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title: "KI nutzen – Verantwortung behalten: Wie viel Denken gebe ich ab?"
date: 2026-06-03
status: final
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tags:
  - reliblog
  - Schöpfungsverantwortung
  - Künstliche-Intelligenz
  - Menschenwürde
  - Technikethik
  - Treuhänderschaft
  - Digitalisierung
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# KI nutzen – Verantwortung behalten: Wie viel Denken gebe ich ab?

**Datum:** 3. Juni 2026 | **Lesezeit:** ca. 6 Minuten

Eine Schülerin lässt sich von ChatGPT einen Text schreiben. Ein anderer fragt: Ist das noch mein Denken? Was zunächst wie eine harmlose Diskussion über Hausaufgaben wirkt, führt mitten in eine größere Frage: Nutzen wir Technik als Werkzeug, oder gewöhnen wir uns daran, Verantwortung abzugeben?

Der Satz „Geliehen ist der Stern, auf dem wir leben“ öffnet dafür einen religiösen Deutungsraum: Die Welt gehört uns nicht einfach. Sie ist uns anvertraut. In Verbindung mit aktuellen Debatten um KI entsteht daraus eine Unterrichtsstunde, in der Jugendliche nicht moralisch belehrt werden, sondern eine eigene, tragfähige Haltung entwickeln können: Wo hilft mir KI? Wo muss ich selbst denken, entscheiden und Verantwortung tragen?

Die Stunde arbeitet mit didaktisch konstruierten Materialien. Die Quellen dienen der fachlichen Fundierung für Lehrkräfte; die Lernenden arbeiten mit altersgerechten Szenen, Karten, Satzstartern und einem persönlichen Kompass.

> [!podcast] Einführender Podcast für Lehrkräfte
> ![](https://relipuls.de/storage/Treuh%C3%A4nderschaft_oder_Optimierung_im_KI-Unterricht.m4a)

> [!info] Zielgruppe
> Klasse 9, Religionsunterricht in einer heterogenen Lerngruppe.
>
> Viele Jugendliche kennen KI bereits als Werkzeug für Hausaufgaben, Übersetzungen, Bilder, Zusammenfassungen oder schnelle Antworten. Gleichzeitig unterscheiden sie sehr unterschiedlich sicher zwischen Hilfe, Täuschung, Bequemlichkeit, Überforderung und echter Verantwortung.
>
> Die Stunde eignet sich besonders, wenn die Lerngruppe bereits erste Erfahrungen mit KI gemacht hat, aber noch wenig Sprache dafür besitzt, was an der eigenen Urteilskraft schützenswert ist. Sensibel zu beachten ist: Nicht alle Lernenden möchten über eigenes Fehlverhalten sprechen. Deshalb arbeitet die Stunde mit einer fiktiven Szene und ermöglicht Positionierung ohne Bloßstellung.

> [!hint] Didaktische Intention
> **Warum:** Die Leitfrage „Gehört die Welt uns, um sie mit KI zu optimieren, oder sind wir ihre Treuhänder?“ verbindet eine reale Alltagserfahrung Jugendlicher mit religiösen und ethischen Deutungen von Verantwortung.
>
> **Was:** Die Stunde folgt einem klaren didaktischen Vertrag: konkrete KI-Szene → eigene Grenze spüren → religiöse, säkulare und kinderrechtliche Perspektiven vergleichen → Optimierung und Sorge prüfen → persönliche Handlungsregel formulieren.
>
> **Wozu:** Die Lernenden sollen nicht nur „KI gut oder schlecht“ beurteilen, sondern eine stärkende Unterscheidung gewinnen: Ich darf Werkzeuge nutzen, aber ich bleibe Subjekt meines Denkens, meiner Entscheidungen und meiner Verantwortung.

