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Unschuld

“Ich weise darauf hin, dass ein “Geständnis” ausweislich meiner heutigen Erklärung nicht vorliegt. Die Staatsanwaltschaft war mit dem Wortlaut der Erklärung einverstanden. Eine Schuldfeststellung ist damit ausdrücklich nicht getroffen worden.”
Sebastian Edathy am 2.3.2015 auf facebook

Was ist Schuld und Unschuld? Wie unterscheiden wir und wie gehen wir damit in religionspädagogischen Lernprozessen um?

6 Kommentare

  1. Die katholische und die evangelisch-lutherische Kirche kennt das Sakrament der Beichte. Das katholische Verständnis wird auf unterhaltsame Weise auf http://www.katholisch.de/de/katholisch/video/video_details.php?id=1258 dargeboten. Der Clip kann in Form einer Thesen-Liste als Gesprächsimpuls dienen und in den eigenen Umgang mit Schuld führen.

    Manchmal hilft es, sich die Zehn Gebote als Gewissensspiegel vorzunehmen um der eigenen Schuld auf die Spur zu kommen. Dazu gibt es viele Hilfestellungen online, z.B. kann http://www.kleiner-michel.de/assets/templates/kleinermichel/files/pdf/Faltblatt-Beichte-2014.pdf ein guter Einstieg in die eigene Gewissenserforschung sein.

    “Verzeihen und vergeben verlangt dem Opfer eines Fehlers und einer Schuld einiges ab, in jedem Fall. Vergebung einzufordern, schon gar zu schnell, kann Menschen überfordern. Vergeben hat seine Zeit. Verzeihen und vergeben braucht Anstrengung. Es dauert und zugleich ist es ein Geschenk. Man kann nicht sicher sein, ob verzeihen und vergeben gelingt. Man kann nur froh sein, wenn es gelingt. Zugleich zeigt gelungenes Verzeihen, auf dem Weg des Vergebens gibt es Schritte, Stufen. Wenn man die miteinander geht, als Täter und Betroffener, kann Vergebung gelingen.” (Petra Schulze, vgl. http://www.deutschlandradiokultur.de/das-darf-nicht-passieren.1124.de.html?dram:article_id=177046 ) – Schreibe eine diese Thesen illustrierende Geschichte mit alternativen Verläufen.

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  2. Mich erinnert die Frage nach Schuld und Unschuld an die ZDF-Reihe “Schuld” mit Moritz Bleibtreu, http://www.zdf.de/schuld/schuld-36612572.html.

    In Anlehnung an Ferdinand von Schirachs Erzählungen nähert man sich mit Friedrich Kronberg den Motiven einer Tat. Im Unterschied zur klassischen Erzählweise fallen Rechtsprechung und der Wunsch nach Gerechtigkeit aber auseinander. Besonders krass wird das in “Volksfest” deutlich. Eine junge Frau wird mehrfach verwaltigt, die Täter sitzen in Untersuchungshaft. Doch einer von ihnen ist unschuldig. Weil seine Identität nicht geklärt werden kann, darf niemand verurteilt werden.

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  3. Weil Schuld als absolute Größe empirisch nicht festzustellen ist, fordert Gerhard Roth von der Uni Bremen ein Strafrecht, das ohne “Schuld” auskommt:

    “Aus psychologischer Sicht kann man uns eine Handlung nur dann als unser Handeln zuschreiben, wenn es von unseren Motiven bestimmt wird”, so Roth. In der Strafrechtstheorie werde jedoch das genaue Gegenteil als Grundlage für Willensfreiheit angesehen: die Fähigkeit, sich von der Bedingtheit durch Motive zu befreien. “Unser Rechtsgewissen ist aber das Produkt unserer Erziehung oder Lebenserfahrung. Es unterliegt wie alle Motive der Persönlichkeitsentwicklung.”
    http://www.bpb.de/izpb/7740/vom-sinn-und-zweck-des-strafens?p=all

    Wie können dann die Ziele oder Aufgaben des Strafrechtes umgesetzt werden bzw. woran kann man sich orientieren?
    Wenn es um Schadenskompensation, Behebung der sozialen Störung, Abschreckung und Aufrechterhaltung der Normen geht, soll nach Roth die Wiedereingliederung an primärer Stelle stehen und nicht die Bestrafung.
    Mehr lesen: http://www.bpb.de/izpb/7740/vom-sinn-und-zweck-des-strafens?p=all

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  4. Und so läuft das bei anderen Völkern: “Wenn bei dem Naturvolk, den Negritos, jemand z.B. durch Diebstahl einem anderen einen Schaden zufügt, dann wird diese Person nicht eingesperrt. Sie bekommt auch nicht eine andere unserer Kultur üblichen Strafe. Die Person muss sich in die Mitte einer Versammlung stellen … Und sie verbringen einen ganzen Tag damit, dass jeder aus der Gruppe erzählt, wie die Person durch wunderbare Dinge das Leben der anderen bereichert hat …” Hier weiterlesen -> https://books.google.de/books?id=3SIh8ujkyMIC&lpg=PA253&ots=2cRts83sNi&dq=die%20praxis%20der%20negrito&hl=de&pg=PA253#v=onepage&q&f=false

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    • Brita Bernet

      23/03/2015 @ 13:32

      Denn schreib ich mal hier: Hält man soviel positive Rückmeldung schwer aus, schwerer als eine Strafe? Oder macht einen das dann besser, nach dem Motto selbsterfüllende Prophezeihung, bzw. in dem Falle gute Nachrede. Oder ist es vielleicht zu schwer, was Nettes zu einem, der einem grad verletzt hat, zu sagen? Oder unnatürlich? Machen die dort mehr Strftaten als wir oder weniger? Oder gleichviele? Es widerstrebt mir, jemandem so tolle Rückmeldung zu geben, der mir grad hinterrücks geschadet hat. Höchstens, ich wüßte, das fällt ihm schwerer auszuhalten als hier üblche Strafe…

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