Tagesziel
Wir können nicht nur erläutern, wie persönliches Handeln und systemische Bedingungen bei Biomüll und Trinkwasser zusammenhängen, sondern dazu auch ein begründetes Urteil formulieren.
relipuls · Lehrer:innenblatt
Didaktisch verdichteter Unterrichtsimpuls mit Materialien
LeitfrageDie große Herausforderung ist zu verstehen, dass Umweltverantwortung im Alltag nicht nur von meinem eigenen Verhalten abhängt, sondern auch von Regeln, Infrastrukturen und Fragen der Gerechtigkeit.
Wir können nicht nur erläutern, wie persönliches Handeln und systemische Bedingungen bei Biomüll und Trinkwasser zusammenhängen, sondern dazu auch ein begründetes Urteil formulieren.
Didaktische Hinweise
Die Stunde soll schnelle Selbstgewissheit bremsen, ohne Verantwortung kleinzureden. Ethische Urteile werden tragfähiger, wenn die Lernenden zwischen persönlichem Handeln und systemischen Bedingungen unterscheiden.
Unterrichtsverlauf
| Phase | Zeit | Verlauf / Lehrkraft | Sozialform | Material |
|---|---|---|---|---|
| Einstieg | 10 Min. | Die Lernenden sehen den Biomüll-Clip und notieren zunächst allein, welche Alltagsregel sie unsicher macht und wer davon betroffen sein könnte. Lehrkraft: Hält die Leitfrage „Was kann ich steuern – und was nicht?" sichtbar und sammelt erste Stichworte im Plenum. Ergebnis: Notizen zu Regeln, Unsicherheiten und ersten Verantwortungsfragen. | Einzelarbeit → Plenum | M1 |
| Zweiter Clip und Perspektivwechsel | 8 Min. | Die Lernenden sehen den Trinkwasser-Clip und ergänzen ihre Notizen um systemische Aspekte, die über das eigene Verhalten hinausgehen. Lehrkraft: Verbindet beide Clips über die gemeinsame Spannung zwischen Alltagshandeln und größeren Zusammenhängen. Ergebnis: Erweiterte Notizen, die den Wechsel von persönlicher Handlung zur Systemebene sichtbar machen. | Einzelarbeit → Plenum | M1 |
| Aussagen sortieren und begründen | 12 Min. | Die Lernenden erhalten kurze Aussagen zu den beiden Themen und ordnen sie entlang der Achse „eher individuell" versus „auch systemisch", begründen ihre Zuordnung und vergleichen sie mit den Beobachtungen aus den Clips. Lehrkraft: Moderiert die Sortierung und achtet darauf, dass Begründungen im Vordergrund bleiben. Ergebnis: Sortierte und begründete Zuordnungen auf einem gemeinsamen Blatt oder der Tischfläche. | Partnerarbeit | M2 |
| Begründung vertiefen und religiöse Perspektiven einbeziehen | 10 Min. | Die Lernenden wählen eine Zuordnung aus und arbeiten sie mit dem Gerüst Fakt – Wert – Folge – Gerechtigkeit aus; dabei lesen sie zusätzlich eine kurze biblische Stimme zur Verantwortung für die Schöpfung und vergleichen sie mit anderen religiösen oder nichtreligiösen Begründungen. Lehrkraft: Stellt die biblische Perspektive (Gen 2,15) sowie zwei weitere kurze Stimmen bereit und unterstützt bei der Verknüpfung. Ergebnis: Ausgearbeitete Begründung zu einer Aussage mit mindestens zwei verglichenen Perspektiven. | Partner- oder Gruppenarbeit | M3 |
| Sicherung | 5 Min. | Die Lernenden stellen ihre Ergebnisse kurz vor und formulieren gemeinsam einen Urteilssatz zur Frage, wie faire Verantwortung in solchen Alltagsthemen aussehen kann. Lehrkraft: Sichert zentrale Begriffe und hält den Transfer auf andere Bereiche offen. Ergebnis: Gemeinsam formulierter Urteilssatz mit Transferfrage. | Plenum | M4 |
Materialien
M1
M2
M3
M4
Material M1
Jahrgang: Sek II | Modulfeld: Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit | Kompetenzfokus: Orientierungskompetenz (R,G) + Urteilskompetenz (U)
Auftrag
Schau dir den Film „Was geht noch beim Biomüll?" an und notiere allein:
