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Bilder der Gewalt

Inzwischen können sich auch jüngere Schüler nicht mehr den Berichten über Gewaltexzesse entziehen: In allen Medien spielen Angst und Schrecken, die die Terror-Organisation “Islamischer Staat” (IS) verbreitet, eine unübersehbare Rolle. Diese Nachrichten lassen vor dem inneren Auger von Kindern Bilder entstehen, die sie eigentlich noch gar nicht gesehen haben. Insbesondere das Grauen der Enthauptung macht sprach- und hilflos…
Wie können wir als Pädagogen der eigenen Ohnmacht begegnen, Fragen und Ängste junger Menschen begleiten; und welchen Beitrag kann der Religionsunterricht dabei leisten?

13 Kommentare

  1. (1) Grausame Kriegsvideos (wie z.B. der IS-Enthauptungsclip) sollen nicht länger in sozialen Medien gezeigt werden dürfen. Wie beurteilst du diese Forderung?

    (2) Hierzulande wurde die Todesstrafe abgeschafft. Dies trifft aber nicht überall zu! Informiere dich: http://de.wikipedia.org/wiki/Todesstrafe

    (3) Wie viel ist ein Menschenleben wert? Trage wesentliche Aspekte des christlichen Menschenbildes zusammen: http://www.ekd.de/EKD-Texte/gottistfreund_1989_freund4.html

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  2. Jörg Lohrer

    17/09/2014 @ 11:08

    Allein schon die Vorschaubilder der Google-Suche zu diesem Thema wirken auf mich furchtbar und sind sicherlich als jugendgefährdend einzustufen. Ich will da eigentlich nicht hinschauen und als ich im Netz das erste Enthauptungsvideo entdeckt habe, war ich nicht in der Lage es abzuspielen. Möglicherweise befinden sich solche und schrecklichere Bilder und Videos schon längst auf den Handys der Kinder und Jugendlichen. Verbote und Einschränkungen sind da wohl unwirksam. Wie aber begegnen wir dem, was wir als Lehrende uns selbst gar nicht zumuten wollen? Diese Frage macht mich ratlos und ist mir gleichzeitig Anlass hier dazu zu lernen und Erschließungsmöglichkeiten für mich und andere zu suchen.

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    • Ich habe gerade die Bildersuche bei Google angeschmissen. Es ist wirklich nicht auszuhalten, einfach nur entsetzlich. Videos hab ich kurz gesucht, aber nicht gefunden. Eigentlich will ich mich dazu gar nicht äußern, aber kann man gerade im Ru einfach so tun als ob es diese Bilder nicht gäbe?

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  3. simone wustrack

    17/09/2014 @ 11:31

    Aus der Arbeit der Gedenkstättenpädagogik kenne ich von mir selbst die Schwierigkeit, mit konkreten Bildern umzugehen, weil sie mich dermaßen schockieren, dass sie wie eine Blokade wirken und Lernen meines Erachtens fast unmöglich machen. Nun sind die Bilder aber da und es ist die Frage: Wie ist es möglich, mit den Schülerinnen und Schülern darauf einzugehen.
    Die Bilder zu tabuisieren führt dazu, einen realen und womöglich nicht zu verarbeitenden Teil im Leben der Schülerinnen und Schüler auszuklammern. Es ist notwendig, Räume zu ermöglichen, damit die Jugendlichen über ihren Blick auf die Bilder in einen Austausch kommen können. Denn ich weiß nur, wie ich selbst die Bilder sehe und empfinde, was die Schülerinnen und Schüler sehen, weiß ich nicht. Erst im Austausch kristallisieren sich vielleicht die Fragen und Themen heraus, die dran sind.

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  4. Jörg Lohrer

    17/09/2014 @ 11:36

    „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.“ Dies ist der erste Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, wie sie die Vereinten Nationen beschlossen haben. Man muss jedoch zweimal hinschauen, um diese Worte in der arabisch anmutenden Schrift lesen zu können. Die Idee zu diesem Bild und wie man sie umsetzt habe ich hier im Blogartikel “Auf den ersten Blick scheint vieles unverständlich” beschrieben. Das Bild kann hier hochauflösend heruntergeladen werden und für den Unterricht ausgedruckt oder projiziert werden. Als Bildimpuls dient es dazu, in’s Gespräch zu kommen über die Würde des Menschen, den Anspruch der Universalität dieser Erklärung oder auch das “zweite Hinschauen” und kritische Überprüfen von medialen Botschaften und Bildern.

