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title: Zugehörigkeit prüfen: Wann kippt ein Wir in Ausgrenzung?
date: 2026-03-31
subject: Ethik
grade: Sek I
duration_minutes: 45
tags:
  - relipuls
  - teaching-pack
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# Zugehörigkeit prüfen: Wann kippt ein Wir in Ausgrenzung?

Didaktisch verdichteter Unterrichtsimpuls mit Materialien

- Ausgabe: 31. März 2026
- Fach: Ethik
- Zielgruppe: Sek I
- Dauer: 45 Min.

## Didaktische Hinweise

### Didaktische Intention

Mir ist an dieser Stunde wichtig, dass die Lernenden nicht ihre eigene Identität verteidigen müssen, sondern Deutungen von Gemeinschaft prüfen. Das schafft im Hamburger RUfa einen Gesprächsraum, in dem religiöse und nichtreligiöse Perspektiven sachlich aufeinander bezogen werden können.


### Risiken


### Kompetenzerwartungen

- Die Lernenden können sprachliche Signale von Zugehörigkeit in kurzen Aussagen beschreiben.
- Die Lernenden können drei unterschiedliche Sichtweisen auf Gemeinschaft vergleichen.
- Die Lernenden können eine christliche Deutung von Zugehörigkeit in eigenen Worten erschließen.
- Die Lernenden können Beobachtungen aus Aussagen und Deutungen im Gespräch aufeinander beziehen.
- Die Lernenden können ein begründetes Urteil formulieren, wann ein Wir offen bleibt und wann es ausgrenzend wirkt.

### Ablauf

1. **Barometer mit zwei Aussagen (8 Min.)**
   Beschreibung der konkreten Lernaktivität in 1-2 Sätzen. Die Lernenden positionieren sich zu zwei Sätzen im Raum: „Wer zu einer Gemeinschaft gehört, sollte sich ihr immer loyal verhalten.“ und „Eine gute Gemeinschaft muss Kritik an sich selbst aushalten.“ Danach notieren sie einen Begründungssatz ins Heft.
   Lehrkraft: Gibt die Aussagen vor, markiert die Positionen im Raum und sammelt erste Schlüsselwörter wie „Schutz“, „Zusammenhalt“, „Kritik“ oder „Ausschluss“ an der Tafel.
   Ergebnis: Sichtbares Meinungsbild und ein erster Begründungssatz im Heft.

1. **Drei Sichtweisen vergleichen (15 Min.)**
   Beschreibung der konkreten Lernaktivität in 1-2 Sätzen. Die Lernenden arbeiten mit drei kurzen, von der Lehrkraft formulierten Aussagen zu Gemeinschaft: eine offen-demokratische, eine loyalitätsbetonte und eine kritisch-distanzierende. Sie markieren Wörter, die Zugehörigkeit eher öffnen oder eher verengen, und halten zu jeder Aussage eine Beobachtung fest.
   Lehrkraft: Formuliert die drei Aussagen selbst an Tafel oder Folie, macht transparent, dass dies didaktisch gebaute Vergleichsaussagen sind, und gibt die Prüffragen vor: Wer gehört dazu? Ist Kritik erlaubt? Wer könnte ausgeschlossen werden?
   Material: M1, M2
   Ergebnis: Markierte Aussagen im Heft und drei kurze Beobachtungen pro Gruppe.

1. **Eine christliche Deutung genauer erschließen (12 Min.)**
   Beschreibung der konkreten Lernaktivität in 1-2 Sätzen. Die Lernenden arbeiten mit einer knappen inhaltlichen Zusammenfassung zweier neutestamentlicher Bezüge: In Römer 13 wird staatliche Ordnung grundsätzlich bejaht; in Philipper 3 wird die Zugehörigkeit der Glaubenden zugleich über politische Zugehörigkeiten hinaus gedacht. Dazu formulieren die Lernenden in Partnerarbeit zwei Deutungssätze: „Das stärkt Gemeinschaft, weil …“ und „Das begrenzt Gemeinschaft, weil …“.
   Lehrkraft: Führt knapp in die christliche Binnenperspektive ein, betont, dass heute mit einer Paraphrase und nicht mit wortgenauer Textanalyse gearbeitet wird, und unterstützt bei der Frage, welche Art von Loyalität und welche Art von Zugehörigkeit hier sichtbar werden.
   Material: M3
   Ergebnis: Zwei Deutungssätze pro Tandem.

