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radikal

Ist die Würde es Menschen antastbar? Sieht man mit dem Herzen schlecht? Liegt Hässlichkeit im Auge des Betrachters?
Die Geschehnisse in Orlando machen traurig, wütend, rat- und sprachlos … wieder einmal. Aber dabei darf es nicht bleiben! Wie kann es passieren, dass sich Einzeltäter zu so einer Tat hinreißen lassen? Was prägt mich, dass sich “radikale” (Un)Wert-Maßstäbe herausbilden, die anderen Menschen oder Positionen keinen Raum mehr bieten?
Was ist das für ein subjektiver Wahrheitsbegriff, dem sich alles andere unterordnen muss?
Schnelle Antworten verbieten sich eigentlich und trotzdem darf dazu nicht geschwiegen werden: Welchen Beitrag kann die Religionspädagogik leisten, um auch in dieser Situation sprachfähig zu bleiben?

10 Kommentare

  1. Karsten Müller

    14/06/2016 @ 11:49

    Was ist schon Wahrheit?

    1. Von Jesus lesen wir „Anspruch-volles“ (Johannes 14,6): War der Nazarener mit diesem Wahrheitsanspruch gefährlich? Tragt Beispiele seines Wirkens und seiner Verkündigung zusammen.
    2. Und die Nachfolger Christi? Welche Rolle sollte die Kirche in der gesellschaftlichen Auseinandersetzung spielen?

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  2. Karsten Müller

    14/06/2016 @ 14:29

    Warum wir mit Extremisten reden!

    “Welche Erfahrungen muss ein Jugendlicher, der bisher nur Demütigung und Gewalt kennt, machen, um sein Verhalten zu ändern? Basierend auf jahrelanger Erfahrung in der Arbeit mit gewaltbereiten Jugendlichen und jungen Erwachsenen wurde das Konzept der Verantwortungspädagogik® entwickelt. Der von Violence Prevention Network entwickelte Ansatz versteht sich ganzheitlich und bewirkt eine Verhaltensveränderung hin zum verantwortungsbewußten Umgehen mit sich und anderen.”

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  3. Andreas Ziemer

    16/06/2016 @ 9:05

    Ich hab mir aus dem Artikel diesen Satz rauskopiert: “Wie kann es passieren, dass sich Einzeltäter zu so einer Tat hinreißen lassen?” Der könnte so auch aus einer Zeitung stammen oder in der Schule gesagt werden.

    Ich überlege:
    -> Hat er sich hinreißen lassen?
    -> Ist er der Täter? Ist er Opfer? Wie gehören beide Perspektiven zusammen?
    -> Meint “Wie kann es passieren” die Geschichte, die Biografie, dieses Menschen und die Biografien der Menschen, die mit seiner miterzählt werden müssen.
    -> Komme ich über die Teilaspekte dieses einen Satzes näher an die Menschen ran?

    Könnt ihr dazu mal was schreiben?

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  4. Jörg Lohrer

    16/06/2016 @ 10:07

    Zwischen März und April 1953 notierte Hannah Arendt in ihr Denktagebuch: „Es gibt das radikal Böse, aber nicht das radikal Gute. Das radikal Böse entsteht immer, wenn ein radikal Gutes gewollt wird.“ – Diese Sätze geben zu denken. Was ist “radikal” überhaupt? Hat es etwas Revolutionäres oder ist es einfach nur dumm? Recherchiere zu den Bedeutungen von “radikal” und entscheide ob du den Begriff positiv oder negativ besetzt siehst. Begründe deine Meinung!