1. Welche Alltagsregel zum Biomüll macht dich unsicher?
2. Wer könnte von dieser Unsicherheit betroffen sein?
Ergänze danach beim Film „Was läuft falsch beim Trinkwasser?":
3. Welche systemischen Aspekte (über mein eigenes Verhalten hinaus) spielen hier eine Rolle?
Satzstarter
- Mich macht unsicher, dass …
- Davon könnten besonders … betroffen sein, weil …
- Über mein eigenes Handeln hinaus geht es auch um …
Link zum ersten Film: https://planet-schule.de/schwerpunkt/the-green-garage/green-garage-biomuell-film-100.html
Link zum zweiten Film: https://planet-schule.de/schwerpunkt/the-green-garage/green-garage-trinkwasser-film-100.html
Material M2
Methode: Partnerarbeit (Prüffragen & Verantwortung klären)

Jahrgang: Sek II | Modulfeld: Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit | Kompetenzfokus: Dialogkompetenz (D) + Urteilskompetenz (U)
Auftrag
Ordnet die acht Aussagen gemeinsam in Partnerarbeit auf einer Achse ein:
eher individuell ←→ auch systemisch
Begründet jede Zuordnung mit mindestens einem Satz.
Aussagen
1. „Jeder sollte seinen Biomüll richtig trennen, dann wäre das Problem schon halb gelöst."
2. „In manchen Städten gibt es gar keine Biotonne – da kann ich als Einzelner wenig machen."
3. „Wasser sparen im Alltag ist wichtig, auch wenn ich nur wenig verbrauche."
4. „Landwirtschaft und Industrie verbrauchen viel mehr Wasser als Privathaushalte."
5. „Wer Lebensmittel wegwirft, sollte ein schlechtes Gewissen haben."
6. „Supermärkte und die Lebensmittelindustrie vernichten riesige Mengen, bevor sie überhaupt im Laden sind."
7. „Ich kann mich entscheiden, weniger Fleisch zu essen und damit meinen CO₂-Fußabdruck zu senken."
8. „Die Massentierhaltung und ihre Methan-Emissionen sind ein systemisches Problem, das politisch gelöst werden muss."
Tipp zur Begründung
Nutzt die Formulierungen: „Das ist eher individuell, weil …" oder „Das ist auch systemisch, weil …"
Material M3
Methode: Begründungsgerüst mit Perspektivenvergleich (Fakt–Wert–Folge–Gerechtigkeit)

Jahrgang: Sek II | Modulfeld: Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit | Kompetenzfokus: Urteilskompetenz (U) + Dialogkompetenz (D)
Auftrag
Wählt eine Zuordnung aus M2 aus. Bearbeitet sie mit dem folgenden Gerüst und vergleicht sie mit der biblischen Perspektive.
Gerüst
- **Fakt * :** Was ist hier sachlich der Fall?
- Wert: Welcher Wert oder welche Verantwortung steht dahinter?
- Folge: Welche Folgen hat das für Menschen, Umwelt oder zukünftige Generationen?
- **Gerechtigkeit * :** Wer trägt die Lasten, wer hat die Handlungsspielräume?
_* Pflicht_
Biblische Stimme (Genesis 2,15)
„Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, daß er ihn bebaue und bewahrte."
Weitere kurze Stimmen zur Auswahl (wählt mindestens eine weitere):
A) „Umweltschutz ist vor allem eine Frage persönlicher Gewohnheiten und Konsumentscheidungen." (nichtreligiöse, individualistische Perspektive)
B) „Die Verantwortung für die Schöpfung ist eine gemeinschaftliche und gesellschaftliche Aufgabe, nicht nur eine private." (religiöse, gemeinschaftliche Perspektive)
Abschlussfrage
Inwiefern stimmt die biblische Perspektive mit eurer Zuordnung überein oder widerspricht ihr? Formuliert einen begründeten Satz.
Material M4
Methode: Gemeinsamer Urteilssatz im Plenum
Jahrgang: Sek II | Modulfeld: Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit | Kompetenzfokus: Urteilskompetenz (U)
Auftrag
Stellt eure Ergebnisse aus M3 kurz vor. Formuliert dann gemeinsam im Plenum einen Urteilssatz zur Frage:
Wie kann faire Verantwortung in Alltagsthemen wie Biomüll und Trinkwasser aussehen?
Satzstarter für den gemeinsamen Urteilssatz
- Faire Verantwortung bedeutet, dass …
- Es reicht nicht aus, nur … zu tun, sondern wir brauchen auch …
- Zwischen persönlichem Handeln und systemischen Veränderungen sollte …
Transferfrage (für die Tafel)
Auf welche anderen Alltagsthemen (Kleidung, Ernährung, Mobilität) lässt sich dieser Urteilssatz übertragen?
Quellen