1. **Beobachtungen prüfen und zuspitzen (10 Min.)**
   Beschreibung der konkreten Lernaktivität in 1-2 Sätzen. Je zwei Gruppen kommen zusammen und einigen sich auf genau drei Kriterien, an denen sie ein offenes oder ausgrenzendes Wir erkennen wollen. Jedes Kriterium muss mit einer Beobachtung aus den Aussagen oder aus der christlichen Deutung begründet werden.
   Lehrkraft: Moderiert die Verständigung und achtet darauf, dass nicht bloß Schlagwörter gesammelt, sondern Kriterien mit Belegen formuliert werden.
   Material: M4
   Ergebnis: Drei begründete Prüfkriterien pro Kleingruppe.

1. **Urteil festhalten (8 Min.)**
   Beschreibung der konkreten Lernaktivität in 1-2 Sätzen. Die Lernenden kehren zu einem der Einstiegssätze zurück und verfassen ein kurzes Urteil mit drei Sätzen: Einordnung, Begründung mit zwei Kriterien und ein Bezug zur christlichen Deutung oder zu einer nichtreligiösen Gegenposition aus dem Gespräch. Materialien: Die kopierfertigen Materialien (M1, M2 ...) findest du am Ende dieser Seite.
   Lehrkraft: Gibt Satzstarter vor und sammelt zum Schluss zwei oder drei deutlich unterschiedliche Urteile, ohne auf Einigkeit zu drängen.
   Ergebnis: Ein schriftliches Kurzurteil pro Person.


### Differenzierung

**Unterstützung**
- Die drei Vergleichsaussagen knapp und sprachlich klar halten. Signalwörter vorgeben: „wir“, „alle“, „andere“, „Kritik“, „Ordnung“, „Schutz“. Satzstarter nutzen: „Offen wirkt die Aussage, weil …“ / „Eng wird sie dort, wo …“

**Erweiterung**
- Zusätzlich prüfen lassen, ob Loyalität und Kritik Gegensätze sein müssen oder sich in demokratischen Gemeinschaften gerade brauchen.

## Leitfrage

Welche bearbeitbare Leitfrage wirft '„Schulkatechese“ im Spannungsfeld von Patriotismus und Nationalismus' auf, die in der Stunde nicht nur beschrieben, sondern pruefend bearbeitet werden soll? Welche Rolle spielt dabei 'Kirchenerkundungen mit Kindern' als pruefende oder irritierende Gegenstimme?

## Tagesziel

'„Schulkatechese“ im Spannungsfeld von Patriotismus und Nationalismus' liefert heute Anlass und Praxisanker zugleich und wird durch 'Kirchenerkundungen mit Kindern' reflektiert.

## Didaktischer Kern

Mir ist an dieser Stunde wichtig, dass die Lernenden nicht ihre eigene Identität verteidigen müssen, sondern Deutungen von Gemeinschaft prüfen. Das schafft im Hamburger RUfa einen Gesprächsraum, in dem religiöse und nichtreligiöse Perspektiven sachlich aufeinander bezogen werden können.

## Unterrichtsverlauf

### Einstieg (8 Min.)

Beschreibung der konkreten Lernaktivität in 1-2 Sätzen. Die Lernenden positionieren sich zu zwei Sätzen im Raum: „Wer zu einer Gemeinschaft gehört, sollte sich ihr immer loyal verhalten.“ und „Eine gute Gemeinschaft muss Kritik an sich selbst aushalten.“ Danach notieren sie einen Begründungssatz ins Heft.

- Lehrkraft: Gibt die Aussagen vor, markiert die Positionen im Raum und sammelt erste Schlüsselwörter wie „Schutz“, „Zusammenhalt“, „Kritik“ oder „Ausschluss“ an der Tafel.
- Sozialform: Plenum
- Ergebnis: Sichtbares Meinungsbild und ein erster Begründungssatz im Heft.

### Erarbeitung I (15 Min.)

Beschreibung der konkreten Lernaktivität in 1-2 Sätzen. Die Lernenden arbeiten mit drei kurzen, von der Lehrkraft formulierten Aussagen zu Gemeinschaft: eine offen-demokratische, eine loyalitätsbetonte und eine kritisch-distanzierende. Sie markieren Wörter, die Zugehörigkeit eher öffnen oder eher verengen, und halten zu jeder Aussage eine Beobachtung fest.

- Lehrkraft: Formuliert die drei Aussagen selbst an Tafel oder Folie, macht transparent, dass dies didaktisch gebaute Vergleichsaussagen sind, und gibt die Prüffragen vor: Wer gehört dazu? Ist Kritik erlaubt? Wer könnte ausgeschlossen werden?
- Sozialform: Gruppenarbeit
- Material: M1, M2
- Ergebnis: Markierte Aussagen im Heft und drei kurze Beobachtungen pro Gruppe.