> [!check] Kompetenzerwartungen
> Die Lernenden können:
>
> * eine Alltagssituation zur KI-Nutzung als ethisches Spannungsfeld beschreiben;
> * religiöse Deutungen wie Treuhänderschaft, Ebenbildlichkeit und Bewahrung mit säkularen Optimierungslogiken vergleichen;
> * Kinderrechte und Menschenwürde als Korrektiv technischer Effizienz benennen;
> * begründet entscheiden, wann KI als Werkzeug hilfreich ist und wann sie eigene Verantwortung verdrängt;
> * eine persönliche Handlungsregel formulieren, die Selbstwirksamkeit und verantwortliches Entscheiden stärkt.

> [!tip] Lehrplanbezug Hamburg
> Der Impuls berücksichtigt den Hamburger Bildungsplan Religion Sekundarstufe I. Besonders anschlussfähig sind die Themenbereiche **Mensch**, **Digitales Ich – digitale Welten** sowie **Schöpfung/Umwelt und Verantwortung**.
>
> Der Bildungsplan betont, dass Schülerinnen und Schüler ihren Umgang mit digitalen Angeboten analysieren und im Blick auf ein selbstbestimmtes und sinnerfülltes Leben reflektieren. Außerdem werden Auswirkungen der Digitalisierung auf Gesellschaft und weltweite Zusammenhänge mit Blick auf menschenwürdige, gerechte und friedliche Entwicklung beurteilt.
>
> Die Stunde trägt dazu bei, weil sie digitale Selbstbestimmung, Menschenwürde, Verantwortung für die Mitwelt und religiöse Deutungen von Schöpfung nicht nebeneinanderstellt, sondern in einer konkreten Entscheidungssituation verbindet.

> [!adapt] Differenzierung
>
> | Unterstützung                                                                                                     | Erweiterung                                                                                                                              |
> | :---------------------------------------------------------------------------------------------------------------- | :--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- |
> | Die Leitfrage wird entlastet: „Wann hilft mir KI – und wann muss ich selbst Verantwortung übernehmen?“            | Die Leitfrage wird zugespitzt: „Welche Menschenbilder stecken hinter KI als Werkzeug, KI als Ersatz und religiöser Treuhänderschaft?“    |
> | In M1 erhalten Lernende nur zwei Begriffe zur Zuordnung: **Hilfe** und **Verantwortung**.                         | Lernende ergänzen in M1 eigene Begriffe, z. B. Kontrolle, Bequemlichkeit, Fairness, Selbstbetrug, Mut.                                   |
> | In M3 werden die Perspektiven farblich markiert: religiös, säkular, kinderrechtlich.                              | Lernende prüfen, ob „Kinderrechte“ eine eigene Weltanschauung sind oder eher ein ethisch-demokratisches Korrektiv.                       |
> | In M4 nutzen Lernende Satzstarter: „Sorge bedeutet...“, „Optimierung bedeutet...“, „Würde ist gefährdet, wenn...“ | Lernende vergleichen zusätzlich Treuhänderschaft, Ebenbildlichkeit und Khalifa als verwandte, aber nicht identische religiöse Deutungen. |
> | In M5 wählen Lernende einen von drei Kompass-Sätzen aus und vervollständigen ihn.                                 | Lernende formulieren eine begründete Regel für die Klasse oder Schule zum Umgang mit KI.                                                 |
> | Bei emotionaler Unsicherheit dürfen Lernende in der dritten Person schreiben: „Eine Person sollte...“             | Leistungsstärkere Lernende formulieren einen Einwand gegen die eigene Position und beantworten ihn.                                      |

