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title: "Turmbau 2.0: Digitale Mündigkeit zwischen Hybris und Verantwortung"
date: 2026-05-28
status: final
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tags:
  - reliblog
  - Künstliche-Intelligenz
  - Babel
  - Mündigkeit
  - Geschöpflichkeit
  - Digitalethik
  - Machtkonzentration
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# Turmbau 2.0: Digitale Mündigkeit zwischen Hybris und Verantwortung

**Datum:** 28. Mai 2026 | **Lesezeit:** ca. 7 Minuten

Ich frage mich, wie Jugendliche die neue KI-Passage in der gerade veröffentlichten [KI-Enzyklika *Magnifica humanitas* von Papst Leo](https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2026-05/papst-leo-magnifica-humanitas-dokument-in-voller-lange.html) hören: als kirchliche Warnung vor einer Technik, die ohnehin längst zu ihrem Alltag gehört? Als fremde Stimme aus einer Institution, die nicht automatisch ihre Sprache spricht? Oder als überraschend aktuelle Frage danach, wer eigentlich über ihre digitale Zukunft entscheidet?

Die Enzyklika setzt Künstliche Intelligenz nicht einfach mit Gefahr gleich. Sie fragt nach dem Menschen. Sie fragt danach, was mit Würde, Freiheit, Arbeit, Wahrheit und Gerechtigkeit geschieht, wenn technische Systeme immer stärker mitentscheiden, was sichtbar, sagbar, wahrscheinlich oder nützlich erscheint. Gerade deshalb berührt mich die Assoziation zur Turmbaugeschichte aus Genesis 11. Ist Babel hier nur ein dramatisches Bild für menschliche Überheblichkeit? Oder steckt darin eine tiefere Anfrage: Was passiert, wenn Menschen eine Sprache, ein System, eine Ordnung schaffen wollen, die alles verfügbar macht?

Für Jugendliche ist diese Frage nicht abstrakt. Sie erleben KI nicht zuerst als Enzyklika-Thema, sondern als Hausaufgabenhilfe, Bildgenerator, Chatpartner, Suchmaschine, Übersetzer, Empfehlungslogik, Feed und Bewertungsdruck. Vielleicht fragen sie nicht: „Ist KI Hybris?“ Vielleicht fragen sie eher: „Ist das noch mein Gedanke?“ „Warum zeigt mir mein Feed immer dasselbe?“ „Warum klingt die KI so sicher, obwohl ich unsicher bin?“ „Wer merkt eigentlich, wenn ich mein eigenes Urteil abgebe?“

Die Turmbaugeschichte wirkt auf dem Hintergrund dieser Erfahrung eher wie eine Störung. Sie erzählt von Menschen, die Großes bauen wollen. Sie erzählt von Größe, Macht, Sprache, Einheit und Zerstreuung. Und die regt an zu prüfen, welche Menschenbilder, Machtfragen und Zukunftsängste sie in uns hervorruft.

Vielleicht liegt die Herausforderung nicht darin, Jugendlichen zu sagen, dass KI gefährlich ist. Vielleicht liegt sie darin, Räume zu öffnen, in denen sie selbst wahrnehmen können, wo KI entlastet, wo sie verführt, wo sie Zugänge schafft, wo sie Stimmen glättet und wo sie Macht unsichtbar macht. **Was bedeutet digitale Mündigkeit**, wenn die eigene Stimme bequemer an eine Maschine ausgelagert werden kann? Was bedeutet religiöse Bildung, wenn alte Texte nicht fertige Antworten liefern, sondern unsere Gegenwart fragwürdig machen?

