Tagesziel
KI kann als Werkzeug für die Bewältigung der Klimakrise dienen – aber sie entbindet uns nicht von der Verantwortung für unsere Entscheidungen.
relipuls · Lehrer:innenblatt
Verlässlichkeit, Verantwortung und Regeln im Umgang mit KI
LeitfrageDarf ich KI-Lösungen blind vertrauen oder muss ich selbst prüfen, ob sie zu meinem Verantwortungsverständnis passen?
Klasse 8/9 (Sek I) Die Jugendlichen bringen eine hohe digitale Alltagskompetenz mit, neigen jedoch dazu, KI-Ergebnisse als neutrale Fakten statt als konstruierte Vorschläge zu betrachten. Sie benötigen eine sprachliche Entlastung durch Visualisierungen und lokale Alltagsbezüge, um die abstrakte ethische Debatte über Verantwortung in konkrete, greifbare Entscheidungssituationen zu übersetzen.
KI kann als Werkzeug für die Bewältigung der Klimakrise dienen – aber sie entbindet uns nicht von der Verantwortung für unsere Entscheidungen.
Didaktische Hinweise
Die Jugendlichen müssen lernen, dass KI-Systeme keine moralischen Instanzen sind, sondern Werkzeuge, die unsere eigenen Wertevorstellungen spiegeln oder verzerren können. Sie analysieren konkrete KI-Szenarien aus ihrem Hamburger Umfeld, decken Verantwortungsbrüche auf und erproben in einer Gremiums-Simulation, wie man ethisch fundierte Entscheidungen trifft. Sie entwickeln eine persönliche Haltung, die sie befähigt, KI-Empfehlungen kritisch zu hinterfragen, statt sie blind als alternativlose Lösungen zu akzeptieren.
Um die textlastigen Materialien zu entschärfen, sollten Sie die Dilemmata als "Entscheidungs-Karten" mit Fotos aus dem Hamburger Stadtbild (z.B. eine KI-gesteuerte Ampelschaltung oder Müllabfuhr) gestalten, die die Schüler physisch auf einem "Verantwortungs-Board" sortieren können, bevor sie in die schriftliche Gremienarbeit einsteigen.
Unterrichtsverlauf
| Phase | Zeit | Verlauf / Lehrkraft | Sozialform | Material |
|---|---|---|---|---|
| Einstieg | 8 Min. | Chatverlauf lesen → Entscheidungsstellen der KI identifizieren → offene Fragen von Lina benennen → Irritationen im Austausch formulieren Lehrkraft: Legt den Chatverlauf als Impuls in die Mitte und bittet um eine erste, spontane Rückmeldung zur Frage, wer hier eigentlich die Verantwortung trägt Ergebnis: Eine Liste benannter Irritationen und offener Fragen zur KI-Verantwortung. | Einzel- und Partnerarbeit | M1 |
| Ethische Dilemmata sichtbar machen: Wer trägt die Verantwortung? | 10 Min. | Chatverlauf lesen → Entscheidungsstellen und offene Fragen markieren → Verantwortungsbereiche diskutieren → Position begründen Lehrkraft: Händigt das Protokoll aus, begleitet die Diskussion in den Kleingruppen und bittet um eine kurze Rückmeldung zur strittigsten Frage Ergebnis: Ein ausgefülltes Beobachtungsprotokoll mit einer begründeten Einschätzung zur Verantwortungsfrage. | Kleingruppenarbeit | M2 |
| Stille zur eigenen Haltung | 7 Min. | In Stille die eigene Haltung zur KI-Verantwortung erspüren → Einen Moment der inneren Sammlung zur Frage der Entscheidungsmacht vollziehen → Optional: Einen kurzen Resonanzsatz zur eigenen Haltung mündlich teilen Lehrkraft: Leitet eine kurze Phase der Stille ein, in der die Lernenden ihre innere Haltung zur Verantwortung gegenüber KI-Entscheidungen wahrnehmen, und sammelt abschließend kurze Resonanzsätze ein Ergebnis: Eine bewusste innere Haltung zur Verantwortung gegenüber KI-Entscheidungen. | Einzelarbeit, dann kurzes Plenum | |
| Verantwortung im Dialog | 10 Min. | Perspektivtexte lesen → eigene Kriterien mit religiösen und säkularen Positionen vergleichen → Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Tabelle festhalten Lehrkraft: Gibt die Stationen frei und begleitet den Vergleichsprozess, indem sie bei Bedarf die Brücke zwischen den individuellen Kriterien und den Traditionen moderiert Ergebnis: Eine ausgefüllte Vergleichstabelle als Basis für die Gremiumsentscheidung. | Stationenlernen | M4 |