> [!todo] Ablauf
> **Phase 1:** Die schlaue Maschine und der geliehene Stern
> **Rahmen:** 7 Min | Modus: erkunden | Sozialform: Partnerarbeit / Plenum
> **Lernende:** Lesen die Schulhof-Szene, markieren den Konflikt und ordnen Begriffe den beiden Positionen zu.
> **Kompetenzfokus:** Wahrnehmen, Erschließen
> **Lehrkraft:** Sammelt erste Reaktionen, ohne sofort zu bewerten: „Wo erkennt ihr euch wieder? Wo wird es schwierig?“
> **Material:** M1
> **Ergebnis:** Die Lerngruppe benennt ein erstes Spannungsfeld zwischen Hilfe durch KI und eigener Verantwortung.
> **Hinweis:** Nicht bei der Frage „Darf man ChatGPT benutzen?“ stehen bleiben, sondern zur Frage führen: „Was gebe ich ab, wenn ich Denken abgebe?“
>
> **Phase 2:** Wo stehe ich? Die unsichtbare Grenze
> **Rahmen:** 8 Min | Modus: erfahren | Sozialform: Positionslinie im Raum
> **Lernende:** Positionieren sich zwischen zwei Polen: „KI darf fast alles übernehmen“ und „Ich will möglichst viel selbst verantworten“. Danach hören sie einen kurzen Impuls und formulieren innerlich oder mündlich einen Resonanzsatz.
> **Kompetenzfokus:** Orientieren, Urteilen
> **Lehrkraft:** Liest den Impuls ruhig vor und schützt die Offenheit der Positionierungen: Niemand muss sich rechtfertigen.
> **Material:** M2
> **Ergebnis:** Jede:r hat eine eigene Ausgangsposition oder einen Resonanzsatz, der in Phase 3 weitergetragen wird.
> **Hinweis:** Diese Phase stärkt Selbstwahrnehmung und Selbstwirksamkeit. Sie soll nicht beschämen, sondern helfen, eigene Grenzen wahrzunehmen.
>
> **Phase 3:** Drei Brillen auf die Welt
> **Rahmen:** 10 Min | Modus: erkunden | Sozialform: Trios
> **Lernende:** Vergleichen drei Perspektivkarten und prüfen, wie jede Perspektive auf KI, Verantwortung und Menschenwürde schaut.
> **Kompetenzfokus:** Vergleichen, Deuten, Urteilen
> **Lehrkraft:** Achtet darauf, dass Religion nicht nur als allgemeine Werte-Agentur erscheint, sondern als eigene Deutung: Die Welt ist anvertraut, nicht verfügbar.
> **Material:** M3, M32
> **Ergebnis:** Die Lernenden können mindestens einen Unterschied zwischen religiöser Treuhänderschaft, säkularer Optimierung und kinderrechtlichem Schutz benennen.
> **Hinweis:** Kinderrechte werden hier nicht als Religion dargestellt, sondern als ethisch-demokratisches Korrektiv.
>
> **Phase 4:** Sorge tragen statt optimieren
> **Rahmen:** 10 Min | Modus: analysieren | Sozialform: Partnerarbeit
> **Lernende:** Lesen die Thesenkarten, vergleichen Sorge und Optimierung im Prüfraster und notieren, wo Menschenwürde gefährdet sein kann.
> **Kompetenzfokus:** Urteilen, religiöse Deutungen erschließen
> **Lehrkraft:** Bündelt im Plenum die Unterscheidung zwischen Fehlerfreundlichkeit und Fehlerfreiheit.
> **Material:** M4, M42, M43
> **Ergebnis:** Die Lernenden erklären, warum eine reine Effizienzlogik den Menschen verkürzen kann.
> **Hinweis:** Die Phase trägt zur emotionalen Stärkung bei, weil sie Fehlbarkeit nicht als Defizit, sondern als Teil menschlichen Lernens deutet.
>
> **Phase 5:** Mein Urteil für den Schulhof
> **Rahmen:** 10 Min | Modus: analysieren / übertragen | Sozialform: Einzelarbeit, anschließend kurzer Austausch
> **Lernende:** Formulieren ihren digitalen Kompass mit einer persönlichen Regel zum Umgang mit KI.
> **Kompetenzfokus:** Urteilen, Orientieren, Transfer
> **Lehrkraft:** Moderiert den Austausch so, dass unterschiedliche Positionen stehen bleiben dürfen, solange sie begründet und menschenwürdig sind.
> **Material:** M5
> **Ergebnis:** Ein schriftlich fixierter digitaler Kompass mit einer individuellen Handlungsregel für den Schulalltag.
> **Hinweis:** Der Transfer ist erfüllt, wenn die Lernenden nicht nur über KI sprechen, sondern eine eigene Entscheidungssprache für konkrete Situationen gewinnen.