> [!podcast] Einführung für Lehrkräfte
> ![](https://relipuls.de/storage/Die_KI-Enzyklika_f%C3%BCr_die_TikTok-Generation.m4a)

> [!info] Zielgruppe
> **Klasse 9, Stadtteilschule, Religionsunterricht für alle**
>
> Die Lerngruppe ist altersgemäß heterogen: Einige Lernende nutzen KI-Tools bereits selbstverständlich, andere kennen sie vor allem indirekt über Social Media, Schule oder Familiengespräche.
>
> Die religiösen und weltanschaulichen Ausgangspunkte sind verschieden. Der Unterricht setzt deshalb keine Zustimmung zu kirchlichen Aussagen voraus, sondern eröffnet eine gemeinsame Prüfung religiöser, islamischer, jüdisch-christlicher und säkularer Deutungsangebote.
>
> Für die Zielgruppe tragfähig ist der konkrete Einstieg über KI-Texte im Schulalltag. Entlastung brauchen vor allem die Begriffe **Enzyklika**, **Hybris**, **Gottebenbildlichkeit**, **Khalifa**, **Filterblase** und **Ethics-Washing**.
>
> Die Stunde eignet sich besonders, wenn die Lehrkraft den theologischen Anspruch nicht als fertige Lösung präsentiert, sondern als Frage an die eigene digitale Lebenswelt der Lernenden ins Spiel bringt.

> [!hint] Didaktische Intention
> Ich wähle diesen Zugang, weil die Enzyklika *Magnifica humanitas* die KI-Frage nicht nur technisch oder politisch stellt, sondern anthropologisch: Was schützt den Menschen davor, zum Datenpunkt, Werkzeug oder Objekt fremder Steuerung zu werden?
>
> Das Babel-Motiv dient nicht als einfache Gleichsetzung von KI und Sünde. Es dient als Deutungsraum, in dem Jugendliche Macht, Sprache, Einheit, Vielfalt, Machbarkeit und menschliche Begrenztheit befragen können.
>
> Die Stunde soll die Lernenden nicht zu Technikfeindschaft führen, sondern zu einer aufmerksameren Fragehaltung: Wo hilft KI menschlichem Leben? Wo nimmt sie Urteilskraft ab? Wo konzentriert sie Macht? Und woran würden Jugendliche selbst merken, dass digitale Zukunft menschlich bleibt?

> [!check] Kompetenzerwartungen
> * **Dialogkompetenz (D):** Die Lernenden geben unterschiedliche Perspektiven auf KI und Babel wieder und formulieren, was sie daran interessiert, irritiert oder herausfordert.
> * **Urteilskompetenz (U):** Die Lernenden nehmen zu einer Entscheidungsfrage im Umgang mit KI einen begründeten Standpunkt ein und nutzen dabei religiöse, weltanschauliche und lebensweltliche Kriterien.
> * **Orientierungskompetenz M/V/G:** Die Lernenden beziehen die Frage nach dem Menschen, nach Verantwortung und nach Gott/Göttlichem/Transzendenz auf ihre digitale Lebenswelt.
> * **Digitale Mündigkeit:** Die Lernenden analysieren ihren eigenen Umgang mit KI-Angeboten und prüfen ihn im Blick auf Selbstbestimmung, Menschenwürde, Gerechtigkeit und friedliches Zusammenleben.

> [!tip] Praxistipp
> Für die Durchführung reicht es, wenn die Lehrkraft vorab drei Sachpunkte kennt:
>
> 1. *Magnifica humanitas* ist die erste Enzyklika von Papst Leo XIV. und wurde am 25. Mai 2026 veröffentlicht; sie stellt KI in den Horizont von Menschenwürde, Gemeinwohl, Arbeit, Gerechtigkeit und Frieden.
> 2. Die Enzyklika nutzt das Bild vom neuen Turm zu Babel als Anfrage an eine Menschheit, die durch Technik entweder Gemeinschaft aufbauen oder Macht konzentrieren kann.
> 3. Religion ist kein Bekenntnisunterricht, sondern im Sinne des Hamburger Bildungsplans dialogische Auseinandersetzung mit religiösen und nicht religiösen Perspektiven.
>
> Falls die Diskussion über das „Feigenblatt-Dilemma“ zu abstrakt bleibt, führen Sie kurz auf den Schulalltag zurück: KI-generierte Hausaufgaben, automatische Übersetzungen, Empfehlungsfeeds oder die Frage, ob eine Chatbot-Antwort noch „meine“ Antwort ist.

