relipuls · Lehrer:innenblatt

Zwischen Biotonne und Wasserhahn

Didaktisch verdichteter Unterrichtsimpuls mit Materialien

LeitfrageWelche Herausforderung zeigt 'Was geht noch beim Biomüll?', und wie wird sie ueber 'Was läuft falsch beim Trinkwasser?' fuer die Lerngruppe konkret bearbeitbar? Welche Rolle spielt dabei 'Arbeit' als pruefende oder irritierende Gegenstimme?

Beitragsbild
Fach RUfa / Ethik
Zielgruppe Sek I
Dauer 45 Min.
Sek II an einer Hamburger Stadtteilschule. Die Lerngruppe braucht keine Vorwissenssicherheit in Umweltethik, aber die Bereitschaft, kurze Videoimpulse auszuhalten, Aussagen zu ordnen und Begründungen nachvollziehbar zu formulieren.

Tagesziel

Aus 'Was geht noch beim Biomüll?' wird ein Unterrichtsgang, der ueber 'Was läuft falsch beim Trinkwasser?' konkret wird und durch 'Arbeit' reflektiert wird.

Lernprodukte

  • Fallsichtung mit Prüffragen und Verantwortungszuweisung
  • ausgefüllte Vergleichskarte
  • Vergleichstabelle zu Perspektiven
  • Regelprofil
  • Urteilsstatement

Vorbereitung

  • Materialien M1–M4 kopieren oder digital bereitstellen
  • Tafel- oder Folienimpuls mit Leitfrage vorbereiten
  • ggf. Gruppen- oder Partnerbildung vorstrukturieren

Stundenbogen

  1. 1Einstieg
  2. 2Zweiter Clip und Perspektivwechsel
  3. 3Aussagen sortieren und begründen
  4. 4Begründung vertiefen und religiöse Perspektiven einbeziehen
  5. 5Sicherung

Didaktische Hinweise

Das bedenkt die Lehrkraft zuerst

Gegenwartsbedeutung

Lernende kennen plausible digitale Ergebnisse aus ihrem Alltag und müssen einschätzen, ob sie ihnen trauen können und wer für deren Folgen Verantwortung trägt.

Zukunftsbedeutung

Sie lernen, Verantwortung nicht an Technik abzugeben, sondern Prüfschritte, Regeln und Zuständigkeiten gemeinschaftlich zu begründen.

Zugangslogik

Einstieg über einen alltagsnahen Fehlerfall statt über eine abstrakte Technikdebatte.

Reduktion

Nicht die technische Funktionsweise von KI steht im Zentrum, sondern Verlässlichkeit, Prüfen, Verantwortung, Fairness und Regelbildung.

Pluralitätssensibilität

Religiöse und nichtreligiöse Perspektiven arbeiten an derselben ethischen Frage, ohne dass eine Position normativ vorgegeben wird.

Sprachliche Unterstützung

Satzstarter, Stützhilfen, klar strukturierte Leitfragen und vorstrukturierte Raster entlasten die sprachliche Bearbeitung.

Didaktische Intention

Die Stunde soll schnelle Selbstgewissheit bremsen, ohne Verantwortung kleinzureden. Ethische Urteile werden tragfähiger, wenn die Lernenden zwischen persönlichem Handeln und systemischen Bedingungen unterscheiden.

Risiken

  • Die Stunde kippt in Technikfaszination oder pauschale Technikablehnung.
  • Religiöse Perspektiven werden vorschnell harmonisiert statt wirklich verglichen.
  • Verantwortung wird fälschlich an das Tool delegiert statt bei Menschen und Gemeinschaften verortet.

Kompetenzerwartungen

  • Die Lernenden können alltagsnahe Umweltfragen als ethische Probleme beschreiben. Die Lernenden können individuell verantwortliches Handeln von systemischen Bedingungen unterscheiden. Die Lernenden können Aussagen mit Fakten, Werten und Folgen begründen. Die Lernenden können Gerechtigkeitsaspekte in Ressourcenfragen benennen. Die Lernenden können ein ethisches Urteil zu Umwelt- und Ressourcenfragen begründet formulieren.

Ablauf

  • Alltagsimpuls und erster Clip (10 Min.) · M1 Lehrkraft: Hält die Leitfrage „Was kann ich steuern – und was nicht?“ sichtbar und sammelt erste Stichworte im Plenum.
  • Zweiter Clip und Perspektivwechsel (8 Min.) · M1 Lehrkraft: Verbindet beide Clips über die gemeinsame Spannung zwischen Alltagshandeln und größeren Zusammenhängen.
  • Aussagen sortieren und begründen (12 Min.) · M2 Lehrkraft: Moderiert die Sortierung und achtet darauf, dass Begründungen im Vordergrund bleiben.
  • Begründung vertiefen und religiöse Perspektiven einbeziehen (10 Min.) · M3 Lehrkraft: Stellt die biblische Perspektive (Gen 2,15) sowie zwei weitere kurze Stimmen bereit und unterstützt bei der Verknüpfung.
  • Ins Gespräch kommen und Position beziehen (5 Min.) · M4 Lehrkraft: Sichert zentrale Begriffe und hält den Transfer auf andere Bereiche offen.