> [!check] Beitrag zu emotionaler Stärkung und Resilienz
> Die Stunde stärkt Resilienz nicht durch Trostformeln, sondern durch drei konkrete Bewegungen:
>
> * **Selbstwirksamkeit:** Lernende erfahren, dass sie KI nutzen dürfen, ohne ihr eigenes Denken vollständig abzugeben.
> * **Fehlerfreundlichkeit:** Fehlbarkeit wird als Teil menschlicher Würde und Lernfähigkeit gedeutet, nicht als Makel.
> * **Orientierung:** Der digitale Kompass gibt eine einfache Sprache für Grenzen, Verantwortung und begründete Entscheidungen.
>
> Besonders wichtig ist eine nicht beschämende Gesprächskultur: Niemand muss private KI-Nutzung offenlegen. Die fiktive Schulhofszene schützt die Lernenden und ermöglicht trotzdem echte Auseinandersetzung.

> [!abstract] M1 Dilemma-Karte: Schulhof-Talk
>
> **Arbeitsauftrag:** Lest die Szene. Markiert danach: Wo geht es um Hilfe durch KI? Wo geht es um Verantwortung?
>
> **Szene auf dem Schulhof:**
>
> * **Samira:** „Ich lasse mir den ersten Entwurf von ChatGPT schreiben. Dann bin ich schneller fertig. Warum soll ich mich unnötig stressen?“
> * **Ben:** „Als Hilfe verstehe ich das. Aber wenn die KI fast alles formuliert: Ist es dann noch dein Gedanke? Und wer ist verantwortlich, wenn etwas Falsches oder Unfaires drinsteht?“
> * **Samira:** „Ich prüfe es ja. Außerdem nutzen doch alle irgendwelche Tools.“
> * **Ben:** „Vielleicht. Aber auf dem Plakat im Reli-Raum stand: *Geliehen ist der Stern, auf dem wir leben.* Wenn uns die Welt anvertraut ist, gilt das dann nicht auch für unser Denken und Entscheiden?“
>
> ---
>
> **Begriffe zuordnen:**
>
> Welche Begriffe passen eher zu Samiras Haltung, welche eher zu Bens Sorge? Tragt sie in die Tabelle ein.
>
> | Begriff                                         | Samira: KI als Hilfe und Optimierung | Ben: Verantwortung und eigenes Denken |
> | :---------------------------------------------- | :----------------------------------: | :-----------------------------------: |
> | **Entlastung** (etwas wird leichter)            |                                      |                                       |
> | **Verantwortung** (für ein Ergebnis einstehen)  |                                      |                                       |
> | **Bequemlichkeit** (den einfachsten Weg wählen) |                                      |                                       |
> | **Sorge** (auf etwas Wertvolles achten)         |                                      |                                       |
> | **Kontrolle** (selbst prüfen und entscheiden)   |                                      |                                       |
>
> **Satz zum Mitnehmen:**
> Unser Streitpunkt ist: „KI hilft mir, aber...“

> [!abstract] M2 Impuls: Wer lenkt dich?
>
> **Nur Lehrkraft: Vorleseimpuls zur Positionslinie**
>
> Die Lernenden stehen im Raum zwischen zwei Polen:
>
> * links: „KI darf fast alles übernehmen.“
> * rechts: „Ich will möglichst viel selbst verantworten.“
>
> **Vorlesetext:**
>
> „Stell dir vor, du tippst eine Aufgabe ein. Die Antwort erscheint sofort. Es fühlt sich leicht an. Vielleicht sogar erleichternd. Du bist schneller fertig. Du hast weniger Druck.
>
> Jetzt halte kurz inne. Du musst die Augen nicht schließen; du kannst einfach auf einen Punkt vor dir schauen.
>
> Frage dich: Wo bleibe ich selbst in dieser Antwort? Was prüfe ich noch? Was verstehe ich wirklich? Und wofür möchte ich am Ende einstehen?
>
> Geh nun einen kleinen Schritt dorthin, wo du gerade stehst: näher zur Entlastung durch KI oder näher zur eigenen Verantwortung. Beides darf sein. Wichtig ist nur, dass du wahrnimmst, warum du dort stehst.“
>
> **Anschlussfrage:**
> „Formuliere für dich einen kurzen Satz: *Ich stehe hier, weil...*“