### Erarbeitung II (12 Min.)

Beschreibung der konkreten Lernaktivität in 1-2 Sätzen. Die Lernenden arbeiten mit einer knappen inhaltlichen Zusammenfassung zweier neutestamentlicher Bezüge: In Römer 13 wird staatliche Ordnung grundsätzlich bejaht; in Philipper 3 wird die Zugehörigkeit der Glaubenden zugleich über politische Zugehörigkeiten hinaus gedacht. Dazu formulieren die Lernenden in Partnerarbeit zwei Deutungssätze: „Das stärkt Gemeinschaft, weil …“ und „Das begrenzt Gemeinschaft, weil …“.

- Lehrkraft: Führt knapp in die christliche Binnenperspektive ein, betont, dass heute mit einer Paraphrase und nicht mit wortgenauer Textanalyse gearbeitet wird, und unterstützt bei der Frage, welche Art von Loyalität und welche Art von Zugehörigkeit hier sichtbar werden.
- Sozialform: Partnerarbeit
- Material: M3
- Ergebnis: Zwei Deutungssätze pro Tandem.

### Sicherung (10 Min.)

Beschreibung der konkreten Lernaktivität in 1-2 Sätzen. Je zwei Gruppen kommen zusammen und einigen sich auf genau drei Kriterien, an denen sie ein offenes oder ausgrenzendes Wir erkennen wollen. Jedes Kriterium muss mit einer Beobachtung aus den Aussagen oder aus der christlichen Deutung begründet werden.

- Lehrkraft: Moderiert die Verständigung und achtet darauf, dass nicht bloß Schlagwörter gesammelt, sondern Kriterien mit Belegen formuliert werden.
- Sozialform: Gruppenarbeit
- Material: M4
- Ergebnis: Drei begründete Prüfkriterien pro Kleingruppe.

### Sicherung und Transfer (8 Min.)

Beschreibung der konkreten Lernaktivität in 1-2 Sätzen. Die Lernenden kehren zu einem der Einstiegssätze zurück und verfassen ein kurzes Urteil mit drei Sätzen: Einordnung, Begründung mit zwei Kriterien und ein Bezug zur christlichen Deutung oder zu einer nichtreligiösen Gegenposition aus dem Gespräch. Materialien: Die kopierfertigen Materialien (M1, M2 ...) findest du am Ende dieser Seite.

- Lehrkraft: Gibt Satzstarter vor und sammelt zum Schluss zwei oder drei deutlich unterschiedliche Urteile, ohne auf Einigkeit zu drängen.
- Sozialform: Einzelarbeit | Plenum
- Ergebnis: Ein schriftliches Kurzurteil pro Person.

## Materialien

- M1: Kurzmaterial: Woran erkennt man ein offenes oder ausgrenzendes „Wir“?
- M2: Drei Vergleichsaussagen zu Gemeinschaft
- M3: Christliche Binnenperspektive: Zugehörigkeit und Ordnung in eigenen Worten erschließen
- M4: Prüfkriterien entwickeln: Wann bleibt ein „Wir“ offen, wann wird es ausgrenzend?

## Ausgangstext

Heute bleibe ich an einer Frage hängen, die in einer 8. oder 9. Klasse sofort zündet und zugleich schnell heikel wird: **Wann wird aus einem starken Wir ein ausgrenzendes Wir?** Genau deshalb finde ich den Aufsatz von Mariusz Chrostowski, [„Schulkatechese“ im Spannungsfeld von Patriotismus und Nationalismus](https://oerf-journal.eu/index.php/oerf/article/view/512), so anregend. Nicht, weil sich der polnische katholische Kontext einfach auf den Hamburger RUfa übertragen ließe. Das wäre didaktisch zu grob. Aber der Text schärft etwas, das für unsere plurale Lerngruppe wirklich trägt: Man kann Zugehörigkeit an **Sprachmustern, Heldenbildern und Auslassungen** prüfen, statt Menschen oder Religionen pauschal zu bewerten.

Das gefällt mir, weil es die Stunde sofort vom Bauchgefühl wegführt. In einer 9. Klasse würde ich nicht mit der großen Frage „Ist Patriotismus gut oder schlecht?“ einsteigen. Das bleibt oft zu abstrakt oder kippt in Lagerbildung. Für eine 8. oder 9. Klasse ist daran anschlussfähig, dass die Lernenden an kurzen Aussagen beobachten: Wer wird mit dem Wort „wir“ gemeint? Wer kommt nicht vor? Ist Kritik an der eigenen Gemeinschaft erlaubt oder wirkt sie schon wie Verrat? So wird aus einem politischen Reizthema eine saubere Unterscheidungsaufgabe.

