Tagesziel
Die bewusste Reduktion von Symbolen fördert die eigene Urteilsbildung, da sie Raum für individuelle Deutungen lässt.
relipuls · Lehrer:innenblatt
Didaktisch verdichteter Unterrichtsimpuls mit Materialien
LeitfrageWie können wir unsere eigenen Werte durch Symbole sichtbar machen, ohne andere auszuschließen?
Jahrgang 11/12 (Sek II) Die Gruppe bringt ein hohes Maß an digitaler Alltagserfahrung mit Symbolen (Emojis, Icons, Memes) mit, aber oft keine reflektierte Unterscheidung zwischen privatem Symbolgebrauch und religiöser Symbolbedeutung. In dieser Stunde brauchen sie sprachliche Entlastung bei der Unterscheidung von „Identitätsmarker“ und „ethischem Appell“ sowie emotionale Entlastung, um eigene Glaubenssymbole nicht sofort als Angriffspunkt zu erleben.
Die bewusste Reduktion von Symbolen fördert die eigene Urteilsbildung, da sie Raum für individuelle Deutungen lässt.
Didaktische Hinweise
Dieses Thema ist für die Sek II jetzt relevant, weil die Lernenden täglich in sozialen Medien mit Symbolen konfrontiert werden, die zwischen Identitätsausdruck, Provokation und ethischer Botschaft changieren – und sie selbst oft nicht wissen, wie sie diese unterscheiden sollen. Die Lernenden sortieren konkrete Netz-Symbole in eine Übersicht, positionieren sich im Raum zu provokativen Symbolverwendungen und ordnen diese dann den Deutungsräumen Transzendenz, Tawhid und Kritik zu – sie entwickeln also eine eigene Kategorisierung, die sie später auf neue Beispiele anwenden können. Die Stunde führt dazu, dass die Lernenden eine begründete Haltung zur digitalen Symbolentwertung formulieren können – eine Fähigkeit, die sie außerhalb des Klassenraums befähigt, in Diskussionen um religiöse Symbole in sozialen Medien sachlich und differenziert Stellung zu beziehen.
Achten Sie bei der Raumpositionierung (Schritt 2) darauf, dass Sie bewusst eine provokative, aber nicht verletzende Symbolverwendung wählen – etwa ein Friedenssymbol, das in einem politischen Meme umgedeutet wird. So vermeiden Sie, dass Lernende mit starken persönlichen Glaubensbindungen sich angegriffen fühlen, und ermöglichen eine sachliche Distanz zur Analyse.
Unterrichtsverlauf
| Phase | Zeit | Verlauf / Lehrkraft | Sozialform | MAT |
|---|---|---|---|---|
| Einstieg | 7 Min. | Social-Media-Screenshots betrachten → Verwendungsweisen der Symbole identifizieren → Zuordnung in 'Identitätsmarker' oder 'ethischer Appell' vornehmen Lehrkraft: Legt die Screenshots aus und bittet um eine erste spontane Sortierung der Verwendungsweisen Ergebnis: Eine sortierte Übersicht der Symbolverwendungen als Basis für die weitere Analyse. Hinweis: Die Diskussion soll nicht bei der Identifikation von Mobbing stehen bleiben, sondern auf die Funktion der Symbole in der Kommunikation fokussieren | Partnerarbeit | M1 |
| Resonanzraum: Wenn Symbole 'fremdgehen' | 8 Min. | Stumme Projektion betrachten → im Raum auf einer Achse zwischen 'völlig entfremdet' und 'neue digitale Relevanz' positionieren → in Stille verweilen → spontane Resonanzäußerung äußern Lehrkraft: Projiziert das Bild eines religiösen Symbols in einem aggressiven Cybermobbing-Kontext und leitet durch die Stille, bevor die Positionierung im Raum angestoßen wird Ergebnis: Eine im Raum verortete Positionierung als Ausgangspunkt für die anschließende Deutung. Hinweis: Die Stille nach der Positionierung dient dem Aushalten der Spannung zwischen Symbolbedeutung und digitaler Entwertung | Plenum (Raumaufstellung) | M2 |
| Deutungsräume: Transzendenz, Tawhid und Kritik | 10 Min. | Kurz-Expertisen lesen → Beobachtungen aus dem Netzrauschen den Deutungsräumen zuordnen → Reibungspunkte zwischen religiöser Tiefe und medialer Instrumentalisierung mündlich austauschen Lehrkraft: Legt die drei Kurz-Expertisen aus und bittet die Lernenden, ihre bisherigen Beobachtungen aus dem Netzrauschen mit diesen Deutungsrahmen in Bezug zu setzen Ergebnis: Eine begründete Zuordnung der Netz-Symbole zu den drei Deutungsräumen. Hinweis: Die Lernenden sollen nicht harmonisieren, sondern die spezifische Spannung zwischen dem religiösen Anspruch und der digitalen Form benennen | Gruppenarbeit | M3 |
| Strukturelle Symbolentleerung | 10 Min. | Design-Regeln von Steinfeld auf das Symbol-Icon anwenden → Verlust an religiöser Tiefe durch digitale Reduktion prüfen → These zur technischen Transportierbarkeit religiöser Botschaften formulieren Lehrkraft: Legt das Analyse-Raster vor, begleitet die Einzelarbeit und moderiert den anschließenden Austausch zur Frage der medialen Entleerung Ergebnis: Eine begründete These zur Frage, ob digitale Medien religiöse Symbole zwangsläufig zur Marke entwerten. Hinweis: Fokus auf die technische Unmöglichkeit der Abbildung von Transzendenz in reduzierten Icons legen | Einzelarbeit mit anschließender Diskussion | M4 |
| Sicherung und Transfer | 10 Min. | Eigene These zur digitalen Symbolverwendung formulieren → Unterscheidung zwischen Identitätsmarker und ethischem Appell anwenden → Urteil zur Entwertungsthese begründen Lehrkraft: Sammelt die schriftlichen Positionen ein und leitet eine kurze Abschlussrunde ein, in der die Lernenden ihre Kernargumente für eine heutige Debatte kurz benennen Ergebnis: Eine schriftlich fixierte, begründete Position zur Frage der digitalen Symbolentwertung. Hinweis: Fokus auf die Differenzierung zwischen Symbol als Identitätsmarker (Abgrenzung) und als ethischer Appell (Kommunikation) | Einzelarbeit | M5 |
Materialien
Material M1
Ein Screenshot zeigt einen Kommentar unter einem politischen Post. Das Kreuz-Emoji wird genutzt, um eine Gruppe als 'fremd' oder 'nicht zugehörig' zu markieren.
Ein Screenshot zeigt ein Profilbild mit einem kalligrafischen Schriftzug. Der Post spricht sich gegen Diskriminierung aus.
Ein Screenshot zeigt einen Post in einer hitzigen Online-Debatte. Das Kreuz-Emoji wird als Zeichen für die eigene ethische Haltung gegen Ausgrenzung eingesetzt.
Ein Screenshot zeigt einen Kommentar unter einem Video. Der kalligrafische Schriftzug wird als Provokation genutzt, um eine religiöse Identität aggressiv abzugrenzen.
Material M11