| Fiktives Gremium: Wer entscheidet über KI im Schulalltag? | 7 Min. | In Kleingruppen ein Gremium zur KI-Nutzung bilden → Die Position der eigenen Perspektive aus dem vorherigen Schritt einnehmen → Eine gemeinsame Entscheidung für ein Schulprojekt formulieren und begründen → Die Entscheidung im Rollenspiel kurz vorstellen Lehrkraft: Gibt den Auftrag zur Gremiumsbildung, moderiert die Rollenverteilung und achtet darauf, dass die Argumente aus den religiösen und säkularen Perspektiven des Vor-Schritts explizit genutzt werden Ergebnis: Eine begründete Entscheidung des Gremiums für ein konkretes Schulprojekt unter Berücksichtigung der gewählten Perspektive. | Kleingruppen | M5 |
| Sicherung und Transfer | 3 Min. | Reflexionsfrage beantworten → Eigenes Beispiel aus dem Alltag formulieren → Ergebnisse im Plenum teilen Lehrkraft: Die Reflexionsfrage an die Tafel schreiben und die Lernenden zur abschließenden Formulierung einer persönlichen Handlungsregel für den Umgang mit KI anregen Ergebnis: Eine persönlich formulierte Handlungsregel für den verantwortungsvollen Umgang mit KI im Alltag. | Einzelarbeit, Partnerarbeit, Plenum | M6 |
Materialien
Material M1
Lina (15): Ich will ein Projekt für unseren Schulgarten starten. Was kann ich tun, um die Biodiversität zu erhöhen?
KI: Ein Insektenhotel wäre eine gute Idee. Studien zeigen, dass solche Projekte die Artenvielfalt um bis zu 30% steigern können. Möchtest du eine Bauanleitung?
Lina: Ja, aber ich habe nur wenig Zeit. Gibt es etwas, das schneller geht?
KI: Dann könntest du bienenfreundliche Pflanzen kaufen. Das wäre sogar CO₂-neutraler als ein Insektenhotel. Soll ich dir eine Liste mit lokalen Gärtnereien geben?
Lina: Okay, aber was, wenn die Pflanzen nicht ankommen? Wer haftet, wenn das Projekt scheitert?
KI: Ich bin nur ein Sprachmodell. Ich kann keine Haftung übernehmen. Aber ich kann dir helfen, Förderanträge für nachhaltige Projekte zu stellen.
Lina: Und wenn ich das Geld falsch ausgebe?
KI: Transparenz ist wichtig. Dokumentiere deine Ausgaben und teile sie mit der Schulgemeinschaft. So kannst du zeigen, dass das Geld sinnvoll verwendet wurde.
Material M2
Chatverlauf (Ausschnitt):
KI: „Für euer Insektenhotel empfehle ich eine Mischung aus Bambusröhren und Totholz. Das ist besonders bienenfreundlich.“
Nutzer: „Okay, aber wer haftet, wenn das Projekt scheitert?“
KI: „Ich kann keine rechtliche Verantwortung übernehmen. Bitte klärt das mit eurer Lehrkraft oder den Entwicklern.“
KI: „Für die Pflanzen würde ich Stauden wie Lavendel oder Thymian vorschlagen. Die sind pflegeleicht.“
Nutzer: „Was, wenn die Pflanzen nicht ankommen?“
KI: „Ich gebe nur Empfehlungen. Die Umsetzung liegt bei euch.“
KI: „Denkt an Förderanträge für euer Projekt! Hier sind Links zu passenden Programmen.“
Nutzer: „Wer kontrolliert, ob das Geld richtig verwendet wird?“
KI: „Ich kann die Mittelverwendung nicht überprüfen.“
| Entscheidung der KI | Offene Frage | Wer ist verantwortlich? (Mensch/KI/Entwickler/Schule) |
|---|---|---|
| Empfehlung für Insektenhotel | Wer haftet bei Projektmisserfolg? | |
| Vorschlag für Pflanzen | Was, wenn die Pflanzen nicht ankommen? | |
| Hinweis auf Förderanträge | Wer kontrolliert die Mittelverwendung? |
Arbeitsauftrag:
Lest den Chatverlauf auf M2 und füllt die Tabelle aus: Tragt die Entscheidungen der KI und die offenen Fragen ein. Markiert im Chatverlauf die Stellen, an denen die KI eine Entscheidung trifft oder eine Frage offen bleibt. Übertragt diese dann in die Tabelle. Diskutiert dann in der Gruppe, welche Fragen die KI nicht beantworten kann. Wählt eine Stelle aus und begründet, wer eurer Meinung nach verantwortlich ist. Haltet eure begründete Einschätzung zur Verantwortung in der letzten Spalte der Tabelle fest.