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  5. Diskutiert folgende Frage: Ist Gewalt dem Menschen angeboren oder ist das ein erlerntes Verhalten? Für Fortgeschrittene: Bringt diese Diskussion ins Verhältnis zur theologischen Vorstellung der Ur-/Erbsünde. Recherchiert, was man darunter versteht und überlegt, ob man als Christ heute noch davon reden sollte.

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  6. Im Judentum und im Christentum gibt es ja generelle Tötungsverbote, z.B. Ex 20,13 (Nicht morden!) oder Mt 5, 21f. Antithese über das Töten. Wie ist das eigentlich im Islam? Was lässt sich dazu im Koran finden? Und wie äußern sich liberale Muslime? Kann da wer helfen?

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  7. Wie sind Menschen zu solchen Grausamkeiten überhaupt fähig?
    Über psychologische Experimente darüber – vom Milgram- bis zum Prison-Experiment – berichtet die Doku “Die Bestie in uns”.
    Auf youtube leider nur im englischen Original (und nicht so reißerischem Titel: The Human Behavior Experiments), aber für Oberstufen-SchülerInnen durchaus eine Option: http://www.youtube.com/watch?v=IfddDbWYL8Q
    Ein kurzer Artikel zur deutschen Doku: http://www.welt.de/wissenschaft/article1451320/Wie-brave-Buerger-zu-grausamen-Sadisten-werden.html

    Fragen dazu:
    * Beschreibe kurz das Milgram-Experiment
    * Beschreibe kurz das diffusion-of-responsibility-Experiment (Verhalten, wenn mehrere Menschen eine Notsituation mitbekommen)
    * Beschreibe kurz das Stanford-Prison-Experiment
    * Was sagen diese Experimente über uns Menschen aus?
    * Welche Konsequenzen ergeben sich für dich aus diesen Experimenten (für dein Handeln, Denken …)?

    Das Prison-Experiment ist übrigens mit Originalmaterial hier dokumentiert: http://www.prisonexp.org/

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  8. Einstellungen zur Gewalt in der Bibel:

    Lest die Bibelstellen
    Gen 4, 23-24
    Ex 21,23-25
    Jes 50,6-8
    Mt 18, 21-22

    Überlegt jeweils folgende Fragen:
    * Welche Einstellung der (erlittenen) Gewalt gegenüber steht hinter diesem Text?
    * Wenn jede/r so verfahren würde, welche Folgen hätte dies langfristig?
    * Welche Beispiele für derartiges Verhalten fallen euch aus Vergangenheit oder Gegenwart ein?

    und am Ende:
    * Was bedeutet dieser Durchblick für den Umgang mit biblischen Texten?
    * Woran sollen wir Christen uns halten?

    (nach einer Idee von Andreas Ruthofer)

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  9. Der RU sollte sicherlich nicht an diesen Bildern vorbei gehen. Aber wie ist das mit der Konfirmandenarbeit? Vielleicht ist dieser Raum sogar noch besser geeignet, auf diese grausamen Bilder einzugehen, denn hier sind die zeitlichen und räumlichen Begrenzungen flexibler und es gibt keinen Notendruck. Ich bin jedoch grundsätzlich im Zweifel, ob die Konfis die Enthauptungsbilder tatsächlich so wahrnehmen wie viele Erwachsene dies tun. Denn diese Bilder werden ja Gott sei Dank nicht von eigenen Erfahrungen gedeckt. Und grausame Bilder sind sie aus einschlägigen Filmen gewohnt.

    Wenn die Untaten der IS doch ein Thema des KU werden sollen, wie kann das geschehen? M.E. kann man dieses Thema im Rahmen der Gottesfrage angehen. Diese Bilder wären dann ein Kristallisationspunkt für die Frage nach Gott und dem Leid. Konkret: Wie verhält sich Gott eigentlich zu diesen Grausamkeiten? Dazu würde ich die Einheit “Gott und das Leiden” aus “Konfis auf Gottsuche” wählen. Hier haben die Konfis nämlich selber die Möglichkeit Gott und das Leiden in Beziehung zu setzen und auch selbst zu entscheiden, ob die Enthauptungsbilder oder doch der frühe Tod der eigenen Großmutter (z.B.) für sie die Theodizee aufwerfen.

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