> [!adapt] Differenzierung  
> **Unterstützung**
> 
> - **Phase 1 / M1:** Lernende markieren nur zwei Wörter in jedem Text: ein Wort, das „glatt“ wirkt, und ein Wort, das „echt“ wirkt.
>     
> - **Phase 2 / M2:** Lernende positionieren sich ohne Begründung und nennen anschließend nur ein Leitwort: „frei“, „bequem“, „unsicher“, „gesteuert“, „entlastet“.
>     
> - **Phase 3 / M3/M32:** Jede Gruppe bearbeitet nur eine Perspektivkarte und beantwortet: „Was ist hier die Warnung?“
>     
> - **Phase 4 / M4:** Die Begriffe **Ethics-Washing** und **Dialog** werden vorher mit Beispielsätzen geklärt.
>     
> - **Phase 5 / M5:** Lernende wählen einen Satzstarter und formulieren nur eine These.
>     
> 
> **Erweiterung**
> 
> - **Phase 1 / M1:** Lernende formulieren einen dritten Mini-Text, der bewusst zwischen KI-Glätte und eigener Stimme steht.
>     
> - **Phase 2 / M2:** Lernende ergänzen eine eigene These zur Positionierungslinie.
>     
> - **Phase 3 / M3/M32:** Lernende prüfen, ob das Babel-Bild auch missverständlich sein kann, weil KI nicht automatisch böse ist.
>     
> - **Phase 4 / M4:** Lernende ergänzen eine dritte Spalte: „Welche Regeln bräuchte ein glaubwürdiger Dialog?“
>     
> - **Phase 5 / M5:** Lernende ergänzen zu jeder These einen möglichen Einwand und eine Antwort darauf.
> - **M6 Zusatzimpuls**: Welche Deutung von KI steckt in diesem Bild bereits drin? Welche Perspektive fehlt? Was wäre anders, wenn ihr selbst dieses Bild gestalten würdet?