Material M4
| Meine Kriterien | Christliche Perspektive (Schöpfungsverantwortung: Der Mensch bewahrt die Schöpfung als Ebenbild Gottes) | Muslimische Perspektive (Khalifa: Der Mensch ist Statthalter Gottes auf Erden) | Alevitische Perspektive (Verantwortung als Gemeinschaftsaufgabe) | Jüdische Perspektive (Tikkun Olam: Die Welt heilen und verbessern) | Säkulare Perspektive (Nachhaltigkeit) | Gemeinsamkeiten | Unterschiede |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
Christliche Perspektive (Schöpfungsverantwortung)
Der Mensch ist als Ebenbild Gottes dazu berufen, die Schöpfung zu bewahren und verantwortungsvoll zu gestalten. KI kann hierbei als Werkzeug dienen, darf aber die menschliche Verantwortung nicht ersetzen.
Muslimische Perspektive (Khalifa)
Der Mensch ist als 'Khalifa' (Statthalter) Gottes auf Erden eingesetzt. Diese Rolle verpflichtet dazu, die Schöpfung im Sinne Gottes zu schützen. KI-Nutzung muss sich an diesem Schutzauftrag messen lassen.
Alevitische Perspektive (Verantwortung als Gemeinschaftsaufgabe)
Verantwortung ist untrennbar mit dem Wohl der Gemeinschaft verbunden. KI-Systeme müssen so gestaltet sein, dass sie niemanden ausschließen und den sozialen Zusammenhalt fördern.
Jüdische Perspektive (Tikkun Olam)
'Tikkun Olam' bedeutet, die Welt zu heilen und zu verbessern. KI kann ein Mittel sein, um Ungerechtigkeiten oder Umweltprobleme anzugehen, wenn sie aktiv zur Reparatur der Welt beiträgt.
Säkulare Perspektive (Nachhaltigkeit)
Verantwortung leitet sich aus der Sorge für zukünftige Generationen ab. KI muss transparent und effizient eingesetzt werden, um Ressourcen zu schonen und globale Gerechtigkeit zu fördern.
Arbeitsauftrag: Lies die fünf Perspektiven und markiere in deinem Heft oder auf einem Zettel, wo deine eigenen Kriterien aus dem letzten Schritt zu den Perspektiven passen. Trage dann in die Tabelle ein, wo deine Kriterien mit einer Perspektive übereinstimmen und welche neuen Aspekte du in den Perspektiven entdeckst, die du bisher nicht bedacht hast.
Material M5
Christlich
KI darf genutzt werden, wenn sie dem Menschen dient und die Schöpfung bewahrt. Verantwortung für Natur und Mitmenschen steht im Mittelpunkt.
Muslimisch
KI ist ein Werkzeug, das nachhaltig und gerecht eingesetzt werden muss. Der Mensch ist als Verwalter der Erde verantwortlich.
Alevitisch
KI kann helfen, wenn sie mit Respekt vor der Natur und dem Leben eingesetzt wird. Gemeinschaft und Harmonie stehen im Vordergrund.
Jüdisch
KI darf genutzt werden, aber mit klugen Grenzen. Die Tora erinnert daran, dass der Mensch die Erde nicht ausbeuten darf.
Säkular
KI kann effizient und nützlich sein, wenn sie transparent und kontrollierbar bleibt. Menschliche Entscheidungen dürfen nicht ersetzt werden.
Gremiums-Protokoll:
* Unsere Perspektive: ____________________
* Entscheidung (Ja/Nein): ____________________
* Unsere wichtigste Begründung: ____________________
* Eine Bedingung für die Nutzung: ____________________
Material M6
Reflexionsfrage:
Wie können wir KI so nutzen, dass sie dem Gemeinwohl dient – und wer entscheidet, was "Gemeinwohl" überhaupt bedeutet?
Arbeitsauftrag:
Schreibe 3–5 Sätze, in denen du erklärst, wie KI in einem konkreten Beispiel aus deinem Alltag (z. B. Schule, Freizeit, Umwelt) dem Gemeinwohl dienen kann. Überlege dir dazu ein passendes Beispiel und begründe deine Antwort. Tausche dich anschließend mit einer Partner:in über deine Gedanken aus. Notiere deine Ergebnisse auf dem Blatt und halte deine Partner:in ihre Gedanken fest.
Quellen