relipuls · Lehrer:innenblatt

KI prüfen, Regeln aushandeln, Verantwortung klären

Verlässlichkeit, Verantwortung und Regeln im Umgang mit KI

LeitfrageWie koennen wir verantwortungsvoll entscheiden, wenn KI keine Wahrheit garantiert, sondern Wahrscheinlichkeiten produziert – und was braucht eine Gemeinschaft dafür, damit nicht jede:r „auf Verdacht“ übernimmt?

Beitragsbild
Fach RUfa / Ethik
Zielgruppe Klasse 8, Klasse 9
Dauer 45 Min.
Klasse 8 oder 9 im Hamburger RUfa an Stadtteilschule oder Gymnasium. Kein technisches Vorwissen nötig. Sinnvoll ist nur die Alltagserfahrung: Digitale Texte können plausibel wirken – und trotzdem problematisch sein.

Tagesziel

Wenn KI Ergebnisse liefert, ersetzt sie nicht das Urteilen – sie verlagert Verantwortung stärker auf Menschen.

Lernprodukte

  • Fallsichtung mit Prüffragen und Verantwortungszuweisung
  • ausgefüllte Vergleichskarte
  • Vergleichstabelle zu Perspektiven
  • Regelprofil
  • Urteilsstatement

Vorbereitung

  • Materialien M1–M4 kopieren oder digital bereitstellen
  • Tafel- oder Folienimpuls mit Leitfrage vorbereiten
  • ggf. Gruppen- oder Partnerbildung vorstrukturieren

Stundenbogen

  1. 1Einstieg
  2. 2Erarbeitung I
  3. 3Vertiefung
  4. 4Position beziehen und begründen

Didaktische Hinweise

Das bedenkt die Lehrkraft zuerst

Gegenwartsbedeutung

Lernende kennen plausible digitale Ergebnisse aus ihrem Alltag und müssen einschätzen, ob sie ihnen trauen können und wer für deren Folgen Verantwortung trägt.

Zukunftsbedeutung

Sie lernen, Verantwortung nicht an Technik abzugeben, sondern Prüfschritte, Regeln und Zuständigkeiten gemeinschaftlich zu begründen.

Zugangslogik

Einstieg über einen alltagsnahen Fehlerfall statt über eine abstrakte Technikdebatte.

Reduktion

Nicht die technische Funktionsweise von KI steht im Zentrum, sondern Verlässlichkeit, Prüfen, Verantwortung, Fairness und Regelbildung.

Pluralitätssensibilität

Religiöse und nichtreligiöse Perspektiven arbeiten an derselben ethischen Frage, ohne dass eine Position normativ vorgegeben wird.

Sprachliche Unterstützung

Satzstarter, Stützhilfen, klar strukturierte Leitfragen und vorstrukturierte Raster entlasten die sprachliche Bearbeitung.

Didaktische Intention

Die Lernenden verknüpfen zwei Bewegungen: KI-Ergebnisse wirken – aber sie müssen geprüft werden. Damit Prüfung nicht zur Privatleistung wird, braucht es gemeinsame Regeln in Schule, Verein oder Jugendgruppe.

Risiken

  • Die Stunde kippt in Technikfaszination oder pauschale Technikablehnung.
  • Religiöse Perspektiven werden vorschnell harmonisiert statt wirklich verglichen.
  • Verantwortung wird fälschlich an das Tool delegiert statt bei Menschen und Gemeinschaften verortet.

Kompetenzerwartungen

  • einen KI-Alltagsfall als Frage nach Verlässlichkeit und Verantwortung beschreiben.
  • Kernaussagen aus zwei Interviewstimmen zu Prüfen, Regeln und Gemeinwohl vergleichen.
  • aus einer Expertenstimme ein Regelprofil für verantwortlichen KI-Einsatz rekonstruieren.
  • ein begründetes Urteilsstatement zu Regeln für KI in Schule, Verein oder Jugendgruppe formulieren.

Ablauf

  • Alltagsfall als Einstieg (8 Min.) · M1 Lehrkraft: Moderiert im Plenum und hält die zentralen Fragen sichtbar.
  • Zwei Expertinnenstimmen vergleichen (15 Min.) · M2 Lehrkraft: Gibt kurze Impulse, um die Unterschiede zu sichern und nicht zu glätten.
  • Eine Stimme genauer lesen – Regelprofil rekonstruieren (10 Min.) · M3 Lehrkraft: Unterstützt mit gezielten Nachfragen.
  • Position beziehen und begründen (12 Min.) · M2, M3 Lehrkraft: Abschluss im freiwilligen Austausch im Plenum.