> [!todo] Ablauf
> **Phase 1:** Perfekt geglättet vs. eigensinnig
> **Rahmen:** 7 Min | Modus: erkunden | Sozialform: Plenum / Einzelimpuls
> **Lernende:** Lesen M1, markieren Unterschiede zwischen KI-Standardtext und Schüler-Fragment und benennen, wo eine eigene Stimme hörbar wird.
> **Kompetenzfokus:** Dialogkompetenz (D), Orientierung nach dem Menschen (M)
> **Lehrkraft:** Moderiert nicht bewertend und sammelt Begriffe wie „glatt“, „echt“, „bequem“, „fremd“, „hilfreich“, „unpersönlich“.
> **Material:** M1
> **Ergebnis:** Erste Beobachtung: KI kann entlasten, aber auch eigene Stimme und Urteilskraft glätten.
> **Hinweise:** Keine Beicht- oder Kontrollsituation zur KI-Nutzung erzeugen.
>
> **Phase 2:** Auf dem Rücksitz der Algorithmen
> **Rahmen:** 8 Min | Modus: erfahren | Sozialform: Aufstellung im Raum
> **Lernende:** Positionieren sich auf einer Linie zwischen „Ich bestimme selbst“ und „Ich sitze auf dem Rücksitz“.
> **Kompetenzfokus:** Dialogkompetenz (D), Orientierung nach Verantwortung (V)
> **Lehrkraft:** Liest die Prompts aus M2 langsam vor und lässt nach jeder Positionierung ein freiwilliges Leitwort nennen.
> **Material:** M2
> **Ergebnis:** Ein gemeinsamer Spannungssatz, z. B.: „KI hilft mir, aber manchmal merkt sie vor mir, wohin ich denke.“
> **Hinweise:** Nicht in lange Diskussion gehen; die Erfahrung dient als Brücke zur Deutung.
>
> **Phase 3:** Drei Brillen auf den Turmbau 2.0
> **Rahmen:** 10 Min | Modus: erkunden | Sozialform: Gruppenarbeit
> **Lernende:** Lesen die Perspektivkarten, markieren Kernwarnungen und halten Gemeinsamkeiten/Unterschiede in M32 fest.
> **Kompetenzfokus:** Dialogkompetenz (D), Orientierung nach Religionen (R), Orientierung nach Gott/Göttlichem/Transzendenz (G)
> **Lehrkraft:** Klärt bei Bedarf die Begriffe Babel, Hybris, Khalifa und Filterblase.
> **Material:** M3, M32, M33
> **Ergebnis:** Vergleichende Einschätzung, was das Babel-Motiv für die KI-Debatte sichtbar macht.
> **Hinweise:** Perspektiven nicht gegeneinander ausspielen; die Karten sind didaktisch verdichtete Deutungsangebote, keine vollständigen Religionsdarstellungen.
>
> **Phase 4:** Das Feigenblatt-Dilemma
> **Rahmen:** 10 Min | Modus: analysieren | Sozialform: Partnerarbeit
> **Lernende:** Lesen M4, unterscheiden Argumente für Kritik und Argumente für Dialog und formulieren eine begründete Einschätzung.
> **Kompetenzfokus:** Urteilskompetenz (U), Orientierung nach Verantwortung (V)
> **Lehrkraft:** Achtet darauf, dass „Tech-Konzerne“ nicht pauschal dämonisiert werden, sondern Macht, Verantwortung und Kontrolle differenziert betrachtet werden.
> **Material:** M4
> **Ergebnis:** Ausgefüllte Argumentationskarte mit einer begründeten Position zum Feigenblatt-Dilemma.
> **Hinweise:** Bei Zeitdruck nur je ein Argument pro Seite sammeln lassen.
>
> **Phase 5:** Thesen zur digitalen Mündigkeit
> **Rahmen:** 10 Min | Modus: analysieren / ausprobieren | Sozialform: Gruppenarbeit / Plenum
> **Lernende:** Formulieren mit M5 eine bis drei Thesen für ihren Schulalltag und begründen diese mit einem Motiv aus Babel oder der KI-Debatte.
> **Kompetenzfokus:** Urteilskompetenz (U), Orientierung nach dem Menschen (M), Orientierung nach Verantwortung (V)
> **Lehrkraft:** Sichert wenige starke Thesen sichtbar und fragt abschließend: „Woran würden wir im Schulalltag merken, dass KI dem Menschen dient?“
> **Material:** M5
> **Ergebnis:** Drei Thesen zur digitalen Mündigkeit.
> **Hinweise:** Die „Charta“ muss keine fertige Antwort sein; sie darf offene Prüfsteine formulieren.

> [!abstract] M1 Der automatisierte Aufsatz
>
> **Situation**
>
> Zwei Texte liegen auf dem Tisch. Beide könnten aus einer Hausaufgabe zum Thema „Gerechtigkeit“ stammen.
>
> **Text A: KI-Standardtext**
>
> „Gerechtigkeit ist ein fundamentales Prinzip, das das Zusammenleben in einer Gesellschaft ordnet. Sie sorgt für einen fairen Ausgleich von Interessen und garantiert jedem Individuum gleiche Rechte. In einer gerechten Welt werden Ressourcen gerecht verteilt und Diskriminierung aktiv bekämpft. Somit bildet Gerechtigkeit das notwendige Fundament für Frieden und Stabilität in jedem modernen Staat.“
>
> **Text B: Schüler-Fragment**
>
> „Gerechtigkeit? Das ist für mich, wenn mein Kumpel aus der Siedlung die gleiche Chance kriegt wie einer aus dem Villenviertel. Aber meistens ist das nur ein Wort, das Leute benutzen, die schon alles haben. Gerechtigkeit fühlt sich für mich eher an wie ein Kampf, den man jeden Tag neu führen muss, weil es eben nicht von alleine fair zugeht. Es ist kein Prinzip, es ist eher… ein Gefühl von Wut, wenn man sieht, wie Leute einfach übergangen werden.“
>
> **Arbeitsauftrag**
>
> 1. Markiere in **Text A** zwei Wörter oder Sätze, die glatt, allgemein oder austauschbar wirken.
> 2. Markiere in **Text B** zwei Wörter oder Sätze, in denen du eine eigene Stimme hörst.
> 3. Schreibe einen Satz: „Für mich wirkt Text ___ wahrer, weil …“
>
> **Merksatz für die Stunde**
>
> KI kann Sprache sehr gut glätten. Aber wird dadurch auch unser Denken klarer - oder manchmal nur bequemer?