Didaktisch stark ist hier für den Hamburger RUfa, dass nichtreligiöse Perspektiven mitdenkbar bleiben, ohne als angeblich neutrale Norm gesetzt zu werden. Zugleich bleibt Religion sichtbar, weil nicht nur über religiöse Kontexte gesprochen wird, sondern eine christliche Deutung von Zugehörigkeit genauer gelesen wird – allerdings auf einer machbaren Grundlage: nicht als scheinexaktes Bibel-Zitiertraining, sondern als paraphrasierende Erschließung der inhaltlichen Richtung.

> [!info] Zielgruppe
> 8./9. Klasse an Stadtteilschule oder Gymnasium im Hamburger RUfa. Die Lerngruppe sollte kurze Aussagen vergleichen und erste begründete Urteile formulieren können. Hilfreich ist, wenn die Lernenden schon einmal zwischen Beobachtung und Bewertung unterschieden haben.

> [!check] Kompetenzerwartungen
> - Die Lernenden können sprachliche Signale von Zugehörigkeit in kurzen Aussagen beschreiben.
> - Die Lernenden können drei unterschiedliche Sichtweisen auf Gemeinschaft vergleichen.
> - Die Lernenden können eine christliche Deutung von Zugehörigkeit in eigenen Worten erschließen.
> - Die Lernenden können Beobachtungen aus Aussagen und Deutungen im Gespräch aufeinander beziehen.
> - Die Lernenden können ein begründetes Urteil formulieren, wann ein Wir offen bleibt und wann es ausgrenzend wirkt.

> [!todo] Ablauf
> 1. **Barometer mit zwei Aussagen (8 Min.)**
> Beschreibung der konkreten Lernaktivität in 1-2 Sätzen. Die Lernenden positionieren sich zu zwei Sätzen im Raum: „Wer zu einer Gemeinschaft gehört, sollte sich ihr immer loyal verhalten.“ und „Eine gute Gemeinschaft muss Kritik an sich selbst aushalten.“ Danach notieren sie einen Begründungssatz ins Heft.
> Lehrkraft: Gibt die Aussagen vor, markiert die Positionen im Raum und sammelt erste Schlüsselwörter wie „Schutz“, „Zusammenhalt“, „Kritik“ oder „Ausschluss“ an der Tafel.
> Sozialform: Plenum
> Materialien: Tafel/Folie
> Ergebnis: Sichtbares Meinungsbild und ein erster Begründungssatz im Heft.
> 
> 2. **Drei Sichtweisen vergleichen (15 Min.)**
> Beschreibung der konkreten Lernaktivität in 1-2 Sätzen. Die Lernenden arbeiten mit drei kurzen, von der Lehrkraft formulierten Aussagen zu Gemeinschaft: eine offen-demokratische, eine loyalitätsbetonte und eine kritisch-distanzierende. Sie markieren Wörter, die Zugehörigkeit eher öffnen oder eher verengen, und halten zu jeder Aussage eine Beobachtung fest.
> Lehrkraft: Formuliert die drei Aussagen selbst an Tafel oder Folie, macht transparent, dass dies didaktisch gebaute Vergleichsaussagen sind, und gibt die Prüffragen vor: Wer gehört dazu? Ist Kritik erlaubt? Wer könnte ausgeschlossen werden?
> Sozialform: Gruppenarbeit
> Materialien: M1 (Unterstützung), M2
> Ergebnis: Markierte Aussagen im Heft und drei kurze Beobachtungen pro Gruppe.
> 
> 3. **Eine christliche Deutung genauer erschließen (12 Min.)**
> Beschreibung der konkreten Lernaktivität in 1-2 Sätzen. Die Lernenden arbeiten mit einer knappen inhaltlichen Zusammenfassung zweier neutestamentlicher Bezüge: In Römer 13 wird staatliche Ordnung grundsätzlich bejaht; in Philipper 3 wird die Zugehörigkeit der Glaubenden zugleich über politische Zugehörigkeiten hinaus gedacht. Dazu formulieren die Lernenden in Partnerarbeit zwei Deutungssätze: „Das stärkt Gemeinschaft, weil …“ und „Das begrenzt Gemeinschaft, weil …“.
> Lehrkraft: Führt knapp in die christliche Binnenperspektive ein, betont, dass heute mit einer Paraphrase und nicht mit wortgenauer Textanalyse gearbeitet wird, und unterstützt bei der Frage, welche Art von Loyalität und welche Art von Zugehörigkeit hier sichtbar werden.
> Sozialform: Partnerarbeit
> Materialien: M3
> Ergebnis: Zwei Deutungssätze pro Tandem.
> 
> 4. **Beobachtungen prüfen und zuspitzen (10 Min.)**
> Beschreibung der konkreten Lernaktivität in 1-2 Sätzen. Je zwei Gruppen kommen zusammen und einigen sich auf genau drei Kriterien, an denen sie ein offenes oder ausgrenzendes Wir erkennen wollen. Jedes Kriterium muss mit einer Beobachtung aus den Aussagen oder aus der christlichen Deutung begründet werden.
> Lehrkraft: Moderiert die Verständigung und achtet darauf, dass nicht bloß Schlagwörter gesammelt, sondern Kriterien mit Belegen formuliert werden.
> Sozialform: Gruppenarbeit
> Materialien: M4
> Ergebnis: Drei begründete Prüfkriterien pro Kleingruppe.
> 
> 5. **Urteil festhalten (8 Min.)**
> Beschreibung der konkreten Lernaktivität in 1-2 Sätzen. Die Lernenden kehren zu einem der Einstiegssätze zurück und verfassen ein kurzes Urteil mit drei Sätzen: Einordnung, Begründung mit zwei Kriterien und ein Bezug zur christlichen Deutung oder zu einer nichtreligiösen Gegenposition aus dem Gespräch.
> Lehrkraft: Gibt Satzstarter vor und sammelt zum Schluss zwei oder drei deutlich unterschiedliche Urteile, ohne auf Einigkeit zu drängen.
> Sozialform: Einzelarbeit | Plenum
> Materialien: Heft, Tafelbild
> Ergebnis: Ein schriftliches Kurzurteil pro Person.
> 
> > **Materialien:** Die kopierfertigen Materialien (M1, M2 ...) findest du am Ende dieser Seite.