Differenzierung: Unterstützung

  • Satzanfänge für die Vergleichsnotizen, angeleitete Stichwortfelder und ein vorstrukturiertes Raster fürs Regelprofil.

Differenzierung: Erweiterung

  • Die Lernenden prüfen zusätzlich, ob ihre Regeln eher Einzelne entlasten, Organisationen verpflichten oder die Öffentlichkeit schützen – und markieren mögliche Konflikte zwischen Schnelligkeit, Fairness und Nachvollziehbarkeit.

Kompetenzmatrix

Niveaustufen im Überblick

Wahrnehmen und Beschreiben

Basis

beschreibt problematische Aussagen in einem KI-Alltagsfall

Aufbau

ordnet Aussagen als prüfbedürftig oder verantwortungsrelevant ein

Transfer

erklärt den Zusammenhang von Plausibilität, Fehleranfälligkeit und Verantwortung

Analysieren und Vergleichen

Basis

entnimmt Kernaussagen aus zwei Stimmen

Aufbau

vergleicht unterschiedliche Verantwortungsvorstellungen und Regelideen

Transfer

arbeitet Unterschiede und Spannungen zwischen Perspektiven präzise heraus

Urteilen und Begründen

Basis

formuliert eine einfache begründete Regel

Aufbau

begründet Regeln mit Fairness, Verantwortung und Schutz

Transfer

entwickelt ein reflektiertes Regelstatement mit Grenzen und Schutzperspektive

Gestalten und Transferieren

Basis

überträgt Einsichten auf Schule, Verein oder Jugendgruppe

Aufbau

entwickelt anwendungsbezogene Regeln für einen konkreten Kontext

Transfer

reflektiert Regelwirkungen auf Einzelne, Organisationen und Öffentlichkeit

Unterrichtsverlauf

Tabellarischer Ablauf

Phase Zeit Verlauf / Lehrkraft Sozialform Material
Einstieg 8 Min. Die Lernenden lesen einen kurzen Fall: Eine Jugendgruppe will einen von KI formulierten Infotext veröffentlichen; der Text klingt überzeugend, enthält aber sachliche Fehler und problematische Zuschreibungen. Zu zweit notieren sie in zwei Spalten: Was müsste vor der Veröffentlichung geprüft werden? Wer trägt die Verantwortung, wenn der Text online geht? Lehrkraft: Moderiert im Plenum und hält die zentralen Fragen sichtbar. Ergebnis: Gefüllte Fallsichtung mit mindestens drei Prüffragen und einer ersten Verantwortungszuweisung. Partnerarbeit | Plenum M1
Erarbeitung I 15 Min. Die Lernenden arbeiten mit kurzen Auszügen aus den Interviews von Cornelia Diethelm und Monika Ilves. Sie notieren zu beiden Stimmen stichwortartig: Was soll geprüft werden? Wer trägt Verantwortung? Welche Regel hilft? Was bleibt problematisch? Danach formulieren sie einen Unterschied zwischen beiden Stimmen in höchstens vier Sätzen. Lehrkraft: Gibt kurze Impulse, um die Unterschiede zu sichern und nicht zu glätten. Ergebnis: Ausgefüllte Vergleichsnotizen mit benanntem Unterschied. Partnerarbeit M2
Vertiefung 10 Min. Die Lernenden lesen einen längeren Auszug aus dem Interview mit Monika Ilves und rekonstruieren daraus ein Regelprofil für verantwortlichen KI-Umgang. Vorgegeben sind die Bereiche Transparenz, Prüfprozess, Verantwortungszuweisung und Revisionsmöglichkeit. Zu jedem Bereich notieren sie einen Satz: Was müsste eine Gemeinschaft mindestens festlegen? Lehrkraft: Unterstützt mit gezielten Nachfragen. Ergebnis: Ausgefülltes Regelprofil mit vier klaren Sätzen. Einzelarbeit M3
Position beziehen und begründen 12 Min. Auf Grundlage der bisherigen Arbeit schreiben die Lernenden ein kurzes Regelstatement für Schule, Verein oder Jugendgruppe: zwei konkrete Regeln und eine Begründung in maximal zehn Sätzen. Satzanfänge: Diese Regeln sind verantwortbar, weil … Diese Regel schützt besonders … Diese Regel bleibt schwierig, wenn … Lehrkraft: Abschluss im freiwilligen Austausch im Plenum. Ergebnis: Begründetes Urteilsstatement. Einzelarbeit | Plenum M2, M3