> [!abstract] M2 Positionierungs-Prompts (nur Lehrkraft)
>
> **Raumlinie**
>
> Eine Seite des Raumes bedeutet: **„Ich bestimme selbst.“**
>
> Die andere Seite bedeutet: **„Ich sitze auf dem Rücksitz der Algorithmen.“**
>
> Lesen Sie die Sätze langsam vor. Die Lernenden stellen sich jeweils auf der Linie auf. Nach jeder Runde nennen einzelne freiwillig ein Leitwort zu ihrer Position.
>
> * „Mein Feed zeigt mir ungefähr die Welt, wie sie wirklich ist.“
> * „Wenn ich eine Entscheidung treffe, hat ein Algorithmus mich vorher vielleicht schon beeinflusst.“
> * „Wenn eine KI mir eine gute Antwort gibt, ist es trotzdem noch meine Verantwortung, ob ich sie übernehme.“
> * „Ich habe Sorge, dass wir selbstständiges Denken verlernen, wenn wir zu viel an Maschinen auslagern.“
>
> **Übergabesatz zur nächsten Phase**
>
> Sammeln Sie am Ende einen Satz aus der Lerngruppe, zum Beispiel: „KI hilft mir, aber manchmal merke ich nicht, wie sie mich lenkt.“

> [!cards] M3 Babel 2.0 - Die Perspektiven
>
> **Arbeitsauftrag**
>
> Lest die drei Perspektiven. Markiert in jeder Karte:
>
> * **eine Warnung**
> * **ein Menschenbild**
> * **eine Frage an unsere KI-Welt**
>
> Nutzt danach M32 für euren Vergleich.
>
> ---
>
> **1. Jüdisch-christliche Perspektive: Babel als Warnung**
>
> In Genesis 11,1-9 bauen Menschen eine Stadt und einen Turm, „dessen Spitze bis an den Himmel reicht“. Die Geschichte kann als Warnung vor menschlicher Hybris gelesen werden: Menschen wollen sich absichern, groß machen und alles unter eine gemeinsame Ordnung bringen.
>
> Für die KI-Frage heißt das nicht: Technik ist böse. Die Frage lautet eher: Wann wird der Wunsch nach Kontrolle so groß, dass Vielfalt, Freiheit und Verantwortung verschwinden?
>
> **Prüffrage:** Ist unsere KI-Welt ein neuer Turm, wenn wenige Systeme bestimmen, welche Sprache, Bilder und Informationen sichtbar werden?
>
> ---
>
> **2. Islamische Perspektive: Der Mensch als Khalifa**
>
> Im Islam wird der Mensch unter anderem als *Khalifa* verstanden: als verantwortlicher Statthalter auf Erden. Das bedeutet Würde, aber auch Begrenzung. Der Mensch darf gestalten, aber er ist nicht selbst der Schöpfer.
>
> Für die KI-Frage entsteht daraus eine Spannung: Menschen können Werkzeuge bauen, die sehr mächtig sind. Aber wer trägt Verantwortung, wenn diese Werkzeuge andere Menschen benachteiligen, täuschen oder verletzen?
>
> **Prüffrage:** Wo hilft KI, Verantwortung wahrzunehmen - und wo überschreitet der Mensch eine Grenze zur Anmaßung?
>
> ---
>
> **3. Säkular-humanistische Perspektive: Machtkonzentration**
>
> Aus säkular-humanistischer Sicht steht im Mittelpunkt, dass Menschen frei, gleichwürdig und selbstbestimmt leben können. Problematisch wird KI, wenn wenige Firmen, Staaten oder Plattformen kontrollieren, was viele Menschen sehen, glauben, kaufen oder entscheiden.
>
> Die Gefahr liegt dann weniger in der Maschine selbst als in den Machtstrukturen dahinter.
>
> **Prüffrage:** Wie schützen wir Mündigkeit, wenn Algorithmen für uns vorsortieren, was wichtig erscheint?
>
> ---
>
> **Mini-Glossar**
>
> * **Hybris:** Überheblichkeit; der Mensch überschätzt seine Macht.
> * **Filterblase:** Man bekommt vor allem Inhalte angezeigt, die zur bisherigen Meinung passen.
> * **Khalifa:** Verantwortlicher Statthalter; der Mensch gestaltet die Welt, bleibt aber verantwortlich und begrenzt.
> * **Mündigkeit:** selbst denken, begründet urteilen und Verantwortung übernehmen.