Differenzierung: Unterstützung

  • Bei der Sortierung nur vier statt acht Aussagen; im Begründungsschritt nur „Fakt“ und „Gerechtigkeit“ verpflichtend; Satzstarter und vereinfachte Leitfragen anbieten.

Differenzierung: Erweiterung

  • Zu jeder Zuordnung ein Gegenargument ergänzen; zusätzlich prüfen, wer Kosten und Vorteile trägt; Transferfrage auf systemische Fairness in globalen Zusammenhängen zuspitzen.

Kompetenzmatrix

Niveaustufen im Überblick

Wahrnehmen und Beschreiben

Basis

beschreibt problematische Aussagen in einem KI-Alltagsfall

Aufbau

ordnet Aussagen als prüfbedürftig oder verantwortungsrelevant ein

Transfer

erklärt den Zusammenhang von Plausibilität, Fehleranfälligkeit und Verantwortung

Analysieren und Vergleichen

Basis

entnimmt Kernaussagen aus zwei Stimmen

Aufbau

vergleicht unterschiedliche Verantwortungsvorstellungen und Regelideen

Transfer

arbeitet Unterschiede und Spannungen zwischen Perspektiven präzise heraus

Urteilen und Begründen

Basis

formuliert eine einfache begründete Regel

Aufbau

begründet Regeln mit Fairness, Verantwortung und Schutz

Transfer

entwickelt ein reflektiertes Regelstatement mit Grenzen und Schutzperspektive

Gestalten und Transferieren

Basis

überträgt Einsichten auf Schule, Verein oder Jugendgruppe

Aufbau

entwickelt anwendungsbezogene Regeln für einen konkreten Kontext

Transfer

reflektiert Regelwirkungen auf Einzelne, Organisationen und Öffentlichkeit

Unterrichtsverlauf

Tabellarischer Ablauf

Phase Zeit Verlauf / Lehrkraft Sozialform Material
Einstieg 10 Min. Die Lernenden sehen den Biomüll-Clip und notieren zunächst allein, welche Alltagsregel sie unsicher macht und wer davon betroffen sein könnte. Lehrkraft: Hält die Leitfrage „Was kann ich steuern – und was nicht?“ sichtbar und sammelt erste Stichworte im Plenum. Ergebnis: Notizen zu Regeln, Unsicherheiten und ersten Verantwortungsfragen. Einzelarbeit → Plenum M1
Zweiter Clip und Perspektivwechsel 8 Min. Die Lernenden sehen den Trinkwasser-Clip und ergänzen ihre Notizen um systemische Aspekte, die über das eigene Verhalten hinausgehen. Lehrkraft: Verbindet beide Clips über die gemeinsame Spannung zwischen Alltagshandeln und größeren Zusammenhängen. Ergebnis: Erweiterte Notizen, die den Wechsel von persönlicher Handlung zur Systemebene sichtbar machen. Einzelarbeit → Plenum M1
Aussagen sortieren und begründen 12 Min. Die Lernenden erhalten kurze Aussagen zu den beiden Themen und ordnen sie entlang der Achse „eher individuell“ versus „auch systemisch“, begründen ihre Zuordnung und vergleichen sie mit den Beobachtungen aus den Clips. Lehrkraft: Moderiert die Sortierung und achtet darauf, dass Begründungen im Vordergrund bleiben. Ergebnis: Sortierte und begründete Zuordnungen auf einem gemeinsamen Blatt oder der Tischfläche. Partnerarbeit M2
Begründung vertiefen und religiöse Perspektiven einbeziehen 10 Min. Die Lernenden wählen eine Zuordnung aus und arbeiten sie mit dem Gerüst Fakt – Wert – Folge – Gerechtigkeit aus; dabei lesen sie zusätzlich eine kurze biblische Stimme zur Verantwortung für die Schöpfung und vergleichen sie mit anderen religiösen oder nichtreligiösen Begründungen. Lehrkraft: Stellt die biblische Perspektive (Gen 2,15) sowie zwei weitere kurze Stimmen bereit und unterstützt bei der Verknüpfung. Ergebnis: Ausgearbeitete Begründung zu einer Aussage mit mindestens zwei verglichenen Perspektiven. Partner- oder Gruppenarbeit M3
Sicherung 5 Min. Die Lernenden stellen ihre Ergebnisse kurz vor und formulieren gemeinsam einen Urteilssatz zur Frage, wie faire Verantwortung in solchen Alltagsthemen aussehen kann. Lehrkraft: Sichert zentrale Begriffe und hält den Transfer auf andere Bereiche offen. Ergebnis: Gemeinsam formulierter Urteilssatz mit Transferfrage. Plenum M4

Materialien

Handouts und Arbeitsblätter

Material M1

Alltagsnotizen zu Biomüll und Trinkwasser

Jahrgang: Sek II | Modulfeld: Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit | Kompetenzfokus: Orientierungskompetenz (R,G) + Urteilskompetenz (U) Auftrag Schau dir den Film „Was geht noch beim Biomüll?“ an und notiere allein: 1. Welche Alltagsregel zum Biomüll macht dich unsicher? 2. Wer könnte von dieser Unsicherheit betroffen sein?