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  5. MatthiasHeil

    18/06/2016 @ 19:13

    Zu den guten An-Fragen von Andreas: Auch wenn der fünfzigfache Mörder von Orlando seine Gründe für die schreckliche Tat gehabt haben mag, müssen die Kategorien “Täter” und “Opfer” m.E. klar unterschieden bleiben. Wie ich es auch drehe und wende, bleibt der Täter eher Täter als Opfer, und im Horizont einer nicht mal christlich fundierten Mindestanforderung von Mitmenschlichkeit hat er sich reißen oder drücken lassen oder sich auch sehr bewusst bewegt – nämlich hinaus aus dem Zirkel eines Minimal-Miteinanders und hinein in einen Bereich jenseits allen Guten. Ich bin den unvermeintlichen Hintergrundberichten zu der Tragödie ausgewichen, denn ich kann und will und darf dieses Verbrechen gegen die Menschen nicht “ver-stehen”, es ist nicht meine Aufgabe dieses Grenzen überschreitendes Verhalten nachzuvollziehen oder irgendwelche mildernden Umstände in der Biographie des Mörders auszumachen. Seine Gründe inter-essieren mich nicht im wahrsten Sinn des Wortes. – “Wie kann es passieren?” ist also so ziemlich die letzte Frage, die ich mir angesichts solcher Ereignisse zu beantworten versuche. Würden die Antworten, so es sie denn gibt, denn irgendetwas Hilfreiches oder zumindest Tröstendes tun für die Hinterbliebenen?

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  6. MatthiasHeil

    18/06/2016 @ 19:13

    Was bleibt uns aber dann zu sagen, wenn es nicht um das “Wie” und “Warum” gehen kann? – Hier eine Idee für eine kompetenzorientierte Sequenz im Religionsunterricht, die vielleicht zu Antwortmöglichkeiten führt.

    Anforderungssituation: Du bist ein Pfarrer in Orlando und sollst einige Tage nach dem Massaker in der Gemeinde von Pastor Roger Jimenenz eine Predigt halten. Es ist damit zu rechnen, dass Hinterbliebene anwesend sind.

    Information: Pastor Roger Jimenez aus Sacramento, Vorsteher einer kleinen und unverbundenen Baptistengemeinde, hat eiskalt 45 Minuten biblische Eisegese (sic) betrieben und die Opfer dabei als Sodomiten und Sexualverbrecher bezeichnet. Originalton: “I think Orlando, Fla., is a little safer tonight. The tragedy is that more of them didn’t die. The tragedy is — I’m kind of upset that he didn’t finish the job! […] The Bible teaches that they’re all predators. That’s all the Bible says about them: They’re wicked, they’re vile, they’re predators. ​And God says that they deserve the death penalty for what they do […] I’m not saying that we should be doing that. But in God’s government, where God set up the laws and God set up the rules and God set up the people in charge, God said: When you find a sodomite, put them to death.” (https://www.washingtonpost.com/news/acts-of-faith/wp/2016/06/14/pastor-refuses-to-mourn-orlando-victims-the-tragedy-is-that-more-of-them-didnt-die/ ). Medien, Politik und Kirchen verurteilten diese Reaktion umgehend und argumentieren unter anderem damit, dass diese Sicht nicht christlich sei.

    Vorschläge zur Erarbeitung: a) Recherchiere biblische und kirchliche Stellungnahmen zur Homosexualität und dem Umgang mit Homosexuellen. – b) Überprüfe Jimenenz’ Kernaussagen und entwickle eine Argumentation, die deine Rechercheergebnisse und auch deine eigene Sicht berücksichtigt. – c) Informiere dich über grundlegende Anforderungen an eine Predigt (Zeitrahmen, Sprache, Argumentationsmöglichkeiten…) und schreibe die geforderte Predigt. – d) Tragt euch die Predigt in einem kleinen Team gegenseitig vor und feilt an ihnen. – e) Erstellt eine Audio-Aufnahme ohne und eine mit vermuteten Reaktionen der Anwesenden.

    Vielleicht hilft dieser Tweet von Samuel Rodriguez, dem Präsidenten der National Hispanic Christian Leadership Conference: “The answer to radical hatred is none other than radical love; love for God and for each other. #PrayForOrlando” (vgl. https://twitter.com/nhclc/status/742412715914715136?ref_src=twsrc%5Etfw )

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