> [!abstract] M32 - Unsere Ergebnisse für das Plenum
>
> Notiert eure Erkenntnisse aus dem Vergleich der drei Perspektiven.
>
> | Perspektive                | Warnung vor KI | Menschenbild | Frage an unseren Alltag |
> | :------------------------- | :------------- | :----------- | :---------------------- |
> | Babel / jüdisch-christlich |                |              |                         |
> | Khalifa / islamisch        |                |              |                         |
> | säkular-humanistisch       |                |              |                         |
>
> **Unser Vergleichssatz**
>
> Das Bild vom „Turmbau zu Babel“ passt zur KI-Debatte, weil …
>
> Das Bild passt nur begrenzt, weil …
>
> **Für das Plenum**
>
> Wählt eine Person, die euren Vergleichssatz vorliest. Ihr müsst nicht alles vorstellen.

> [!abstract] M33 - Nur für die Lehrkraft: Impulsfragen für das Plenum
>
> * **Einstieg:** Welche Perspektive hilft euch am meisten, über euren eigenen KI-Alltag nachzudenken?
> * **Klärung:** Wo liegt die Gefahr: in der Technik selbst, in den Zielen der Menschen oder in der Macht weniger Akteure?
> * **Vertiefung:** Wenn Babel für erzwungene Einheit steht: Welche Formen von Vielfalt müssen in einer KI-Welt geschützt werden?
> * **Rückbindung:** Welche Frage aus der Enzyklika versteht ihr besser, wenn ihr die Turmbaugeschichte danebenlegt?
> * **Sicherung:** Formuliert einen Satz: „KI wird zum Babel-Turm, wenn …“