> [!cards] M3 Drei-Sichten-Karten
>
> **Arbeitsauftrag:** Vergleicht die drei Karten. Markiert pro Karte ein Schlüsselwort. Beantwortet danach: Welche Sicht schützt eigenes Denken und menschliche Würde am stärksten?
> 
> ---
> 
> **1. Religiöse Sicht: Treuhänderschaft**
>
> Der Mensch ist nicht der Besitzer der Welt. Die Welt ist ihm anvertraut. Wer etwas Anvertrautes bekommt, darf es nutzen, aber nicht rücksichtslos verbrauchen. Verantwortung bedeutet hier: Ich frage nicht nur, was möglich ist, sondern auch, was dem Leben dient.
>
> Schlüsselwörter: **anvertraut – bewahren – Verantwortung**
>
> ---
>
> **2. Säkulare Sicht: Optimierung**
>
> Der Mensch gestaltet sein Leben selbst. Technik und KI können helfen, Aufgaben schneller, genauer und bequemer zu erledigen. Verantwortung bedeutet hier: Ich nutze Werkzeuge klug und prüfe, ob sie mir und anderen wirklich helfen.
>
> Schlüsselwörter: **Werkzeug – Effizienz – Selbstbestimmung**
>
> ---
>
> **3. Ethisch-demokratische Sicht: Kinderrechte und Menschenwürde**
>
> Jeder Mensch hat Rechte: Schutz, Bildung, Beteiligung und freie Entwicklung. Technik darf Menschen nicht ausbeuten, überwachen oder kleinmachen. Das gilt auch für digitale Produkte, die Rohstoffe, Energie, Daten und menschliche Arbeit brauchen.
>
> Schlüsselwörter: **Schutz – Würde – Gerechtigkeit**
>
> ---
>
> **Vergleichsfrage:**
> Wo unterscheiden sich die drei Sichtweisen, wenn Samira KI für ihre Hausaufgaben nutzt?

> [!abstract] M32 Reflexionsimpulse (nur Lehrkraft)
>
> **Beobachtungshinweise**
>
> * Reduzieren Lernende die religiöse Perspektive auf „Religion sagt halt, man soll nett sein“?
> * Wird sichtbar, dass Treuhänderschaft eine andere Grundhaltung meint: Die Welt und das eigene Denken sind nicht bloß verfügbar, sondern anvertraut?
> * Wird Kinderrecht als ethisch-demokratisches Korrektiv verstanden und nicht als eigene Religion?
>
> **Mögliche Anschlussfragen**
>
> * „Welche Perspektive fragt am stärksten nach der Würde des Menschen?“
> * „Welche Perspektive hilft euch im Schulalltag am meisten?“
> * „Kann KI ein gutes Werkzeug sein und trotzdem gefährlich werden, wenn wir Verantwortung abgeben?“

