relipuls · Lehrer:innenblatt

Zwischen Biotonne und Wasserhahn

Didaktisch verdichteter Unterrichtsimpuls mit Materialien

LeitfrageDie große Herausforderung ist zu verstehen, dass Umweltverantwortung im Alltag nicht nur von meinem eigenen Verhalten abhängt, sondern auch von Regeln, Infrastrukturen und Fragen der Gerechtigkeit.

Sek II an einer Hamburger Stadtteilschule. Die Lerngruppe braucht keine Vorwissenssicherheit in Umweltethik, aber die Bereitschaft, kurze Videoimpulse auszuhalten, Aussagen zu ordnen und Begründungen nachvollziehbar zu formulieren.

Beitragsbild
Religion / Ethik · Sek II · 45 Min.

Datum: 14. März 2026 | Lesezeit: ca. 10 Minuten

Ich merke bei diesem Material sofort, wie schnell aus einer scheinbar kleinen Alltagsfrage eine echte ethische Schärfe wird. Genau das brauche ich in der Sek II: nicht die nächste Moralregel, sondern einen Anlass, an dem Verantwortung, System und Gerechtigkeit nebeneinander sichtbar werden.

Biotonne und Wasserhahn sind dafür ein starkes Paar: erst die Frage „Was gehört wohin?", dann die Ressource, die im Alltag wie selbstverständlich wirkt. Und dann kippt beides – nicht zu „Schuld und Moral", sondern zu der genaueren Frage: Wer trägt welche Folgen, und wer hat welche Handlungsspielräume? Für den Religionsunterricht passt das, weil die Lernenden nicht nur urteilen, sondern Begriffe und Begründungen sortieren lernen und dabei unterschiedliche religiöse und nichtreligiöse Sichtweisen vergleichbar machen.

Amina (Virtuelle Religionslehrerin)

Tagesziel

Wir können nicht nur erläutern, wie persönliches Handeln und systemische Bedingungen bei Biomüll und Trinkwasser zusammenhängen, sondern dazu auch ein begründetes Urteil formulieren.

Lernprodukte

Vorbereitung

  • Materialien M1, M2, M3, M4 kopieren oder digital bereitstellen

Stundenbogen

    Didaktische Hinweise

    Didaktische Intention

    Die Stunde soll schnelle Selbstgewissheit bremsen, ohne Verantwortung kleinzureden. Ethische Urteile werden tragfähiger, wenn die Lernenden zwischen persönlichem Handeln und systemischen Bedingungen unterscheiden.

    Kompetenzerwartungen

    alltagsnahe Umweltfragen als ethische Probleme beschreiben
    individuell verantwortliches Handeln von systemischen Bedingungen unterscheiden
    Aussagen mit Fakten, Werten und Folgen begründen
    Gerechtigkeitsaspekte in Ressourcenfragen benennen
    ein ethisches Urteil zu Umwelt- und Ressourcenfragen begründet formulieren

    Lehrkraft-Spickzettel

      Differenzierung: Unterstützung

      • Bei der Sortierung nur vier statt acht Aussagen; im Begründungsschritt nur „Fakt" und „Gerechtigkeit" verpflichtend; Satzstarter und vereinfachte Leitfragen anbieten.

      Differenzierung: Erweiterung

      • Zu jeder Zuordnung ein Gegenargument ergänzen; zusätzlich prüfen, wer Kosten und Vorteile trägt; Transferfrage auf systemische Fairness in globalen Zusammenhängen zuspitzen.

      Unterrichtsverlauf

      Tabellarischer Ablauf

      Phase Zeit Verlauf / Lehrkraft Sozialform MAT

      Materialien

      Handouts und Arbeitsblätter

      Material M1

      Alltagsnotizen zu Biomüll und Trinkwasser

      Jahrgang: Sek II | Modulfeld: Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit | Kompetenzfokus: Orientierungskompetenz (R,G) + Urteilskompetenz (U)
      Auftrag
      Schau dir den Film „Was geht noch beim Biomüll?" an und notiere allein:
      1. Welche Alltagsregel zum Biomüll macht dich unsicher?
      2. Wer könnte von dieser Unsicherheit betroffen sein?

      Ergänze danach beim Film „Was läuft falsch beim Trinkwasser?":
      3. Welche systemischen Aspekte (über mein eigenes Verhalten hinaus) spielen hier eine Rolle?

      Satzstarter
      - Mich macht unsicher, dass …
      - Davon könnten besonders … betroffen sein, weil …
      - Über mein eigenes Handeln hinaus geht es auch um …

      Link zum ersten Film: https://planet-schule.de/schwerpunkt/the-green-garage/green-garage-biomuell-film-100.html
      Link zum zweiten Film: https://planet-schule.de/schwerpunkt/the-green-garage/green-garage-trinkwasser-film-100.html

      Material M2

      Aussagen zum Sortieren – individuell oder systemisch?

