gefühl der Ohnmacht darf im Raum stehen bleiben | Murmelgruppe | M1 |
| Echo der Verantwortung | 7 Min. | Hörimpuls zur algorithmischen Übermacht auf sich wirken lassen → Stille aushalten → spontanen Resonanzsatz oder offene Frage zur eigenen Bedeutung äußern Lehrkraft: Ohnmachtsgefühl aus den Social-Media-Posts (Schritt 1) aufgreifen → Hörimpuls (M2) vorlesen → anschließende Resonanzfragen unkommentiert an der Tafel sammeln Ergebnis: Geäußerte Resonanzsätze oder Fragen zur eigenen Handlungsrelevanz in einer KI-gesteuerten Welt. Hinweis: Keine Diskussion eröffnen → aufkommende Fragen stehen lassen als existenziellen Resonanzraum für die religiösen Schöpfungstexte im nächsten Schritt | Plenum | M2 |
| Drei Wege der Weltgestaltung | 8 Min. | Quellentexte sichten → den eigenen Ohnmachts-Sätzen aus Schritt 2 mündlich gegenüberstellen → grundlegende Unterschiede in der Rollenzuschreibung benennen Lehrkraft: Legt das Impulsblatt in die Gruppen und lässt die Texte als mögliche Antworten auf die vorherigen Ohnmachtsgefühle prüfen Ergebnis: Mündlich benannte Differenz zwischen religiösem Gestaltungsauftrag und technokratischer Entmündigung. Hinweis: Darauf achten, dass die religiösen Konzepte (Khalifa, Ebenbild) hier als Ermächtigung gegen die Ohnmacht verstanden werden | Gruppenarbeit | M3 |
| Unterbrechung der Datenlogik | 10 Min. | Arbeitsblatt sichten → Kriterien für beide Logiken in Tabelle eintragen → Fazit-Satz zur anthropologischen Differenz formulieren Lehrkraft: Teilt M4 aus und sammelt am Ende zwei bis drei Fazit-Sätze im Plenum als Überleitung zur religionskritischen Anfrage Ergebnis: Ausgefüllte Gegenüberstellung und ein formulierter Fazit-Satz zur Unersetzbarkeit menschlicher Verantwortung. Hinweis: Darauf achten, dass KI nicht verteufelt wird, sondern die Grenze der Verantwortungsübernahme klar wird | Einzelarbeit | M4 |
| Die religionskritische Anfrage | 6 Min. | Kritischen Kommentar lesen → Vorwurf der Vertröstung markieren → mit dem eigenen Fazit-Satz aus dem vorherigen Schritt abgleichen → Schwachstelle der Kritik oder berechtigten Einwand benennen Lehrkraft: Projiziert den kritischen Kommentar, sammelt die formulierten Einwände an der Tafel und spitzt die Frage zu, ob der religiöse Auftrag hier blockiert oder motiviert Ergebnis: Ein benannter Einwand oder eine Zustimmung zur säkularen Kritik als inhaltliche Vorbereitung für das abschließende Statement. Hinweis: Die säkulare Position ernst nehmen und nicht vorschnell abwerten; sie vertritt die Lebensrealität vieler Konfessionsloser | Einzelarbeit | M5 |
| Eigene Stimme in der Datenwelt | 7 Min. | Fiktiven Social-Media-Post lesen → eigene Position zur menschlichen Verantwortung in der digitalen Welt formulieren → Kommentar als Transferurteil verfassen Lehrkraft: Teilt das Material aus und sammelt am Ende zwei bis drei Kommentare als Abschluss-Statements im Plenum ein Ergebnis: Ein ausformulierter Kommentar als persönliche ethische Handlungsregel für den Umgang mit digitaler Ohnmacht. Hinweis: Darauf achten, dass sowohl religiöse als auch säkulare Begründungen für die eigene Positionierung legitim sind | Einzelarbeit | M6 |
Materialien
M1
M11
M2
M3
M4
M5
M6
Material M1

"KI hat das perfekte Hamburg 2050 entworfen. Keine Abgase, kein Müll, alles grün. Die Technik wird uns retten! 🌿🤖"
"Schön wär's. War gestern im Stadtpark, alles voller Plastikmüll. Fühle mich nur noch machtlos, wenn ich die echten Nachrichten sehe. KI ändert daran gar nichts."
"Chill, die Algorithmen regeln das bald. Wir müssen nur abwarten und konsumieren. Du machst dir zu viele Sorgen."
Material M11

Material M2
Dein Feed wurde aktualisiert.
Wir haben diese Inhalte für dich optimiert.
KI hat dein Problem gelöst.
Du musst nichts weiter tun.
Lehn dich zurück.
Der Algorithmus weiß, was du sehen willst.
Wir übernehmen das Denken.
Wir übernehmen das Schreiben.
Wir übernehmen die Verantwortung.