> [!cards] M4 Thesenkarten: Sorge vs. Optimierung
>
> **Arbeitsauftrag:** Lest die Karten. Entscheidet danach: Welche Karten passen eher zur Logik der Sorge, welche eher zur Logik der Optimierung?
>  
> ---
>
> **1. Die Logik der Effizienz**
>
> Ein System gilt als gut, wenn es schnell, fehlerarm und planbar arbeitet. Abweichungen stören. Wer nicht funktioniert, wird zum Problem.
>
> ---
>
> **2. Die Logik der Sorge**
>
> Die Welt ist uns anvertraut, nicht unterworfen. Sorge achtet auf das, was verletzlich ist. Sie fragt nicht nur: „Was bringt es?“, sondern auch: „Was braucht Schutz?“
> 
> ---
>
> **3. Der Mensch als Maschine**
>
> Wenn Menschen nur nach Leistung, Tempo und Fehlerfreiheit bewertet werden, geraten sie unter Druck. Dann zählt weniger, wer jemand ist, sondern nur noch, was jemand liefert.
>
> ---
>
> **4. Der Mensch als Ebenbild**
>
> Jeder Mensch hat eine Würde, die nicht von Leistung abhängt. In religiöser Sprache: Der Mensch ist mehr als seine Funktion. Er ist nicht ersetzbar wie ein Bauteil.
>
> ---
>
> **5. Fehlerfreundlichkeit**
>
> Menschen lernen durch Fehler. Wer Fehler machen darf, kann wachsen. Eine Gesellschaft, die nur Optimierung kennt, verlernt Geduld, Vergebung und Neuanfang.

> [!abstract] M42 Prüfraster: Sorge vs. Optimierung
>
> **Arbeitsauftrag:** Nutzt die Thesenkarten aus M4. Füllt das Raster aus und notiert am Ende einen eigenen Prüfsatz.
>
> | Merkmal                | Logik der Sorge                         | Logik der Optimierung                      |
> | :--------------------- | :-------------------------------------- | :----------------------------------------- |
> | **Ziel**               | Was soll geschützt oder bewahrt werden? | Was soll schneller oder perfekter werden?  |
> | **Blick auf Fehler**   | Was kann man aus Fehlern lernen?        | Welche Fehler müssen verschwinden?         |
> | **Blick auf Menschen** | Wo bleibt Würde auch bei Schwäche?      | Wo wird der Mensch nach Leistung bewertet? |
> | **Blick auf KI**       | Wann hilft KI verantwortungsvoll?       | Wann ersetzt KI eigenes Denken?            |
>
> **Mein Prüfsatz:**
> KI ist für mich hilfreich, solange...
> KI wird für mich problematisch, wenn...

> [!abstract] M43 Nur Lehrkraft: Impulsfragen zur Diskussion
>
> * „Was ist der Unterschied zwischen Fehlerfreundlichkeit und Nachlässigkeit?“
> * „Wann ist KI ein Werkzeug, das Selbstvertrauen stärkt?“
> * „Wann wird KI zu einem Werkzeug, mit dem ich mich selbst kleinmache?“
> * „Wie verändert sich der Blick auf Leistung, wenn Würde nicht verdient werden muss?“
>
> **Moderationshinweis:**
> Achten Sie darauf, dass Lernende nicht in einfache Gegensätze rutschen: „KI schlecht – Mensch gut“. Ziel ist eine begründete Unterscheidung, nicht Technikangst.

> [!abstract] M5 Mein digitaler Kompass
>
> **Arbeitsauftrag:** Formuliere deine persönliche Regel für den Umgang mit KI. Du musst nichts Privates erzählen. Schreibe so, dass die Regel dir im Schulalltag wirklich helfen könnte.
>
> **Was bedeutet Treuhänderschaft?**
>
> Ein Treuhänder ist jemand, dem etwas Wertvolles anvertraut wurde. Es gehört ihm nicht einfach. Er darf es nutzen, aber er muss sorgsam damit umgehen.
>
> Übertragen auf KI heißt das: Auch mein Denken, meine Entscheidungen, meine Sprache und meine Verantwortung sind mir anvertraut. KI kann mich unterstützen. Aber sie soll mich nicht ersetzen.
>
> **Mein digitaler Kompass**
>
> Ergänze mindestens zwei Sätze:
>
> 1. **KI ist für mich als Werkzeug okay, wenn...**
> 2. **Ich entscheide bewusst selbst, wenn...**
> 3. **Ich prüfe eine KI-Antwort, weil...**
> 4. **Ich ziehe eine Grenze, wenn...**
> 5. **Wenn die Welt und mein Denken mir anvertraut sind, bedeutet das für mich...**
>
> **Mein stärkender Satz:**
> „Ich muss nicht alles allein können, aber ich bleibe verantwortlich für das, was ich abgebe, übernehme und weitergebe.“
>
>