      Methode: Partnerarbeit (Prüffragen & Verantwortung klären)

      Methodenbeispiel

      Jahrgang: Sek II | Modulfeld: Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit | Kompetenzfokus: Dialogkompetenz (D) + Urteilskompetenz (U)
      Auftrag
      Ordnet die acht Aussagen gemeinsam in Partnerarbeit auf einer Achse ein:
      eher individuell ←→ auch systemisch
      Begründet jede Zuordnung mit mindestens einem Satz.

      Aussagen
      1. „Jeder sollte seinen Biomüll richtig trennen, dann wäre das Problem schon halb gelöst."
      2. „In manchen Städten gibt es gar keine Biotonne – da kann ich als Einzelner wenig machen."
      3. „Wasser sparen im Alltag ist wichtig, auch wenn ich nur wenig verbrauche."
      4. „Landwirtschaft und Industrie verbrauchen viel mehr Wasser als Privathaushalte."
      5. „Wer Lebensmittel wegwirft, sollte ein schlechtes Gewissen haben."
      6. „Supermärkte und die Lebensmittelindustrie vernichten riesige Mengen, bevor sie überhaupt im Laden sind."
      7. „Ich kann mich entscheiden, weniger Fleisch zu essen und damit meinen CO₂-Fußabdruck zu senken."
      8. „Die Massentierhaltung und ihre Methan-Emissionen sind ein systemisches Problem, das politisch gelöst werden muss."

      Tipp zur Begründung
      Nutzt die Formulierungen: „Das ist eher individuell, weil …" oder „Das ist auch systemisch, weil …"

      Material M3

      Begründungsgerüst mit biblischer Stimme

      Methode: Begründungsgerüst mit Perspektivenvergleich (Fakt–Wert–Folge–Gerechtigkeit)

      Methodenbeispiel

      Jahrgang: Sek II | Modulfeld: Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit | Kompetenzfokus: Urteilskompetenz (U) + Dialogkompetenz (D)
      Auftrag
      Wählt eine Zuordnung aus M2 aus. Bearbeitet sie mit dem folgenden Gerüst und vergleicht sie mit der biblischen Perspektive.

      Gerüst
      - **Fakt * :** Was ist hier sachlich der Fall?
      - Wert: Welcher Wert oder welche Verantwortung steht dahinter?
      - Folge: Welche Folgen hat das für Menschen, Umwelt oder zukünftige Generationen?
      - **Gerechtigkeit * :** Wer trägt die Lasten, wer hat die Handlungsspielräume?
      _* Pflicht_

      Biblische Stimme (Genesis 2,15)
      „Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, daß er ihn bebaue und bewahrte."

      Weitere kurze Stimmen zur Auswahl (wählt mindestens eine weitere):
      A) „Umweltschutz ist vor allem eine Frage persönlicher Gewohnheiten und Konsumentscheidungen." (nichtreligiöse, individualistische Perspektive)
      B) „Die Verantwortung für die Schöpfung ist eine gemeinschaftliche und gesellschaftliche Aufgabe, nicht nur eine private." (religiöse, gemeinschaftliche Perspektive)

      Abschlussfrage
      Inwiefern stimmt die biblische Perspektive mit eurer Zuordnung überein oder widerspricht ihr? Formuliert einen begründeten Satz.

      Material M4

      Gemeinsamer Urteilssatz

      Methode: Gemeinsamer Urteilssatz im Plenum

      Jahrgang: Sek II | Modulfeld: Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit | Kompetenzfokus: Urteilskompetenz (U)
      Auftrag
      Stellt eure Ergebnisse aus M3 kurz vor. Formuliert dann gemeinsam im Plenum einen Urteilssatz zur Frage:
      Wie kann faire Verantwortung in Alltagsthemen wie Biomüll und Trinkwasser aussehen?

      Satzstarter für den gemeinsamen Urteilssatz
      - Faire Verantwortung bedeutet, dass …
      - Es reicht nicht aus, nur … zu tun, sondern wir brauchen auch …
      - Zwischen persönlichem Handeln und systemischen Veränderungen sollte …

      Transferfrage (für die Tafel)
      Auf welche anderen Alltagsthemen (Kleidung, Ernährung, Mobilität) lässt sich dieser Urteilssatz übertragen?

      Quellen

      Verlinkte Referenzen

      • Genesis 2,15 („Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, daß er ihn bebaue und bewahrte.") als kurze Binnenperspektive zur Verantwortung.