> [!adapt] Differenzierung
> **Unterstützung:** Die drei Vergleichsaussagen knapp und sprachlich klar halten. Signalwörter vorgeben: „wir“, „alle“, „andere“, „Kritik“, „Ordnung“, „Schutz“. Satzstarter nutzen: „Offen wirkt die Aussage, weil …“ / „Eng wird sie dort, wo …“  
> **Erweiterung:** Zusätzlich prüfen lassen, ob Loyalität und Kritik Gegensätze sein müssen oder sich in demokratischen Gemeinschaften gerade brauchen.

> [!hint] Didaktische Intention
> Mir ist an dieser Stunde wichtig, dass die Lernenden nicht ihre eigene Identität verteidigen müssen, sondern Deutungen von Gemeinschaft prüfen. Das schafft im Hamburger RUfa einen Gesprächsraum, in dem religiöse und nichtreligiöse Perspektiven sachlich aufeinander bezogen werden können.

Was ich an diesem Zugriff mag: Er bleibt nah an einer Frage, die Jugendliche kennen. Auch in der Schule erleben sie ständig kleine Wir-Formeln – „unsere Klasse“, „unsere Schule“, „echte Loyalität“, „wer dazugehört“. Für die Lerngruppe trägt hier vor allem, dass Zugehörigkeit nicht sofort moralisch bewertet wird. Sie wird erst einmal lesbar gemacht. Und genau das hilft später beim Urteilen.

Gleichzeitig würde ich den Herkunftskontext des Aufsatzes nicht verstecken. Chrostowski schreibt über katholischen Religionsunterricht in Polen. Das ist nicht Hamburg. Aber als analytische Brille ist der Text produktiv: Er schärft den Blick dafür, wie Gemeinschaft über Erzählmuster gebaut wird. Diese Schärfung lässt sich im Hamburger RUfa gut aufnehmen, ohne nationale oder religiöse Kontexte unzulässig gleichzusetzen.

*Vielleicht ist das heute die wichtigste Bewegung: Das Wort „wir“ nicht vorschnell zu feiern, aber auch nicht reflexhaft zu verdächtigen – sondern es an Sprache, Kritikfähigkeit und Grenzen zu prüfen.*

> [!info] Quellen und Links
> - Mariusz Chrostowski: [„Schulkatechese“ im Spannungsfeld von Patriotismus und Nationalismus](https://oerf-journal.eu/index.php/oerf/article/view/512)

## Netzrauschen

[Kirchenerkundungen mit Kindern](https://relimentar.de/materialien/kirchenerkundungen-mit-kindern) ist heute für mich klar eine Planungshilfe und kein Baustein für den Unterrichtskern. Die Kurzbeschreibung „Bausteine zur Kirchenerkundungen mit Kindern in Kita und Hort“ zeigt schon, dass das Material aus einem anderen Setting kommt. Für spätere Überlegungen zu respektvoller Erkundung religiöser Orte kann das nützlich sein. Für die heutige Sek-I-Stunde über Zugehörigkeit, Wir-Sprache und Ausgrenzung bleibt es bewusst im Hintergrund.