> [!info] Quellen und Links
>
> **Lehrplan**
>
> * [Bildungsplan Religion, Gymnasium Sekundarstufe I, Hamburg](https://www.hamburg.de/resource/blob/122948/ad4180202c8b312b0b0fc33589339589/religion-gym-seki-2022-data.pdf) [Stadtteilschule](https://www.hamburg.de/resource/blob/122972/fc58a5e470ccb42d9bc5285603d3d108/religion-sts-2022-data.pdf)
>
>   * Genutzt für die Einordnung in die Kompetenzbereiche Wahrnehmen, Erschließen, Urteilen und Orientieren sowie für die Bezüge zu Digitalisierung, Mensch und Verantwortung, Schöpfung/Umwelt und Verantwortung.
>
> **Schöpfung neu denken**
>
> * [„Geliehen ist der Stern, auf dem wir leben.“](https://material.rpi-virtuell.de/material/geliehen-ist-der-stern-auf-dem-wir-leben-2)
>
>   * Aspekte einer zeitgemäßen Schöpfungsdidaktik.
>   * Autor: Horst Heller.
>   * Rolle im Impuls: Anlass und roter Faden für die Frage nach Schöpfung als anvertrautem Gut.
> * [Trainingsdaten fürs Hirn](https://eulemagazin.de/trainingsdaten-fuers-menschliche-hirn-magnifica-humanitas-papst-leo-katholisch-kirche-enzyklika)
>
>   * Einordnung der Enzyklika „Magnifica humanitas“ im Blick auf KI, Menschenwürde und digitale Ethik.
>   * Autor: Philipp Greifenstein.
>   * Rolle im Impuls: Hintergrundtext für die Lehrkraft, nicht direktes Schülermaterial.
>
> **Netzrauschen**
>
> * [Welttag gegen Kinderarbeit: Kinderrechte im Religions- und Ethikunterricht](https://reli-ethik-blog.de/welttag-gegen-kinderarbeit-kinderrechte-im-religions-und-ethikunterricht)
>
>   * Hinweis auf Kinderrechte, Kinderarbeit und globale Verantwortung.
>   * Autor:innenangabe in der vorliegenden Prüfung nicht eindeutig gesichert; deshalb im Unterricht nur als thematischer Hintergrund verwenden.
> * [Die Grundwerte unserer Demokratie stehen unter Druck](https://social.bund.de/@BzKJ/116651723217557675)
>
>   * Social-Media-Beitrag der BzKJ zur Bedeutung demokratischer Grundwerte.
>   * Autor:innenangabe nicht als persönliche Autorenschaft gesichert; nicht mit „Von: Thomas Salzmann“ ausweisen.
>
> **Perspektiven & Bezugstexte**
>
> * [Genesis 2,15](https://www.sefaria.org/Genesis.2.15) – Judentum | Binnenquelle zur Deutung des Menschen als Bearbeiter und Bewahrer.
> * [Sure 6:165](https://quran.com/6:165) – Islam | Binnenquelle zur Erschließung des Khalifa-Gedankens als Verantwortung auf Erden.
> * [Psalm 8,4–9](https://www.die-bibel.de/bibel/ZB/PSA.8) – Christentum | Bezugstext zur Würde des Menschen und zur Frage nach seiner Stellung in der Schöpfung.
>
> **Hinweis zur Materialverwendung:**
> Die Materialien M1 bis M5 sind didaktische Konstruktionen für diese Unterrichtsstunde. Sie sind keine Originalzitate aus den genannten Quellen.