Material M2

Material M3
Eure Aufgabe:
1. Lest die drei Kurz-Expertisen zu den Deutungsräumen.
2. Sucht aus euren Notizen zum Netzrauschen (M1) ein Symbol oder einen Kommentar heraus, der zu jedem Deutungsraum passt.
3. Notiert zu jedem Deutungsraum einen Satz, der die Spannung zwischen dem religiösen Anspruch und der digitalen Nutzung beschreibt.
1. Christliche Perspektive: Das Symbol als Verweis auf das Leiden
Das Kreuz erinnert an das Leiden und die Hingabe. Es ist ein Zeichen der Solidarität mit den Leidenden. Wird es als Waffe oder zur Ausgrenzung genutzt, verliert es seine religiöse Tiefe und wird zum bloßen Identitätsmarker.
2. Islamische Perspektive: Die Einheit Gottes (Tawhid) durch Kalligrafie
Die Kalligrafie verweist auf die Einzigartigkeit Gottes. Gott ist mit nichts vergleichbar (Sure 42:11). Symbole und Schriftzüge sind Hinweise auf die göttliche Wirklichkeit, keine Abbilder. Sie für menschliche Streitkultur zu instrumentalisieren, widerspricht ihrer heiligen Bestimmung.
3. Säkular-kritische Perspektive: Machtkritik an der Verfügbarkeit
In digitalen Netzwerken werden Symbole zu Icons reduziert. Diese totale Verfügbarkeit entleert die ursprüngliche Bedeutung. Die Kritik richtet sich gegen die Instrumentalisierung von Zeichen für die Aufmerksamkeitsökonomie, in der Symbole nur noch als 'Marken' für Zugehörigkeit oder Abgrenzung dienen.
Material M4

Design-Regel nach C. Steinfeld: "Weniger ist mehr. Reduktion auf das Wesentliche schafft Klarheit und Wiedererkennung."
| Traditionelles Symbol | Digitales Icon |
|---|---|
| ✟ (Kreuz) | ✝️ (Emoji-Kreuz) |
| 🕊️ (Taube) | 🕊️ (Emoji-Taube) |
| 🕎 (Menora) | 🕎 (Emoji-Menora) |
Eure Aufgabe:
1. Betrachtet beide Symbole genau.
2. Analysiert: Welche Bedeutungsebenen gehen durch die „Reduktion auf das Wesentliche“ verloren? Was fehlt dem digitalen Icon im Vergleich zum traditionellen Symbol?
3. Formuliert eine These: Kann ein digitales Icon noch als Verweis auf das Heilige (Transzendenz) dienen oder wird es technisch zwangsläufig zur bloßen Marke?
Material M5
Deine Aufgabe: Formuliere eine begründete Antwort auf die Frage:
Ist die digitale Verwendung religiöser Symbole ein notwendiges Übel der modernen Teilhabe oder eine strukturelle Entleerung, die religiöse Identitäten gefährdet?
| Schritt | Deine wichtigste Erkenntnis |
|---|---|
| Symbole im Alltag | Welches Symbol hast du untersucht? Welche Bedeutung hatte es ursprünglich? |
| Bilderverbot | Was sagt die Tradition (z. B. Exodus 20, Sure 42) zum Umgang mit Bildern? |
| Digitale Nutzung | Wie wird dein Symbol heute im Netz verwendet (z. B. als Emoji, Profilbild, Filter)? |
| Deine Einschätzung | Was spricht für, was gegen die digitale Nutzung? |
Quellen