Ergänze danach beim Film „Was läuft falsch beim Trinkwasser?“: 3. Welche systemischen Aspekte (über mein eigenes Verhalten hinaus) spielen hier eine Rolle?

Satzstarter - Mich macht unsicher, dass … - Davon könnten besonders … betroffen sein, weil … - Über mein eigenes Handeln hinaus geht es auch um …

Link zum ersten Film: https://planet-schule.de/schwerpunkt/the-green-garage/green-garage-biomuell-film-100.html Link zum zweiten Film: https://planet-schule.de/schwerpunkt/the-green-garage/green-garage-trinkwasser-film-100.html

Material M2

Aussagen zum Sortieren – individuell oder systemisch?

Methode: Partnerarbeit (Prüffragen & Verantwortung klären)

Methodenbeispiel
Beispielillustration zur Methode

Jahrgang: Sek II | Modulfeld: Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit | Kompetenzfokus: Dialogkompetenz (D) + Urteilskompetenz (U) Auftrag Ordnet die acht Aussagen gemeinsam in Partnerarbeit auf einer Achse ein: eher individuell ←→ auch systemisch Begründet jede Zuordnung mit mindestens einem Satz.

Aussagen 1. „Jeder sollte seinen Biomüll richtig trennen, dann wäre das Problem schon halb gelöst.“ 2. „In manchen Städten gibt es gar keine Biotonne – da kann ich als Einzelner wenig machen.“ 3. „Wasser sparen im Alltag ist wichtig, auch wenn ich nur wenig verbrauche.“ 4. „Landwirtschaft und Industrie verbrauchen viel mehr Wasser als Privathaushalte.“ 5. „Wer Lebensmittel wegwirft, sollte ein schlechtes Gewissen haben.“ 6. „Supermärkte und die Lebensmittelindustrie vernichten riesige Mengen, bevor sie überhaupt im Laden sind.“ 7. „Ich kann mich entscheiden, weniger Fleisch zu essen und damit meinen CO₂-Fußabdruck zu senken.“ 8. „Die Massentierhaltung und ihre Methan-Emissionen sind ein systemisches Problem, das politisch gelöst werden muss.“

Tipp zur Begründung Nutzt die Formulierungen: „Das ist eher individuell, weil …“ oder „Das ist auch systemisch, weil …“

Material M3

Begründungsgerüst mit biblischer Stimme

Methode: Begründungsgerüst mit Perspektivenvergleich (Fakt–Wert–Folge–Gerechtigkeit)

Methodenbeispiel
Beispielillustration zur Methode

Jahrgang: Sek II | Modulfeld: Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit | Kompetenzfokus: Urteilskompetenz (U) + Dialogkompetenz (D) Auftrag Wählt eine Zuordnung aus M2 aus. Bearbeitet sie mit dem folgenden Gerüst und vergleicht sie mit der biblischen Perspektive.

Gerüst - Fakt: Was ist hier sachlich der Fall? - Wert: Welcher Wert oder welche Verantwortung steht dahinter? - Folge: Welche Folgen hat das für Menschen, Umwelt oder zukünftige Generationen? - Gerechtigkeit: Wer trägt die Lasten, wer hat die Handlungsspielräume?

Biblische Stimme (Genesis 2,15) „Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, daß er ihn bebaute und bewahrte.“

Weitere kurze Stimmen zur Auswahl (wählt mindestens eine weitere): A) „Umweltschutz ist vor allem eine Frage persönlicher Gewohnheiten und Konsumentscheidungen.“ (nichtreligiöse, individualistische Perspektive) B) „Die Verantwortung für die Schöpfung ist eine gemeinschaftliche und gesellschaftliche Aufgabe, nicht nur eine private.“ (religiöse, gemeinschaftliche Perspektive)

Abschlussfrage Inwiefern stimmt die biblische Perspektive mit eurer Zuordnung überein oder widerspricht ihr? Formuliert einen begründeten Satz.

Material M4

Gemeinsamer Urteilssatz

Methode: Gemeinsamer Urteilssatz im Plenum

Methodenbeispiel
Beispielillustration zur Methode

Jahrgang: Sek II | Modulfeld: Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit | Kompetenzfokus: Urteilskompetenz (U) Auftrag Stellt eure Ergebnisse aus M3 kurz vor. Formuliert dann gemeinsam im Plenum einen Urteilssatz zur Frage: Wie kann faire Verantwortung in Alltagsthemen wie Biomüll und Trinkwasser aussehen?

Satzstarter für den gemeinsamen Urteilssatz - Faire Verantwortung bedeutet, dass … - Es reicht nicht aus, nur … zu tun, sondern wir brauchen auch … - Zwischen persönlichem Handeln und systemischen Veränderungen sollte …

Transferfrage (für die Tafel) Auf welche anderen Alltagsthemen (Kleidung, Ernährung, Mobilität) lässt sich dieser Urteilssatz übertragen?