Wenn die Maschine alles perfekt macht – wofür bist du dann noch hier?
Material M3
Stimme 1: Die islamische Tradition
Gott bietet den Himmeln, der Erde und den Bergen die Verantwortung für die Welt an, aber sie scheuen sich davor. Der Mensch übernimmt dieses anvertraute Gut. Er ist als Khalifa (Statthalter) eingesetzt, um die Schöpfung aktiv zu bewahren und stellvertretend gerecht zu handeln.
Stimme 2: Die jüdisch-christliche Tradition
Der Mensch ist als Ebenbild Gottes (Imago Dei) geschaffen. Das bedeutet: Er ist kein Zufallsprodukt und kein bloßer Zuschauer, sondern hat den göttlichen Auftrag, die Welt verantwortlich mitzugestalten und das Leben zu schützen.
Stimme 3: Die technokratische Vision
Die Welt ist zu komplex geworden. Der Mensch ist fehlerhaft und oft überfordert. Künstliche Intelligenz und Algorithmen können Daten besser auswerten, Krisen effizienter managen und uns die Verantwortung für die Zukunft abnehmen.
***
Deine Aufgabe:
Vergleiche diese drei Stimmen mit deinem persönlichen Ohnmachts-Satz aus dem vorherigen Schritt.
Material M4
Auftrag: Vergleicht die beiden Seiten. Tragt Stichworte in die Tabelle ein und beendet unten den Fazit-Satz.
Seite A: Der Mensch als Khalifa (Statthalter)
Gott bietet den Himmeln, der Erde und den Bergen die Verantwortung für die Welt an, aber sie scheuen sich davor. Der Mensch übernimmt dieses anvertraute Gut. (nach Sure 33,72)
Seite B: Die Logik des Algorithmus
KI berechnet Wahrscheinlichkeiten, optimiert Klicks und steuert Aufmerksamkeit. Sie hat kein Gewissen, sondern folgt Daten.
| Prüffrage | Mensch (Khalifa / Ebenbild) | Algorithmus (KI) |
|---|---|---|
| Wer trägt die Verantwortung? | ||
| Was ist das höchste Ziel? | ||
| Was fehlt dieser Seite? |
Fazit-Satz:
Wenn der Mensch seine Rolle als Statthalter an die KI abgibt, dann ...
Material M5
In Diskussionen über Künstliche Intelligenz und Verantwortung gibt es auch harte Kritik an Religionen. Ein typischer Einwand lautet:
"Wer glaubt, dass uns ein Gott als 'Statthalter' oder 'Ebenbild' eingesetzt hat, macht es sich zu leicht. Wenn Algorithmen unsere Meinungen steuern, hilft kein Verweis auf alte Texte. Wir sind ganz allein verantwortlich. Religion vertröstet uns nur auf eine höhere Ordnung, die es gar nicht gibt. Schöpfung ist oft nur eine Ausrede, um der harten technischen Realität auszuweichen."
Mein Einwand oder meine Zustimmung zur Kritik:
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Material M6
Ein bekannter Tech-Influencer postet heute auf seinem Kanal:
"Lehnt euch zurück! KI wird bald den Klimawandel lösen, die Wirtschaft steuern und uns alle anstrengenden Entscheidungen abnehmen. Wir müssen nichts mehr tun, der Algorithmus regelt das besser als wir."
Dein Kommentar:
Verfasse eine Antwort auf diesen Post. Nutze dabei den folgenden Prüfsatz, um die Aussage des Influencers zu bewerten:
"Verantwortung kann nicht an Maschinen abgegeben werden, da der Mensch durch seine besondere Stellung in der Welt (als Ebenbild Gottes oder als Stellvertreter/Khalifa) dazu berufen ist, aktiv und bewusst für das Gute zu handeln."
Entscheide selbst, ob du diesen Gedanken als starkes Argument gegen die digitale Ohnmacht nutzt oder ob du ihn ablehnst und deine Verantwortung anders begründest.
Diese Satzstarter können dir helfen:
- "Wenn wir Menschen den Auftrag haben, die Welt mitzugestalten, dann bedeutet das für diesen Post..."
- "Ich halte die Idee der Schöpfungsverantwortung heute für (wichtig / veraltet), weil..."
- "Gegen die Bequemlichkeit der Algorithmen setze ich..."
Quellen
Dieses Material bietet einen direkten Zugang zu den Schöpfungserzählungen in Bibel, Tanach und Koran und bildet das inhaltliche Fundament für den A-Teil.
Michael Blumes Gedanken zur medialen Lautstärke schärfen den Blick für die gesellschaftliche Dringlichkeit echter Dialogfähigkeit.
Der Internationale Tag der Pressefreiheit bietet wichtiges Hintergrundwissen zur aktuellen Medienlandschaft.
Martin Fehrensen fragt in seinem Beitrag Was bleibt, wenn KI alles macht?, wie sich Journalismus und Vertrauen verändern.