> [!abstract] M4 Fallakte: Das Feigenblatt-Dilemma
>
> **Wichtig:** Diese Fallakte ist ein didaktisch verdichtetes Arbeitsmaterial. Sie fasst eine reale Debatte zusammen, ersetzt aber keinen vollständigen Zeitungsartikel.
>
> **Der Fall**
>
> Papst Leo XIV. fordert in *Magnifica humanitas*, KI müsse dem Menschen dienen und dürfe nicht zum Instrument von Herrschaft, Ausschluss oder Tod werden. Zugleich sucht der Vatikan den Dialog mit Akteuren aus Technik, Politik und Zivilgesellschaft. Kritikerinnen und Kritiker fragen: Wird dadurch echte Verantwortung möglich - oder bekommen mächtige Unternehmen nur einen moralisch guten Anstrich?
>
> **Begriffsklärung**
>
> **Ethics-Washing** bedeutet: Eine Organisation spricht viel über Ethik, ändert aber an Macht, Profitinteressen oder problematischen Praktiken wenig.
>
> **Stimme A: Kritik**
>
> „Wenn mächtige Tech-Unternehmen mit religiösen oder ethischen Autoritäten auftreten, kann das wie ein moralisches Schutzschild wirken. Dann sieht es nach Verantwortung aus, obwohl die eigentliche Macht weiter bei wenigen liegt.“
>
> **Stimme B: Dialog**
>
> „Wer KI wirklich begrenzen und menschenfreundlich gestalten will, muss mit denen sprechen, die sie entwickeln, finanzieren und einsetzen. Ohne Dialog bleiben ethische Forderungen wirkungslos.“
>
> **Arbeitsauftrag**
>
> 1. Markiert in **Stimme A** das stärkste Argument für „Ethics-Washing“.
> 2. Markiert in **Stimme B** das stärkste Argument für „notwendigen Dialog“.
> 3. Füllt die Argumentationskarte aus.
> 4. Formuliert am Ende eine gemeinsame Einschätzung.
>
> ---
>
> **Argumentationskarte: Das Feigenblatt-Dilemma**
>
> | Argumente für „Ethics-Washing“ | Argumente für „notwendigen Dialog“ |
> | :----------------------------- | :--------------------------------- |
> |                                |                                    |
> |                                |                                    |
>
> **Unsere Einschätzung**
>
> Wir halten den Dialog mit mächtigen KI-Akteuren für ________________________________,
>
> weil __________________________________________________________________________
>
> _______________________________________________________________________________.
>
> **Prüffrage**
>
> Woran könnte man erkennen, dass ein solcher Dialog wirklich dem Menschen dient und nicht nur dem Image?

> [!abstract] M5 Thesen zur digitalen Mündigkeit
>
> Wir, die Klasse 9, formulieren Thesen zur digitalen Mündigkeit.
>
> Nutzt mindestens **einen** Gedanken aus der Stunde:
>
> * **Babel:** Menschen können Großes bauen, aber auch Macht, Einheit und Kontrolle übertreiben.
> * **Geschöpflichkeit:** Menschen sind begrenzt, verletzlich, lernfähig und nicht durch Maschinen ersetzbar.
> * **Fehlbarkeit:** Fehler gehören zum Lernen. Eine perfekte Antwort ist nicht automatisch eine eigene Antwort.
> * **Verantwortung:** Wer KI nutzt, bleibt für Folgen und Entscheidungen mitverantwortlich.
>
> **Arbeitsauftrag**
>
> Formuliert mindestens **eine**, möglichst **drei** Thesen für euren Schulalltag.
>
> 1. **Mensch vor Maschine:** Wir fordern, dass …
>
>    * Hilfe: Wo brauchen wir eigene Urteilskraft statt nur eine KI-Antwort?
> 2. **Fehler dürfen bleiben:** Wir fordern, dass …
>
>    * Hilfe: Wie schützen wir Lernen vor dem Zwang zur perfekten KI-Lösung?
> 3. **Vielfalt statt Babel:** Wir fordern, dass …
>
>    * Hilfe: Wie verhindern wir, dass Algorithmen uns in eine Einheitsmeinung drängen?
>
> **Begründung**
>
> Unsere wichtigste These ist These Nr. ___, weil …
>
> **Abschlussfrage**
>
> Woran würden andere in unserer Schule merken, dass KI bei uns dem Menschen dient?