## Arbeitsmaterialien

> [!abstract] M1 Kurzmaterial: Woran erkennt man ein offenes oder ausgrenzendes „Wir“?
> **Jahrgang:** 8/9  
> **Hamburger RUfa:** Kontexte für alle  
> **Kompetenzfokus:** wahrnehmen, beschreiben, erste Deutung  
>
> **Kurztext:**
>
> Ein Fachaufsatz über katholischen Religionsunterricht in Polen lenkt den Blick auf eine wichtige Frage: Gemeinschaft kann Menschen verbinden, aber sie kann auch andere an den Rand drängen. Entscheidend ist nicht nur, **dass** von Gemeinschaft gesprochen wird, sondern **wie** das geschieht. Auffällig sind zum Beispiel starke **Wir-Erzählungen**, betonte **Heldenbilder** und **Auslassungen**. Dadurch kann ein Zusammenhalt entstehen, der sich gut und schützend anfühlt. Gleichzeitig kann so ein „Wir“ eng werden, wenn andere Perspektiven kaum vorkommen oder Kritik an der eigenen Gemeinschaft unerwünscht wirkt. Deshalb hilft es, Gemeinschaft nicht sofort zu loben oder abzulehnen, sondern genauer zu prüfen: Wer ist mit „wir“ gemeint? Wer bleibt eher unsichtbar? Ist Kritik möglich? Werden andere Sichtweisen mitgedacht?
>
> **Aufgaben:**
>
> 1. Unterstreiche im Kurztext **vier Wörter oder Formulierungen**, die mit Gemeinschaft, Zugehörigkeit oder Ausgrenzung zu tun haben.
> 2. Trage deine Beobachtungen in die Tabelle ein.
> 3. Formuliere unten **zwei Abschlusssätze**.
>
> | Wort oder Formulierung aus dem Kurztext | Meine Beobachtung dazu |
> |---|---|
> | Wir-Erzählungen | Ein „Wir“ kann Menschen verbinden, aber auch enger machen. |
> |  |  |
> |  |  |
> |  |  |
> |  |  |
>
> | Prüffrage | Meine Beobachtung aus dem Kurztext |
> |---|---|
> | Wer wird als „wir“ gedacht? |  |
> | Wer bleibt eher am Rand oder unsichtbar? |  |
> | Ist Kritik an der Gemeinschaft möglich? |  |
> | Was stärkt Zusammenhalt? |  |
>
> **Meine zwei Abschlusssätze:**
>
> - Ein starkes Wir ist hilfreich, wenn ...
> - Ein Wir wird problematisch, wenn ...
>
> **Satzstarter:**
> - Im Text fällt mir auf, dass ...
> - Offen wirkt ein „Wir“ dort, wo ...
> - Eng wird ein „Wir“ dort, wo ...
> - Kritisch ist für mich, dass ...
> - Ich erkenne Ausgrenzung daran, dass ...
> - Zusammenhalt und Kritik passen zusammen, weil ...