Materialien

Handouts und Arbeitsblätter

Material M1

Alltagsfall: Jugendgruppe und KI-Infotext

Klasse 8/9 – Hamburger RUfa – Einstieg in KI-Verantwortung

Fall zum Lesen und Bearbeiten Eine Jugendgruppe in eurem Stadtteil möchte einen Infotext über ein geplantes Straßenfest veröffentlichen. Sie haben den Text mit einer KI generiert. Der Text klingt gut, ist flüssig geschrieben und wirkt professionell. Allerdings enthält er zwei sachliche Fehler (falsches Datum und falscher Veranstaltungsort) und eine problematische Formulierung, die eine bestimmte Gruppe negativ darstellt. Die Gruppe will den Text schnell online stellen, weil das Fest schon bald ist.

Auftrag (zu zweit, ca. 8 Minuten) Erstellt eine Tabelle mit zwei Spalten und notiert:

Was müsste vor der Veröffentlichung geprüft werden?Wer trägt die Verantwortung, wenn der Text online geht?
1. …
2. …
3. …

Beispielzeile (zum Start): | Was müsste geprüft werden? | Wer trägt Verantwortung? | |-----------------------------------------------------|---------------------------------------------------------| | Ob die Fakten (Datum, Ort) stimmen | Die Jugendgruppe selbst, nicht die KI |

Notiert mindestens drei Prüffragen. Bringt eure Notizen ins Plenum mit.

Material M2

Vergleich: Zwei Expertinnenstimmen zu KI und Verantwortung

Methode: Partnerarbeit (Prüffragen & Verantwortung klären)

Methodenbeispiel
Beispielillustration zur Methode

Klasse 8/9 – Hamburger RUfa – Vergleichsauftrag

Arbeitet mit den folgenden Kernaussagen aus den beiden Interviews.

Cornelia Diethelm (Ethikexpertin): KI liefert keine Wahrheit, sondern Ergebnisse aus Wahrscheinlichkeitsrechnungen. Sie versteht die Welt nicht. Deshalb ersetzt KI menschliches Prüfen nicht. Gefährlich ist vor allem das Bild, KI sei neutral. Menschen müssen kritisch prüfen und dürfen Ergebnisse nicht unreflektiert übernehmen.

Monika Ilves (Digitalexpertin): KI-Nutzung in Vereinen und NGOs nimmt zu, aber fast keine Organisation hat Leitlinien. Das führt zu „Schatten-KI“. Deshalb braucht es einen gemeinsamen Code of Conduct mit Grundprinzipien. Wichtig sind Transparenz (offenlegen, welche Tools genutzt werden), Abwägung bei der Tool-Auswahl und gemeinsame Verantwortung. Organisationen sollen Regeln aushandeln, damit Risiken wie Diskriminierung oder Intransparenz verringert werden.

Auftrag (Partnerarbeit) Notiert zu beiden Stimmen stichwortartig in einer Tabelle:

FrageCornelia DiethelmMonika Ilves
Was soll geprüft werden?
Wer trägt Verantwortung?
Welche Regel hilft?
Was bleibt problematisch?

Formuliert danach in höchstens vier Sätzen einen Unterschied zwischen beiden Stimmen. Satzanfänge zur Hilfe: - Diethelm konzentriert sich stärker auf … - Ilves betont dagegen … - Der größte Unterschied ist … - Beide sehen jedoch …

Weiterverwendung für Schritt 4 Hebe die beiden wichtigsten Notizen aus der Spalte „Monika Ilves“ und deinen formulierten Unterschied gut auf. Du brauchst sie später für dein Regelstatement.