> [!abstract] M6 Optionaler Bildimpuls: Turmbau 2.0?  
>  ![](https://relipuls.de/storage/Gemini_Generated_Image_71qrwz71qrwz71qr.png)
> Dieses Bild ist keine neutrale Darstellung von KI, sondern eine zugespitzte Bildfantasie.  
>  
> **Arbeitsauftrag**  
>  
> 1. Beschreibt zuerst nur, was ihr seht.  
> 2. Markiert drei Bilddetails, die an Macht, Religion oder Kontrolle erinnern.  
> 3. Prüft: Welche Botschaft über KI legt das Bild nahe?  
> 4. Diskutiert: Was fehlt in diesem Bild, wenn Jugendliche selbst über KI sprechen würden?  
>  
> **Satzstarter**  
>  
> Das Bild zeigt KI eher als …  
>  
> Die Verbindung zur Turmbaugeschichte sehe ich bei …  
>  
> Problematisch finde ich an dem Bild …  
>  
> Aus meiner Sicht fehlt …
>
>
>

> [!info] Quellen und Links
>
> **Geprüfte Quellen für die Lehrkraft**
>
> **Bildungsplan Hamburg**
>
> * [Bildungsplan Stadtteilschule Jahrgangsstufen 5-11 - Religion](https://epub.sub.uni-hamburg.de/epub/volltexte/2023/144998/pdf/religion_sts_2022.pdf)
>
>   * Verwendet für Zielgruppe, Kompetenzbereiche und Anschluss an den Religionsunterricht für alle.
>   * Hinweis: Der ursprünglich verlinkte Gymnasialplan wurde für diese Stadtteilschul-Zielgruppe ersetzt.
>
> **Enzyklika und kirchlicher Kontext**
>
> * [Erste Enzyklika von Leo XIV.: KI muss der Menschheit dienen, nicht der Macht Weniger - Vatican News](https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2026-05/papst-leo-xiv-enzyklika-magnifica-humanitas-zusammenfassung.html)
>
>   * Zentrale Quelle für den theologischen Anlass, die Babel-Assoziation, die Frage nach Menschenwürde und die Kritik an Machtkonzentration.
> * [Magnifica humanitas: Papst Leos KI-Enzyklika in voller Länge - Vatican News](https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2026-05/papst-leo-magnifica-humanitas-dokument-in-voller-lange.html)
>
>   * Verweist auf den vollständigen amtlichen Wortlaut der Enzyklika.
> * [Papst: „Künstliche Intelligenz muss entwaffnet werden“ - Vatican News](https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2026-05/papst-synodenaula-kuenstliche-intelligenz-magnifica-humanitas.html)
>
>   * Hintergrund zur Formel vom „Entwaffnen“ der KI und zur Frage menschlicher Verantwortung.
>
> **Öffentliche Einordnung der Debatte**
>
> * [Pope calls for robust regulation of AI in manifesto that ponders the future of humanity - AP News](https://apnews.com/article/d92d0108730d146baa46da041b8523da)
>
>   * Hintergrund zur internationalen Debatte um Regulierung, Machtkonzentration und Dialog mit Tech-Akteuren.
> * [Ethikexpertin Cornelia Diethelm: KI braucht sozial verträgliche Transformation - Sonntagsblatt](https://www.sonntagsblatt.de/ethikexpertin-cornelia-diethelm-ki-braucht-sozial-vertraegliche-transformation)
>
>   * Lehrkraft-Hintergrund zur sozialverträglichen Gestaltung von KI und zur Frage, warum KI-Ergebnisse nicht mit Suchmaschinenwissen gleichzusetzen sind.
> * [KI, Ethik und Gemeinwohl: Monika Ilves über Chancen für NGOs und Zivilgesellschaft - Sonntagsblatt](https://www.sonntagsblatt.de/artikel/monika-ilves-ethik-gemeinwohl)
>
>   * Lehrkraft-Hintergrund zur Rolle von Zivilgesellschaft und Gemeinwohlakteuren in der KI-Debatte.
>
> **Perspektiven & Bezugstexte**
>
> * [Turmbau zu Babel](https://www.bibleserver.com/LUT/1.Mose11,1-9) - Jüdisch-christlicher Bezugstext | Gen 11,1-9
> * [Gebot der Gottes- und Nächstenliebe](https://www.bibleserver.com/LUT/Markus12,30-31) - Christlicher Bezugstext | Mk 12,30-31
>