> [!abstract] M2 Drei Vergleichsaussagen zu Gemeinschaft
> **Jahrgang:** 8/9  
> **Hamburger RUfa:** A-Teil, drei Sichtweisen im Vergleich  
> **Kompetenzfokus:** vergleichen, deuten, Kriterien vorbereiten  
> **Hinweis:** Die drei Aussagen sind für den Unterricht formulierte Vergleichstexte.
>
> **Drei kurze Texte:**
>
> **Text A – offen-demokratisch**  
> „Zu unserer Gemeinschaft gehört, wer mitmachen will und die Regeln für alle respektiert. Kritik ist erlaubt, weil sie helfen kann, dass die Gemeinschaft gerechter wird.“
>
> **Text B – loyalitätsbetont**  
> „Wer zu unserer Gemeinschaft gehört, soll nach außen zusammenhalten und sie schützen. Kritik ist möglich, aber zuerst zählt die Loyalität zur eigenen Gruppe.“
>
> **Text C – kritisch-distanzierend**  
> „Keine Gemeinschaft ist automatisch gut. Man muss immer fragen, wer übersehen wird und ob das Wort ,wir‘ auch benutzt wird, um andere kleiner zu machen.“
>
> **Aufgaben:**
>
> 1. Lies alle drei Texte genau.
> 2. Markiere in jedem Text Wörter oder Formulierungen, die Zugehörigkeit eher **öffnen**.
> 3. Kreise in jedem Text Wörter oder Formulierungen ein, die Zugehörigkeit eher **verengen** könnten.
> 4. Fülle die Vergleichstabelle aus.
> 5. Schreibe unten zu **jedem** Text **eine Kurzbeobachtung**. Diese Sätze brauchst du im nächsten Schritt, wenn ihr Prüfkriterien formuliert.
>
> | Text | Wer gehört dazu? | Ist Kritik erlaubt? | Wer könnte ausgeschlossen werden? | Meine Kurzbeobachtung |
> |---|---|---|---|---|
> | A | alle, die mitmachen wollen und Regeln für alle respektieren | ja | Menschen, die gemeinsame Regeln für alle nicht achten | Wirkt eher offen, weil Kritik zur Gemeinschaft dazugehört. |
> | B |  |  |  |  |
> | C |  |  |  |  |
>
> **Meine drei Kurzbeobachtungen für den nächsten Schritt:**
>
> - **Zu Text A:** ...
> - **Zu Text B:** ...
> - **Zu Text C:** ...
>
> **Signalwörter als Hilfe:**  
> wir – alle – andere – Loyalität – Kritik – Schutz – Regeln – ausgeschlossen
>
> **Satzstarter:**
> - Die Aussage öffnet Gemeinschaft, weil ...
> - Die Aussage wird eng an der Stelle, wo ...
> - Kritik ist hier eher ... erlaubt.
> - Ausgeschlossen werden könnte ...
> - Im Vergleich zu Text A/B/C fällt auf, dass ...
> - Für ein Prüfkriterium ist wichtig, dass ...
>
> **Unterstützung: So kannst du vorgehen**
>
> 1. Suche zuerst das Wort **„wir“** oder eine Formulierung, die sagt, **wer dazugehört**.  
> 2. **Frage dann: Dürfen Menschen widersprechen oder Kritik äußern?**
> 3. **Frage zuletzt: Wer kommt nicht vor oder könnte leicht ausgeschlossen werden?**
>
> **Ausführliches Muster an Text B:**
>
> - **Wer gehört dazu?** Menschen, die zur eigenen Gruppe halten und sie schützen.  
> - **Ist Kritik erlaubt?** Ja, aber nur eingeschränkt, weil Loyalität zuerst genannt wird.  
> - **Wer könnte ausgeschlossen werden?** Menschen, die öffentlich widersprechen oder die Gruppe kritisieren.  
> - **Kurzbeobachtung:** Das „Wir“ wirkt enger, weil Schutz und Loyalität wichtiger erscheinen als offene Kritik.