Material M3

Regelprofil aus der Stimme von Monika Ilves

Methode: Regelprofil / Rekonstruktion eines Code of Conduct

Methodenbeispiel
Beispielillustration zur Methode

Klasse 8/9 – Hamburger RUfa – Binnensicht und Rekonstruktion

Längerer Auszug (Zusammenfassung der zentralen Gedanken von Monika Ilves): „Wir haben beobachtet, dass die Nutzung von KI in der Zivilgesellschaft steigt. Gleichzeitig hatte keine der Nonprofit-Organisationen irgendeine Art von Richtlinie. Dadurch entsteht eine Art Schatten-KI. Der Code of Conduct besteht aus acht Grundprinzipien. Organisationen können sich diese herunterladen und bekommen konkrete Anleitungen. Der Code of Conduct ist eine Selbstverpflichtung, die sich eine Organisation in einem Aushandlungsprozess gibt. Jede Organisation entscheidet, welche Themen sie angehen will. Das erste Prinzip ist Abwägung und Nutzung: Man kann überlegen, ob man eher Standardlösungen oder Open-Source-Lösungen nutzt. Ein weiteres wichtiges Thema ist die Transparenz darüber, wie man künstliche Intelligenz nutzt. Man sollte offenlegen: Das sind die Tools, die wir nutzen. Im besten Fall ist man offen für Diskussion.“

Auftrag (Einzelarbeit) Rekonstruiert aus diesen Aussagen ein Regelprofil für verantwortlichen KI-Umgang in einer Gemeinschaft (Schule, Verein, Jugendgruppe). Schreibt zu jedem der vier Bereiche einen klaren Satz, was eine Gemeinschaft mindestens festlegen müsste.

1. Transparenz Eine Gemeinschaft muss festlegen: …

2. Prüfprozess Eine Gemeinschaft muss festlegen: …

3. Verantwortungszuweisung Eine Gemeinschaft muss festlegen: …

4. Revisionsmöglichkeit Eine Gemeinschaft muss festlegen: …

Nutzt die Ideen von Monika Ilves (z. B. Offenlegung der Tools, Aushandlungsprozess, gemeinsame Verantwortung).

Unterstützung (ausführlicher als Standard) Wenn du nicht weiterkommst, nutze diese Starthilfen (du darfst sie abändern): - Transparenz: Eine Gemeinschaft muss festlegen, dass immer sichtbar sein muss, welche KI-Tools für welche Texte verwendet wurden. - Prüfprozess: Eine Gemeinschaft muss festlegen, dass jeder KI-Text von mindestens zwei Personen auf Fakten und Formulierungen geprüft werden muss. - Verantwortungszuweisung: Eine Gemeinschaft muss festlegen, dass nicht die KI, sondern eine benannte Person oder ein kleines Team die endgültige Verantwortung trägt. - Revisionsmöglichkeit: Eine Gemeinschaft muss festlegen, dass es eine einfache Möglichkeit gibt, fehlerhafte KI-Texte nachträglich zu korrigieren und zu kennzeichnen.

Material M4

Begründetes Regelstatement für Schule, Verein oder Jugendgruppe

Methode: Vergleichsmatrix

Methodenbeispiel
Beispielillustration zur Methode

Klasse 8/9 – Hamburger RUfa – Abschlussaufgabe

Auftrag (Einzelarbeit) Schreibe auf Grundlage deiner Arbeit aus M2 und M3 ein kurzes Regelstatement für eine Gemeinschaft (Schule, Verein oder Jugendgruppe).

Das Statement soll enthalten: - zwei konkrete Regeln für den Umgang mit KI-Texten - eine Begründung (insgesamt maximal zehn Sätze)

Satzanfänge zur Hilfe - Diese Regeln sind verantwortbar, weil … - Diese Regel schützt besonders … - Diese Regel bleibt schwierig, wenn … - Aus den Stimmen von Diethelm und Ilves habe ich gelernt, dass …

Pflicht zur Weiterverwendung Verwende mindestens eine Erkenntnis aus deiner Vergleichstabelle in M2 (besonders aus der Spalte Monika Ilves) und mindestens einen Satz deines Regelprofils aus M3. Markiere diese übernommenen Teile mit (aus M2) bzw. (aus M3).

Unterstützung (ausführlicher als Standard) Wenn du den Einstieg schwer findest, beginne so: „Für unsere Jugendgruppe schlage ich zwei Regeln vor: 1. … 2. … Diese Regeln sind verantwortbar, weil …“ Achte darauf, dass deine Begründung zeigt, warum die Regeln Verlässlichkeit und gemeinsame Verantwortung stärken.