> [!abstract] M3 Christliche Binnenperspektive: Zugehörigkeit und Ordnung in eigenen Worten erschließen
>
> **Methode:** Binnenperspektive lesen
>
> ![Methodenbeispiel](https://relipuls.de/storage/5edb300f-9d89-4e6d-ab19-0b5db405a785.webp)
> *So KOENNTE das Ergebnis aussehen (Beispiel zu einem anderen Thema). Eure Anordnung darf ganz anders sein!*
>
> **Jahrgang:** 8/9  
> **Hamburger RUfa:** B-Teil, christliche Binnenperspektive  
> **Kompetenzfokus:** erschließen, deuten, begrenzen
>
> **Arbeitsgrundlage: Paraphrase zu zwei neutestamentlichen Bezügen**
>
> - Ein neutestamentlicher Bezug bejaht staatliche Ordnung grundsätzlich: Gemeinschaft braucht Regeln und eine geordnete öffentliche Ordnung.
> - Ein anderer neutestamentlicher Bezug beschreibt die Zugehörigkeit der Glaubenden zugleich als etwas, das über politische Zugehörigkeiten hinausgeht.
> - Daraus entsteht eine Spannung: Christliche Zugehörigkeit kann Loyalität zu einer Gesellschaft stärken, aber sie darf nicht einfach mit Staat, Nation oder einer einzigen politischen Gemeinschaft gleichgesetzt werden.
>
> **Mini-Hilfe:**
> - **Paraphrase** = Wiedergabe in eigenen Worten, nicht der genaue Originalwortlaut  
> - **Zugehörigkeit** = Wozu oder zu wem jemand sich verbunden sieht  
> - **Loyalität** = einer Gemeinschaft verbunden bleiben
>
> **Aufgaben:**
>
> 1. Lies die drei Stichpunkte genau.
> 2. Formuliere in Partnerarbeit zwei Deutungssätze:
>    - **Das stärkt Gemeinschaft, weil ...**
>    - **Das begrenzt Gemeinschaft, weil ...**
> 3. Kreuze an und begründe kurz.
> 4. Übertrage **mindestens einen** deiner Deutungssätze unten als **Belegsatz für Schritt 4**. Diesen Satz nutzt ihr später, wenn ihr drei Prüfkriterien formuliert.
>
> | Aussage | ja | eher ja | eher nein | nein | Begründung in 1 Satz |
> |---|---|---|---|---|---|
> | Die Paraphrase unterstützt Loyalität zu staatlicher Ordnung. | ☐ | ☐ | ☐ | ☐ |  |
> | Die Paraphrase setzt Glaubenszugehörigkeit mit Nation gleich. | ☐ | ☐ | ☐ | ☐ | Beispiel: eher nein, weil die Zugehörigkeit über politische Grenzen hinaus gedacht wird. |
> | Die Paraphrase lässt Raum für Kritik an menschlichen Gemeinschaften. | ☐ | ☐ | ☐ | ☐ |  |
>
> **Unsere zwei Deutungssätze:**
>
> - Das stärkt Gemeinschaft, weil ...
> - Das begrenzt Gemeinschaft, weil ...
>
> **Belegsatz für den nächsten Schritt:**
>
> - Unser wichtigster Beleg aus der christlichen Deutung lautet: ...
>
> **Satzstarter:**
> - Gemeinschaft wird hier gestärkt, weil ...
> - Gleichzeitig wird Gemeinschaft begrenzt, denn ...
> - Politische Zugehörigkeit ist wichtig, aber ...
> - Christliche Zugehörigkeit geht darüber hinaus, weil ...
> - Problematisch wäre es, wenn man ...
> - Für unser Kriterium ist wichtig, dass ...

> [!abstract] M4 Prüfkriterien entwickeln: Wann bleibt ein „Wir“ offen, wann wird es ausgrenzend?
>
> **Methode:** Kriterien entwickeln (mit Belegen)
>
> ![Methodenbeispiel](https://relipuls.de/storage/82f6d4d7-aaf2-4c3e-a5d2-eb779b96c431.webp)
> *So KOENNTE das Ergebnis aussehen (Beispiel zu einem anderen Thema). Eure Anordnung darf ganz anders sein!*
>
> **Jahrgang:** 8/9  
> **Hamburger RUfa:** Dialogphase  
> **Kompetenzfokus:** Beobachtungen bündeln, mit Belegen arbeiten, Kriterien formulieren
>
> **Aufgabe:**
>
> Arbeitet zu viert. Nehmt eure **drei Kurzbeobachtungen aus M2** und euren **Belegsatz aus M3** dazu. Einigt euch auf **genau drei Prüfkriterien**, an denen man ein offenes oder ausgrenzendes „Wir“ erkennen kann.  
> Zu jedem Kriterium braucht ihr **mindestens einen Beleg** aus M2 oder M3.
>
> **So geht ihr vor:**
>
> 1. Lest euch zuerst eure Kurzbeobachtungen aus M2 und den Belegsatz aus M3 gegenseitig vor.
> 2. Sammelt mögliche Kriterien.
> 3. Wählt genau drei aus.
> 4. Tragt zu jedem Kriterium einen passenden Beleg ein.
>
> | Prüfkriterium | Woran erkennt man das? | Unser Beleg aus M2 oder M3 |
> |---|---|---|
> | Kritik muss möglich sein. | Eine Gemeinschaft bleibt offener, wenn Widerspruch nicht sofort als Verrat gilt. | Aus M2 Text A: „Kritik ist erlaubt ...“ |
> |  |  |  |
> |  |  |  |
>
> **Mögliche Formulierungen für Kriterien:**
> - Wer dazugehört, wird nicht zu eng festgelegt.
> - Kritik an der eigenen Gemeinschaft bleibt möglich.
> - Andere Perspektiven werden nicht ausgeblendet.
> - Schutz und Loyalität sind nicht wichtiger als Gerechtigkeit.
> - Zugehörigkeit wird nicht mit einer einzigen Gruppe oder Ordnung gleichgesetzt.
>
> **Satzstarter:**
> - Unser Kriterium lautet ...
> - Daran erkennt man ein offenes „Wir“, weil ...
> - Ausgrenzend wird es, wenn ...
> - Als Beleg nehmen wir ...
> - Das passt zu M2/M3, weil ...
> - Dieses Kriterium ist wichtig, denn ...
